Sonntag, 20. Januar 2019

Abenteuer Deutsche Bahn / Erlebnisse auf einer Tagesfahrt nach Berlin

Ein Erlebnisbericht von Felix Staratschek

Über den Fahrpreis kann ich nicht klagen. Bereits am 13. Dezember 2019 gebucht, kann ich die Strecke von Remscheid nach Berlin für 43,9 Euro in der 1. Klasse pro Fahrt am Samstag den 19.01.19 zurücklegen. Am Tag der Fahrt will die DB am Automaten mehr als das Dreifache - was immer noch reduziert wäre, sollte man spontan fahren müssen. Der Samstag ist nach meiner Erfahrung ein sehr guter Tag für weite Bahnfahrten zu günstigen Preisen. 

Bis Hamm läuft alles nach Plan. Aber dann steht der Zug aus unbekannten Gründen am Bahnsteig und es kommt eine Durchsage, dass auf einen Abfahrtsauftrag Richtung Bielefeld noch gewartet wird. Ob man sich im Stellwerk mal wieder nicht einig war, ob es Bielefeld überhaupt gibt?


Das ist eine harmlose Verspätung, am 19. Januar 2019 wünscht die Bahn
ihren Fahrgästen frohe Weihnachten. Aber nach dem Fest ist bekanntlich vor
dem Fest. (Ein IC auf den Tiefgleisen im Berliner Hauptbahnhof)


Mit ca. 10 Minuten Verzögerung geht man dann das Wagnis ein, den teuren ICE Richtung Bielefeld loszuschicken und das Experiment scheint zu klappen, alle im Zug haben einige Zeit später den Eindruck, einen Bahnhof wahrzunehmen, der Bielefeld heißen soll. Und es sieht so aus, dass da Leute ein- und aussteigen. 

Aber hinter der Bielefeld-Erscheinung kommt die nächste Durchsage. Wegen technischer Probleme kann der Zug akut nur 130 km/h schnell fahren, man wird also verspätet in Hannover ankommen. Alle Bemühungen des Zugbegleitpersonals, Anschlüsse in Hannover bei bis dato nur 10 Minuten Verspätung zu sichern sind gescheitert. 

In Hannover hat man immerhin die Zeit genutzt, Techniker zum Bahnhof zu bringen, so dass nun die Durchsage kommt, wegen technischer Untersuchungen verzögert sich die Weiterfahrt des Zuges. Immerhin scheinen die Erfolg zu haben. Nach Berlin legt sich nun der Lokführer ins Zeug und reduziert die Verspätung so weit, dass ich noch gerade rechtzeitig zu Beginn der "Wir haben es satt"-Demo am Brandenburger Tor stehe. 

Es hat alles geklappt, aber irgendwie hat man ein mulmiges Gefühl, wenn es bei einem Zugsystem für Hochgeschwindigkeit zu solchen Problemen kommt. Die Leute, die nach Westerland umsteigen wollten oder zu anderen Zügen dürften wohl eine Stunde und länger als geplant auf der Bahn verbringen. 

 
Ein Prestigebahnhof der Deutschen Bahn abseits aller wichtigen U-Bahn-Anschlüsse:
Der Berliner Hauptbahnhof, nur wenige Gehminuten vom Kanzleramt entfernt.
Im Vordergrund eine politische Alternative, die eine bessere Bahn will,
die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP), die "Deutschlands dümmstes Großprojekt"
Stuttgart 21 kritisiert. Bei letzteren werden viele Mittel verbraten, die an anderer
Stelle eingesetzt, Probleme der Bahn lösen könnten. 
 


