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Sonntag, 25. November 2012

Feindbild Islam - 10 Thesen gegen den Hass - Vorstellung und kritische Betrachtung der Aussagen von Jürgen Todenhöfer

Von Felix Staratschek, Radevormwald
Mitschrift eines Videotextes und kommentierung

"Feindbild Islam 10 Thesen gegen den Hass."

So lautet der erste Satz des Youtube- Videos von Todenhöfer. Die Thesen enthalten viele Aussagen, denen ich aus ganzem Herzen zustimme, aber auch Inhalte, die ich differenzierter betrachte. Fakt ist, dass auch bei Kritikern des Christentums nicht von Feindbildern gesprochen oder von Hass. Ein kritisches Bild auf eine religiöse Lehre hat nicht zwingend etwas mit Hass zu tun. Etwas anderes ist es, wenn sich rechtspopulistische Gruppen solche Kritik zu eigen machen, um damit andere Ziele zu verfolgen. PRO NRW fabuliert gerne vom christlichen Abendland, ohne dass ich erkennen kann, in welchen Gemeinden die Mehrzahl der Mitglieder solcher Gruppen aktiv christliches Leben praktiziert. Angesichts der Not der Christen in vielen vom Islam geprägten Ländern ist es aber kein Wunder, wenn einige Christen solchen Populisten auf den Leim gehen.

These Nummer 1
Der Westen ist viel gewalttätiger als die muslimische Welt. Millionen arabischer Zivilisten wurden seit Beginn der Kolonialisierung  getötet.  Nicht ein einziges mal in den letzten 200 Jahren hat ein muslimisches Land ein westliches Land angegriffen. Angreifer waren immer die europäischen Großmächte, oder die USA. Die arabischen Länder mussten in diesem Zeitraum mehr als 20 Kriege und Invasionen westlicher Länder über sich ergehen lassen. Der Westen führt in der traurigen Bilanz des Tötens mit weit über 10 zu 1.  

Wenn die Aussage stimmt, dass es "den Islam" nicht gibt, dann gibt es auch "den Westen" nicht. Mit der kritischen Bewertung des Kolonialismus stimme ich Todenhöfer zu. Das hat aber weniger mit den religiösen Lehren zu tun, als mit den realen Machtverhältnissen. Wenn die islamische Welt im Zeitalter des Imperialismus keine Kolonien eroberte, lag das weniger an der grundsätzlichen Einstellung der Machthaber dieser Regionen, sondern an deren ökonomischen und politischen Schwäche! Im gewissen Sinne waren ja Muslime selber Kolonialherren, da bis in das 20. Jahrhundert arabische und südosteuropäische Regionen unter türkischer Herrschaft standen (Albanien, Teile von Griechenland und Bulgarien sowie Albanien, Mazedonien, Lybien, Syrien, Libanon, Palästina, Irak und die Hedschas- Region mit Mekka und Medina). Auch dort gab es Aufstände, die niedergeschlagen wurden. Aber Todenhöfer hat in dem Punkt Recht, wer heute Islamkritik übt, sollte dies auch in dem Bewusstsein dafür tun, was in der Geschichte des Westens negatives passiert ist, was dort an Entgleisungen geschah und was auch heute noch im Namen der sogenannten westlichen Werte geschieht.

These Nr. 2
Nichts fördert den Terrorismus mehr, als die Antiterrorkriege des Westens. Sie sind ein Terrorzuchtprogramm. Die radikalen Kräfte im Westen und in der muslimischen Welt haben sich in den letzten Jahrzehnten hochgeschaukelt. Letztlich war Bin Laden der beste Stichwortgeber George W. Bushs und umgekehrt. Wir müssen dieses tödliche Schaukelspiel zwischen Terroristen und Antiterroristen so schnell wie möglich beenden.

Ich bin jetzt nicht in der Lage, die Wirkung der militärischen Aktionen auf den Terrorismus zu bewerten. Aber ich stelle grundsätzlich in Frage, dass man Terrorismus mit herkömmlichen Kriegen bekämpfen kann. Im Gegenteil. Amerika hat durch seine Kriege mehr Tote zu beklagen, als im World Trade Center ums leben kamen. Es vergeudet für seine Kriege immense Ressourcen, die für den Ausbau des eigenen Landes (Infrastrukur, Hochwasserschutz, Energieeffizienz.....) dringend gebraucht würden. Die Antiterrorkriege sind bei einer ganzheitlichen Betrachtung daher Terror gegen die eigene Bevölkerung, die unter dem Ausbleiben sinnvoller Maßnahmen leidet - auch wenn viele gar nicht wissen, was alles besser sein könnte, wenn die Gelder besser eingesetzt würden - und wo tausende Familien um ihre Söhne klagen, die in ihren besten Jahren im Einsatz getötet wurden und oft gleiches Leid auch den einheimischen Familien in den Kriegsschauplätzen zufügten. Und die USA fördern immer wieder zwielichtige Personen und Organisation, die sich nachher ihrer Kontrolle entziehen, wie Bin Laden und das Netzwerk Al Kaida.
 
