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Dienstag, 10. Mai 2016

Vorbereitung einer gemeinsamen Protest-Pressemitteilung zum Thema Stromtrassen für Braunkohle


[sfv-rundmail] 10.05.2016 Die Punkte 1. bis 7. betreffen die Vorbereitung einer gemeinsamen Pressemitteilung

1. Sigmar Gabriel (SPD) sabotiert die Energiewende durch Ausbau neuer Stromtrassen für Braunkohle

2. Die wirtschaftlichen Interessen der Braunkohlekraftwerksbetreiber

3. Hat die Windbranche einen Vorteil vom Ausbau der Stromnetze?

4. Anmerkung zu Speichertechniken

5. Markteinführung von Stromspeichern dringend erforderlich

6. Die Fehlentscheidung für Braunkohle in ethischer Hinsicht

7. Wie können andere Organisationen diese Pressemitteilung unterstützen,
können sie eigene Textbausteine liefern?



1. Sigmar Gabriel (SPD) sabotiert die Energiewende durch Ausbau neuer Stromtrassen für Braunkohle

Im Referentenentwurf EEG 2016 des Bundeswirtschaftsministeriums zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) heißt es: „Der Ausbaubaukorridor ist von zentraler Bedeutung für die Synchronisation mit dem Ausbau der Stromnetze.“ Im Klartext bedeutet das: Der Neubau von Solar- und Windanlagen muss warten, bis die Fernübertragungsnetze fertig gestellt sind – und das wird noch viel Zeit brauchen.

Mit dieser Entscheidung gegen eine Beschleunigung der Energiewende soll sich unsere gemeinsame Pressemitteilung befassen. Die unterzeichnenden Organisationen protestieren, denn hier vertritt der Wirtschaftsminister - ohne Rücksicht auf den Schutz der Weltbevölkerung vor der Klimakatastrophe - eindeutig die Wirtschaftsinteressen der konventionellen Stromwirtschaft, die um den Weiterverkauf ihres Braunkohlestroms bangt.


2. Die wirtschaftlichen Interessen der Braunkohlekraftwerksbetreiber

Braunkohlekraftwerke sind technisch für den Dauerbetrieb ausgelegt. Doch bei Zunahme der wetterabhängigen Stromerzeugung aus Sonne und Wind sind zunehmend Versorgungslagen absehbar, in denen Braunkohlestrom zunächst zeitweilig, später dauerhaft nicht mehr benötigt wird. Die Betreiber der Braunkohlekraftwerke suchen deshalb nach Stromkunden, die Monate und Jahre im Voraus verbindliche Dauer-Kaufverträge über gleichbleibende Strommengen abschließen. Damit der verkaufte Strom dann auch geliefert werden kann, fordern Braunkohlebetreiber neue Fernübertragungstrassen. Hier ist die Interessenlage eindeutig.


3. Hat die Windbranche einen Vorteil vom Ausbau der Stromnetze?

Es ist bekannt, dass vielen norddeutschen Windanlagenbetreibern schon seit Jahren die Windräder durch die Netzbetreiber zwangsweise bei gutem Wind abgeregelt werden, weil die Übertragungskapazität der Stromnetze nicht ausreicht. Hoffen die Betreiber norddeutscher Windparks vielleicht, dass stärkere Stromleitungen den Windstrom abtransportieren können – im Zweifelsfall nach Süddeutschland, wo derzeit viel zu wenige Windanlagen gebaut werden? Doch diese Hoffnung trügt: Eine quantitative Abschätzung der notwendigen Windstrommengen zeigt, dass in ALLEN deutschen Landesteilen ein erheblich stärkerer Windanlagen- und Solaranlagenausbau erforderlich ist, um die benötigten Energiemengen CO2-frei bereitzustellen. Bei guten Windverhältnissen wird es dann häufig sowohl in Nord- als auch in Mittel- und Süddeutschland zu hohen Windstrom-Überschüssen kommen. Ferntransportleitungen verlieren aber ihren Sinn, wenn es an beiden Enden und im gesamten Verlauf der Leitungen gleichzeitige Stromüberschüsse gibt.