Die Rückfahrt nach 19.30 Uhr beginnt planmäßig. Nach Wolfsburg kommt jedoch die Durchsage, dass man in Hannover eine halbe Stunde warten müsse, da man akut keinen Lokführer habe und vorher keiner da sein könne. Der Zug wurde in Hannover geteilt. Anscheinend wurde der Lokführer im anderen Zugteil benötigt. Wieder entstehen diese Probleme vor dem nächsten Halt in Bielefeld. Immerhin funktioniert das Bahnhofs-W-LAN, so dass ich noch eine Zugverbindung nach Remscheid Lennep finde, wenn ich statt in Hamm erst in Essen den Zug verlasse. 

Aber auch ein anderes Ereignis tritt in Bielefeld ein, denn ab Bielefeld hat das Zugrestaurant geschlossen, obwohl man noch mehr als eine Mahlzeitlänge vom Zielbahnhof entfernt ist und das Personal des Speisewagens noch bis Köln im Zug sitze, so ein aufgebrachter Fahrgast, der sich die verlängerte Fahrzeit mit einem Bier versüßen wollte. Wäre doch von der DB mal eine Maßnahme gewesen, jedem Fahrgast ein Getränk zu spendieren. 

In Essen kommt die Durchsage, dass die S- Bahn nach Wuppertal 5 Minuten später kommt. Da es noch Zeit bis zur regulären Abfahrt ist, checke ich schnell am Automaten, was das für den Anschluss bedeuten kann und die Prognose sieht so aus, dass der Zug nach Remscheid genau dann abfährt wenn der Zug von Essen ankommt. Da es noch Zeit bis zur regulären Abfahrt ist - man weiß ja nie, ob man sich auf die Verspätungsansagen verlassen kann, such ich den Servicepunkt auf und bitte dort, in Wuppertal bescheid zu geben, dass der Anschluss zwischen den beiden S-Bahnen sicher gestellt wird. 

Und so komme ich am Ende 1 Stunde und 15 Minuten später als geplant mit dem letzten Nachtbus in Radevormwald an. Alles in allem ist die Fahrt gut gegangen, ich hatte bewusst die vorletzte Busverbindung nach Radevormwald angepeilt, um ein Zeitpolster zu haben. Aber irgendwo fragt man sich doch, was los ist, wenn so viele Kleinigkeiten an der Attraktivität des ansonsten sehr komfortablen Bahnsystems nagen. Denn von 12 bis 17 Uhr auf der Demo zu stehen und davor nur eine kurze Nacht zu haben und dann wieder zurück zu fahren mit der Müdigkeit in den Gliedern, da ist die Bahn wesentlich besser, als jedes Auto. Denn im Zug ist das schlimmste, was passieren kann, den Ausstieg zu verschlafen. Im Auto kann Sekundeschlaf tödlich sein.

Ansonsten mache ich mir aber auch keine Sorgen. Bisher habe ich von der Bahn immer einen Taxigutschein bekommen, wenn der letzte Bus nach Radevormwald durch Verspätungen nicht erreicht wurde. Und es gibt auch viele Verspätungen, für die die Bahn nichts kann. Wenn auf einer Hochgescheindigkeitsstrecke jemand Suizid begeht, werden da auch für Stunden alle Züge umgeleitet, was dann auf der ganzen Folgefahrt Verspätungen von bis zu einer Stunde schafft. Und das kommt öfter vor, als es in den Medien steht, weil die Bahn Nachahmer- Effekte vermeiden will. Ich habe das schon zwei mal als Fahrgast erlebt.  Aber diesmal scheinen es alles hausgemachte Probleme zu sein. Das schließt die Verantwortung der Politik nicht aus, denn wenn die CDU-CSU-SPD-Regierigen in Berlin bis vor kurzen nach der Rendite der Bahn gierten (daher wohl das Wort Regierung), haben die die Bahn nicht nur finanziell schlecht ausgestattet, die haben auch noch versucht, Geld abzuziehen, dass die Bahn dringend selber hätte einsetzen müssen. Bei so einer maroden Bahn einen Gewinn zu planen und es zuzulassen das Geld für Stuttgart 21 verbraten wird, ist ein Verbrechen an Fahrgästen, Umwelt und Volkswirtschaft. 

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