These Nummer 3:
Terrorismus ist kein typisch muslimisches,  sondern ein weltweites Problem. Nach Angaben der Europäischen Polizeibehörde Europol gab es im Jahr 2010 in den Ländern der EU 249 Terroranschläge. Davon gingen auf islamische Attentäter lediglich 3 zurück. Nicht 200 nicht 100, sondern 3. Die meisten Anschläge, 160, wurden von militanten Unabhängigkeitsbewegungen verübt, z.B. der baskischen Untergrundbewegung ETA.

Dieser Vergleich hinkt aber, weil die statistische Grundlage das Ergebnis vorherbestimmt. Die meisten islamischen Terroranschläge folgen m.W. innerislamisch durch salafistische Sunniten gegen Schiiten, Amadhis und Sunniten, die einen tolerenaten Islam praktizieren wollen. Dann folgen die Anschläge auf die Minderheiten in islamsichen Ländern. Wo bitte haben Christen in den letzten jahrzehnten Moscheen in die Luft gesprengt, Prozessionen beschossen, etc.. Vielleicht ist es bei einzelenen Kriegshandlungen durch christliche Milizen im Libanon auch mal dazu gekommen, aber das dürfte dann die Ausnahme von der Regel sein. Eine bedeutende Ausnahme ist leider auch der Bosnienkrieg.
In Europa stellt der Islam in den meisten Regionen eine Minderheit dar, die gesamtstaatlich noch im einstelligen Prozentbereich liegt (Ausnahmen Albanien, Bosnien, Mazedonien). Allerdings wird die Kinderarmut der Menschen in Europa dazu führen, dass der Anteil der Muslime deutlich zunehmen wird. Es ist nicht verwunderlich, wenn es in Europa wenig islamischen Terror gibt, da die Muslime hier auch ihren Glauben leben können. Natürlich lehnt (hoffentlich) auch in der islamisch geprägten Welt die Mehrheit den dortigen Muslime den Terrorismus ab. Aber wer Waffen hat, hat Macht und so kann auch eine Minderheit das Klima in Ländern und Regionen stark beeinflussen und der friedlichen Mehrheit das leben zur Hölle machen.  
Was ich hier vermisse, sind eindeutigere oder falls vorhanden lautstärkere Verurteilungen von Terror und Mafia durch die katholische Kirche, da einige Terrorgruppen, wenn auch nicht als christliche Terrorgruppen, so doch als Vertreter von Volksgruppen mit katholsicher Prägung auftreten (Basken, Iren). Eine regelmäßige Erneuerung der Exkommunikation solcher Gewalttäter wäre hier ein schönes Zeichen. Ich werfe meiner Kirche nicht vor, dass diese solches Verhalten gut heißt oder unterstützt, aber ihr Auftreten dagegen ist m.E. zu schwach und zuwenig wahrnehmbar.

These Nr. 4
Islamisch getarnte Terroristen sind Mörder. Christlich getarnte Anführer völkerrechtlicher Angriffskriege auch. "Angriffskriege sind der Terrorismus der Reichen", sagt Peter Ustinov. Für ein irakisches Kind macht es keinen Unterschied, ob es von einem islamischen Selbstmordattentäter oder von einer christlichen Bombe zerfetzt wird. Für dieses Kind sind Geoge W. Bush und Toni Blair genauso Terroristen, wie Bin Laden für uns.