Im umgekehrten Fall, bei schlechten Wind- und Sonnenverhältnisse fehlt CO2-frei erzeugter Strom sowohl im Norden, als auch im Süden und in der Mitte. Ferntransportleitungen können auch in diesem Fall nicht helfen. Sie könnten einzig Kohlestrom liefern – von dem wir aber aus Klimaschutzgründen wegkommen müssen.

Die einzige Lösung, die sowohl bei zeitweiligem Windstromüberschuss als auch bei zeitweiligem Windstrommangel hilft (das gleiche gilt auch für Solarenergie) ist der zeitliche Ausgleich, d.h. der massive Ausbau von Stromspeichern. Auch wenn das teuer ist - Jeder Unternehmer weiß, dass er investieren muss, um wirtschaftlich fertigen und liefern zu können. Das gilt auch in volkswirtschaftlicher Gesamtsicht. Und Massenproduktion senkt schließlich die Kosten.

Die geforderten neuen Ferntransportleitungen werden sich dann als große Fehlinvestition erweisen. Die Rede ist von Netzbaukosten der Größenordnung über 30 Mrd. Euro (wir haben das nicht nachgerechnet). Dieses Geld sollte besser sogleich in den Bau von Stromspeichern investiert werden.

4. Anmerkung zu Speichertechniken

Auf Pumpspeicherkraftwerke in Skandinavien - erreichbar nur über hunderte von Kilometern lange Fernübertragungsleitungen. - sind wir glücklicherweise nicht mehr angewiesen. Sie haben wegen geringer Energiedichte einen extrem hohen Platzbedarf, der sich geomorphologisch nur an wenigen Orten befriedigen lässt. Es gibt geeignetere Speichertechniken z.B. Batteriespeicher und chemische Speicher, Power to Gas oder Power to Liquid oder andere Neuentwicklungen mit erheblich geringerem Raumbedarf und der Möglichkeit dezentraler Aufstellung in der Nähe der Wind- oder Solarparks.

Der Einwand, dass Rohstoffe für Speicher knapp werden könnten, lässt sich leicht widerlegen, denn es gibt eine immer weiter wachsende Zahl von Speichertechniken, sogar einige Neuentwicklungen mit den häufigen Elementen Natrium und Schwefel.


5. Markteinführung von Stromspeichern dringend erforderlich

Dekarbonisierung heißt Stilllegung ALLER CO2-emittierenden Kraftwerke. Da wir als Industrieland auf eine ununterbrochene Stromversorgung nicht verzichten können, benötigen wir dann CO2-frei erzeugten Solar- und Windstrom rund um die Uhr, auch bei einer Dunkelflaute (weder Solarstrahlung, noch ausreichend Wind.), dann eben aus Stromspeichern. Die benötigte Leistung beträgt etwa 80 GW. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Vereinfacht ausgedrückt: Weil Sonne und Wind manchmal im Überfluss angeboten werden und manchmal zeitliche Lücken aufweisen, besteht die Notwendigkeit zum Ausbau von Stromspeichern. Denn nur Stromspeicher können elektrische Leistung zeitlich verschieben. So speichern wir die Überschüsse windig-sonniger Stunden als Vorrat für die Zeiten ohne Wind und Sonne.

Fernübertragungsleitungen können das nicht: Fehlende Stromspeicher stellen somit den Engpass für die Energiewende dar.

Wo bleiben Speicher-Markteinführungsprogramme mit den notwendigen Gewinnanreizen? Die sind im Referentenentwurf nicht vorgesehen. Fragt man nach, so heißt es, Speicher seien noch zu teuer. Den Bürgern Angst vor den Kosten zu machen, war schon immer ein bewährtes Mittel zur Verhinderung der Energiewende.


