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Freitag, 9. Oktober 2015

Leserbrief: Keine Service-Kirche?

Betrifft: 




Ich bin über die Aussagen von Pfarrer Klein in der BM vom 7.10.15 sehr erstaunt. "Wir sind keine Servicekirche", wird er zitiert. Da Priester Latein können müssen, sollte es auch Pfarrer Klein bekannt sein, dass Service vom lateinischen "servire" her kommt, was auf Deutsch "dienen" heißt. Und Messen und Andachten nennt man auch Gottesdienst. Hat da nicht mal jemand gesagt, "der Menschensohn ist nicht gekommen sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen"? Heißt es nicht irgendwo, "gebt ihr ihnen zu essen" oder "was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan"?

Szenen aus dem Leben Jesu in der Katharinenkirche in Oppenheim am Rhein bei Mainz


Es ist durchaus sinnvoll, über die Aufgaben der Priester zu sprechen und zu prüfen, wo man diese entlasten kann. Aber die Feier der heiligen Messe kann nun mal niemand dem Priester abnehmen. Das ist seine Kernaufgabe. Und da bin ich entsetzt, wenn es heißt, 7 Messen seien für 2 Priester zu viel. Eine Messe dauert in der Regel weniger als eine Stunde. Es geht hier also um weniger als 7 Stunden Arbeit an zwei Tagen. Und von den 7 Messen sind nur 5 am Sonntag, zwei sind am Samstag Abend. Jeder werktätige Mensch muss 7, 8 oder auch 9 Stunden am Stück arbeiten, je nach Beruf 5 bis 10 Tage hintereinander. Ist es da zu viel, bei zwei Pfarrern samstags durchschnittlich 1 Stunde und sonntags 3,5 Stunden pro Person zu arbeiten. Schließlich muss für jedes Wochenende die Predigt nur einmal vorbereitet werden, jede Messe hat andere Teilnehmer. 

Oft wird die Kirche mit einer Familie verglichen. Die Eltern haben auch keinen festen Feierabend, die müssen bei Bedarf 24 Stunden für ihre Kinder da sein. Der Beruf des  Pfarrers mag mehr Stunden umfassen, als die Arbeitzeit eines durchschnitlich vollzeitbeschäftigten Werktätigen. Aber, diese Werktätigen sind dann noch nach Feierabend aktiv, in Sportvereinen, in Chören, bei Kolping, in der Familie, so dass deren realer Arbeitseinsatz auch größer ist, zum Teil viel größer, als der eines Pfarrers. Auch haben viele Werktätige weite Wege von und zur Arbeit, ein Pfarrer hat einen Großteil seiner Arbeit im Umfeld des Pfarrhauses oder in Distanzen, die man auch per Fahrrad zurück legen kann (wie Don Camillo). Und der Dienst des Pfarrers sollte nicht nur Beruf sein, sondern auch Berufung.

Es mag sein, dass bei einer geringen Zahl an Priestern öfters mal eine Messe ausfallen muss, weil es kirchliche und private Gründe geben kann, wegen denen ein Geistlicher ausfällt. Aber für solche Ausnahmesituationen gibt es Diakone (die noch zum Klerus gehören) und geeignete Laien (Lektoren, Kantoren, Religionslehrer oder kirchliche Gruppenleiter), die eine Lobgottesfeier leiten können. 

Schon jetzt ist es eine Unsitte in unserer Pfarrei, dass immer wieder Gottesdienste ersatzlos ausfallen. Ob 11 Uhr oder 18 Uhr. Man kommt immer wieder zur Kirche und stellt dann fest, die Messe fällt aus. Zuletzt war dies für eine Ernte Dank- Feier in Hückeswagen der Fall, die zum Ausfall der 11 Uhr Messe in Radevormwald führte. Zahlreiche Leute kamen aber wie gewohnt und wollten die heilige Messe mitfeiern und fanden nur eine leere Kirche vor. Hier hätte man eine Andacht mit Bibellesungen, Anbetung des Allerheiligsten im Tabernakel und Psalmgesang anbieten können? 

Am 3.10.15 stand in der BM, dass der Mittagstisch in Radevormwald ein neues Dach sucht. Ich hoffe, Pfarrer Klein hat schon begriffen, welche Chance dies für die katholische Kirche ist. Denn damit kann man im Sinne von Papst Franziskus einen Service bzw. Dienst an den Armen leisten. Dieser Mittagstisch hat ein eingespieltes Team, das mit Sicherheit gut mit dem katholischen Gemeindehaus umgehen würde. Und wenn die katholische Gemeinde feiert, kann ich mir gut vorstellen, dass die dann ebenfalls ihre Kochkünste einsetzen würden. 

Ich gebe Pfarrer Klein vollkommen recht, "Gemeinde lebt vom Miteinander", aber dieses Miteinander ist überwiegend ein Dienst an anderen. Deshalb ist jede lebendige Kirche eine Servicekirche. Und dem guten Hirten so einer Servicekirche sollten die Sonntagsgottesdienste ein Herzensanliegen sein. Es würde mich nicht stören, wenn die Pfarrer im Gegenzug sich 2 Wochentage ganz frei nähmen, ausgenommen natürlich spontane Notfälle und andere besondere Anlässe und kirchliche Feiertage. Z.B.  an den Samstagen könnten sich die beiden Geistlichen abwechseln, so dass einer am Wochenende einen ganzen Tag frei hat und auch mal seine Freunde besuchen kann. Und wenn mal einer der Priester ausfällt, kann der andere eben nicht alle Messfeiern anbieten. Aber in solchen Ausnahmefällen kann jeder Priester Aufgaben delegieren und dafür sorgen, dass es für diejenigen, die spontan zu einer Gottesdienstzeit kommen, wenigstens eine andere Form der Andacht geboten wird. Notfalls kann sich spontan einer Andachtsgruppe bilden, der man die Tageslesungen und passende Psalmen und Liedvorschläge bereit legen kann. Denn "Gemeinde lebt vom Miteinander" und kann das auch in solchen Ausnahmesituationen praktizieren. 

Abs. 
Felix Staratschek, 
Freiligrathstr. 2
42477 Radevormwald  

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