Dieser Abschnitt enthält sehr populistsiches! Wo bitte gibt es eine christliche Bombe? Wenn es eine Bombe durch Christen gibt, verstoßen die Bombenleger gegen unzählige Aussagen Jesu in der heiligen Schrift, die eindeutig Gewalt ablehnen. Auch sind nicht alle muslimsichen Attentäter Selbstmordattentäter. Heckenschützen und Bomben mit Zeitzündern, Fernzündung oder Minen dürften überwiegen. Wer zwingt denn die Muslime im Irak, andere Muslime zu masakrieren? Bei aller berechtigten Kritik an den USA und deren vorgeschobenen Kriegsgründen, ich halte es für Blindheit, die gesamte Gewalt, mit der die Menschen in der islamsichen Welt konfrontiert sind, dem Westen in die Schuhe zu schieben. Eine ungerechte Weltwirtschaftsordnung mag dem Terrorismus vorschub leisten, aber dann stellt sich auch die Frage, warum es aus anderen Regionen, die auch darunter leiden, weniger Terrorismus gibt. Bush als christlich getarnten Anführer zu bezeichnen, finde ich aber zutreffend. Jesus sagt, ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen. Alle US- Präsidenten und viele andere Regierungen sind Diener des Mammons und verstärken so das Leid auf der Erde. Auch hier vermisse ich ein konsequenteres Auftreten meiner katholischen Kirche. Ich vermisse aber auch, dass Gruppen, die schon wacher sind, die vorhandenen Aussagen der Kirche für eine bessere Welt heraussuchen und anhand dieser Aussagen immer wieder das unwürdige Verhalten unserer Politiker aufführen.

These Nr. 5:
Muslime waren und sind mindestens so tolerant, wie Juden und Christen. Sie haben die westliche Kultur entscheidend mitgeprägt. Muslime überlieferten uns nicht nur die versunkenen Schätze griechisch römischer Kultur, sie schufen auch neue Wissenschaften. Ihnen sind die Anfänge der experimentellen Optik, der Kompass, die Kenntnis der Planetenlaufbahnen und wesentliche Teile der modernen Medizin zu verdanken. Sie haben die westliche Zivilisation weit nach vorne gebracht. Auch wenn viele unserer Politiker es nicht wahr haben wollen, wir leben heute in einer christlich, jüdisch und islamisch geprägten Kultur.

Auch diese Aussage ist kritisch zu hinterfragen. Die Aussage, dass Muslime etwas überliefert haben, sagt ja, dass es nicht von ihnen kommt. Wer hat also bis Mitte des 7. Jahrhunderts das Wissen weiter getragen? Es waren die überwiegend christlichen Einwohner Syriens, Ägyptens und Palästinas, die damals unter islamische Oberhoheit gerieten und es war demnach ein christlicher Einfluss, der vom Islam aufgenommen wurde.  Was uns also die Muslime vermittelt haben, hätte auch ohne deren Auftreten auf anderen Wege nach Europa kommen können. Der Islam hatte seine Blütezeit zu einem Zeitpunkt, als es noch sehr viele Christen im heutigen nahen Osten gab und manche wegen der politischen Vorteile die Religion wechselten und damit auch christliche Prägungen in den Islam hinein trugen. Ein Großteil Europas war durch die Völkerwanderung erschüttert. Danach folgten Wikinger-,  Araber- und Ungarneinfälle. Das geistige Kulturgut braucht in Europa mehr Pflege, als im trockenen Orient, wo man Schriften in Höhlen versteckt, noch nach 2000 Jahren lesen kann. Die Lernfähigkeit des christlichen Europas hat wesentlichn zu seinen späteren Erfolgen und leider auch dadruch ermöglichten Überschreitungen beigetragen. Das unsere Welt von den drei sogenannten abrahamitischen Religionen stark geprägt ist, steht außer Zweifel. Aber bei der Toleranz haben alle drei Religionen, wo diese Macht hatten, schlimme Zustände hervorgebracht. Allerdings konnte sich kein Christ auf Jesus berufen, wenn er Schriftkenntnisse hatte. Immerhin gab es von Papst Johannes Paul II ein Schuldbekenntnis für die Untaten, die auch Christen begagngen oder ermöglicht haben. Gibt es irgendwann auch so ein Bekenntnis von Gelehrten des Islam?

These Nr. 6
Nicht nur in der Bibel, auch im Koran sind die Liebe zu Gott und Nächstenliebe die zentralen Gebote. Der Islam ist eine Religion der Liebe und Barmherzigkeit. An keiner Stelle rechtfertigt der Koran die Tötung unschuldiger Zivilisten. Im Gegenteil, einer seiner zentralen Sätze lautet, wer einen Menschen rettet, für den soll es sein, als habe er die ganze Welt gerettet.