6. Die Fehlentscheidung für Braunkohle in ethischer Hinsicht

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) stabilisiert mit seiner Grundsatzentscheidung für die Braunkohle nicht nur eine veraltete ressourcenverschwendende, lanschaftszerstörende Art der Energiegewinnung. Das BMWi agiert darüber hinaus gegen einen Beschluss der internationalen Gemeinschaft. Diese hat - sogar auf Anregung der deutschen Regierung - im Dezember 2015 in Paris zur Rettung des Klimas erhöhte Anstrengungen zur Dekarbonisierung der Energiewirtschaft beschlossen. Es gibt seit dem einstimmigen Beschluss im Dezember 2015 überhaupt keinen Zweifel mehr, dass energiebedingte CO2-Emissionen furchtbare Folgen für die Überlebenschancen aller Völker haben werden.

Unter einer Koalitionsregierung, in der zwei der Koalitionspartner das große „C“ im Parteinamen tragen, sollte es erlaubt sein, an christliche Grundsätze zu erinnern: Im Zeitalter der Globalisierung, die uns in immer dichtere Verbindung zu den Menschen der dritten Welt bringt, deren Schicksal durch wirtschaftliche Verflechtungen mit unserem immer enger verknüpft wird, stellt sich ganz aktuell die Frage, die schon im Gleichnis vom barmherzigen Samariter beantwortet wurde, wer denn unser Nächster sei. Der in vielen Religionen fest verwurzelte Grundsatz und ihr wichtigstes Gebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, wird durch die wirtschaftlichen Aktivitäten unserer Gesellschaft immer heftiger verletzt. Die in zwanzig Konferenzen weltweit verbreiteten Erkenntnisse der Klimawissenschaften und die von entsetzten Journalisten übermittelten Berichte aus den Teilen der Welt, wo die Klimakatastrophe bereits Zehntausende von Opfern fordert, erlauben uns auch nicht mehr die bequeme Entschuldigung „Sie wissen nicht, was sie tun“. Wollen die Planer im BMWi, denen alle wissenschaftlichen Quellen offen stehen, es wirklich nicht wissen?

Es wundert uns, dass nicht ein Proteststurm seitens der christlichen und anderer Glaubensgemeinschaften losbricht. Wo bleiben die Mahner für mehr Mitmenschlichkeit? Papst Franziskus, der nicht müde wird, unsere soziale, ökologische und mitmenschliche Verantwortung für die Welt aufzuzeigen, braucht und verdient aktive Unterstützung. Es geht schlicht und ernsthaft um die Bewahrung der Schöpfung – und damit auch um unser eigenes Überleben und das unserer Kinder.


7. Wie können andere Organisationen diese Pressemitteilung unterstützen?
Können sie eigene Textbausteine liefern?

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland hat diese gemeinsame Protest-Pressemitteilung aus Textbausteinen und Anregungen verschiedener Organisationen und Personen zusammen gestellt und redaktionell überarbeitet. Die Pressemitteilung soll am 12.Mai 2016 veröffentlicht werden. Eine Aufnahme in den Solarbrief 3/2016 ist vorgesehen. Eine laufende Überarbeitung und Ergänzung des vorstehenden Textes, die seine Verständlichkeit erhöht, ohne den Sinn zu verändern, behalten wir uns vor.
Wir werden alle Organisationen, die diesen Protest ausdrücklich unterstützen, auf unserer Internetseite
http://www.sfv.de/artikel/bmwi_sabotiert_die_energiewende_durch_ausbau_neuer_stromtrassen_fuer_braunkohle.htm#toc04 aufführen und auch später noch nachtragen.

Organisation -
Name des Verantwortlichen,
Dienststellung (z.B. Vorsitzender, Pressesprecher usw.)

Bitte teilen Sie Ihre Zustimmung zur Aufnahme in die Unterstützer-Liste mit.


Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V.(SFV)
Frère-Roger-Str. 8-10, 52062 Aachen
 http://www.sfv.de
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Telefonische Beratung: Mo-Fr 8.30 - 12.30 Uhr

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