Also, es tut mir leid. So sehr ich die Recherchen schätze, die Todenhöfer zu den Kriegen, die westliche Mächte in islamisch geprägten Regionen führten und führen, so sehr wundert es mich, dass er den Koran so wenig zu kennen scheint. Was heißt dass denn, wenn der Koran an keiner Stelle die Tötung "unschuldiger Zivilisten" erlaubt? Gibt es auch schuldige Zivilisten?
Und womit begründet Todenhöfer die Aussage, dass genau dieser Satz eine zentrale Aussage des Koran sei? Hat er den Koran selber gelesen oder haben ihm das Lobbyisten der islamsichen Religion erzählt?
Ich habe Koran mehrmals gelesen, einmal um einen  Überblick zu bekommen und dann, um verschiedene Aussagegruppen der Verse farblich zu kennzeichnen.
Todenhöfer gibt hier Inhalte der 5 Sure des Koran wieder. Da heißt es in Vers 33ff:
"5.33 Daher haben wir den KINDERN ISRAELS vorgeschrieben, daß, wer einen umbringt, NICHT UM ZU VERGELTEN ODER WEIL DIESER VERDERBEN AUF DER ERDE ANRICHTE, es so sei, als habe er alle Menschen umgebracht. Wer andererseits einen einzigen Menschen rettet, nur einem am Leben erhält, sei angesehen, als habe er das Leben aller Menschen erhalten. ...."
DIESER VERS IST IM DIALOG SEHR OFT ZITIERT; ALLERDINGS OHNE DEN BESTANDTEIL; DAS DIES AN DIE KINDER ISRAELS GESAGT WURDE und oft ohne den Einschub, wann man doch töten darf. DER NÄCHSTE VERS; DER DIREKT FOLGT; WIRD SELTSAMER WEISE NIE IM DIALOG ZITIERT:
"5.34 Doch der Lohn derer, welche sich GEGEN ALLAH UND SEINEN GESANDTEN empören und sich bestreben, nur Verderben auf der Erde anzurichten, wird sein daß sie getötet oder gekreuzigt oder ihnen Hände und Füße an entgegengesetzten Seiten abgehauen werden oder das sie aus dem Lande verjagd werden. DAS IST IHRE STRAFE IN DIESER(!!!!!) WELT, und in jener Welt erwartet sie eine große Strafe."

Was heißt hier "Verderben" anrichten? Ist das Verbreiten einer falschen Lehre ein Verderben bringendes Verhalten? Ist das nicht einer der Verse im Koran, die dazu führen, dass Christen diskriminiert werden, weil laut Koran deren heilige Schrift verfälscht wurde und alle Anhänger, die der Verfälschung folgen in die Hölle bringt, wenn sie davon erfahren haben, dass Allah über den Koran seine Religion wieder hergestellt hat? Und warum wird im Dialog der Satz mit der Gewalt, der sofort folgt und die Aussage in einen Zusamenhang stellt, immer weg gelassen? Selbst Obama hat Vers 33 in Kairo zitiert. Eines meiner Probleme mit dem Islam ist, dass ich für fast alle im Dialog zitierten Stellen, die die Friedlichkeit des Islam aufzeigen sollen genauso aus dem Textzusammenhang gerissen sind wie hier der Vers 33 der 5. Sure. Ich würde es bei keinem christlichen Theologen akzeptieren, wenn er die Bibel so willkürlich zerrupft. Wichtig ist zu wissen, das Christen und Muslime ein sehr unterschiedliches Verständnis davon haben, wie ihre jeweilige Heilige Schrift Gottes Wort ist. Muslime reden über die Bibel oft so, als müsste die wie der Koran verstanden werden, Christen reden über den Koran so, als sei der eine von Menschen verfasste Schriftensammlung, wie die Bibel. Im Islam ist das Wort Buch geworden, im Christentum ist es Fleisch geworden und das Buch ist nur der Zeugenbericht von der Fleischwerdung. Der Glaube an diese Fleischwerdung Gottes ist aber im Islam eine Todsünde, die Allah laut Koran nie verzeiht und zur ewigen Höllenstrafe führt, wenn man in ihr stirbt. Deshalb wird der christliche Kult allenfalls in vielen islamsichen Ländern toleriert, jede Form von offenen Bekenntnis gegenüber anderen - was ja zur Religions- und Meinunbgsfreiheit gehört -  ist aber hoch problematisch. Das liegt z.T. an staatlichen Gesetzen oder an Muslimen, die meinen, andere Muslime vor so einem Bekenntnis schützen zu müssen. So sehr ich die Kritik Todenhöfers an der Gewalt westlicher Mächte teile, so sehr vermisse ich hier eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Koran. Schließlich könnte ja auch meine bisherige Sichtweise durch gute Auslegungen, die ich bisher nicht bedacht habe, verändert werden. Aber solche guten Argumente habe ich bisher nie bekommen.
 
These Nr. 7:
Die westliche Politik gegenüber der muslimischen Welt leidet unter einen erschreckenden Ignoranz einfachster Fakten. Beispiel Teheran: Einer der Lieblingssätze westlicher Stammtischstrategen lautet, wer den Ruf des Muezin in westlichen Städten verlangt, sollte auch das Glockenleuten in Teheran zulassen. Die Realität jedoch ist, im Iran gibt es zahlreiche christliche Kirchen, von denen einige laut und kräftig läuten. Christliche Kinder haben sogar einen eigenen Religionsunterricht. Es gibt 100 Synagogen. 1500 jüdische Kinder besuchen jüdische Schulen, es gibt 6 koschere Metzger, drei koschere Restaurants und ein großes berühmtes jüdisches Krankenhaus, dem sogar Machmud Abadineshad Geld spendete.

Diese These macht deutlich, woran man populistische Islamkritik von inhaltlicher Auseinandersetzung mit dem Islam unterscheiden kann. Glocken läuten in sehr vielen islamischen Ländern. Und der Islam erklärt Christen und Juden zu Schutzbefohlenen, von denen man dafür eine Kopfsteuer verlangen darf. Sie waren daher meistens Bürger zweiter Klasse. Allerdings waren das die Juden in Europa auch. Nur mit dem Unterschied, dass dies im Islam so praktiziert wird, seit Mohammed die jüdische Oase Haibar erobert hat und im Christentum als Verfehlung erst nach der konstantinischen Wende auftrat.
Wie steht es aber um die Freiheit von Konvertiten im Islam oder im Iran? Auch die Sichtweise Todenhöfers ist mir hier zu oberflächlich. Wenn die Populisten falsche Fakten anführen, dürfen die Aufklärer wahre Fakten nicht ausblenden! Wie steht es um die Freiheit der Bahai im Iran? Wo sind deren Gotteshäuser?

These Nummer 8
Der Westen uiss die muslimische Welt genauso fair und großzügig behandeln, wie er zurecht Israel behandelt. Muslime sind genausovuiel Wert, wie Juden und Christen. Die amerikanische Fernsehmoderatorin N.  Colter sagt: "Wir sollten in ihre Länder einmarschierden, ihre Führer todschlagen und ihre Völker zum Christentum bekehren. Wir sollten - so wörtlich - unseren nationalen Arschkriecherwettbewerb beenden, Syrien ins Steinzeitalter zurück bomben und danach den Iran dauerhaft entwaffnen." Warum darf man über Muslime und ihre Religion rassistische Sachen sagen, die in Bezug auf Juden und Christen zu recht geächtet sind. Wir müssen die Diskriminierung des Islam beenden. Sie ist beschämend. Und sie schadet unseren eigenen Interessen.

Was die Fernsehfrau hier sagt ist menschenverachtend und gewaltverherrlichend. Rassismus ist bei Religion der falsche Bergiff, angesichts z.B. vieler deutscher Konvertiten zum Islam, die ihren tradionllen Glaubensbrüdern zum Teil das Fürchten lehren. Inweiweit der Islam diskriminiert wird, kann ich pauschal nicht sagen. Die eher freikirchlich strukturierte Religion Islam hat alle Rechte, die auch andere kleinere Religionsgemeinschaften haben. Und im Gegensatz zu vielen Sekten und Sondergruppen haben die Muslime oft starke Finanziers, so dass diese sich gute Moscheebauten leisten können. Beim Religionsunterricht in Deutschland kommt man muslimsichen Gruppen in vielen Bundesländern entgegen, obwohl diese noch nicht die Kriterien erfüllen, die man bisher für den Religionsunterricht an Schulen anlegte. An Unis werden Fakultäten eingerichtet für islamische Theologie. Wie Maßgeblich die Stimme der Fernsehfrau in den USA ist und welche Verbreitung ihr Sender hat, weiß ich nicht. Zumindest in Deutschland wäre ihre Karriere mit so einer Aussage beendet. Was das Christentum angeht, kann ich eine Ächtung von beleidigenden und entstellenden Aussagen nicht feststellen. Im Gegenteil, gerade weil viele - was nicht heißt, die Mehrheit! - Muslime emotionaler reagieren oder Minderheiten im Islam sich von deren Populisten in Wallung bringen lassen, lehnen sich viele Zeitgenossen bei der Kritik am Christentum weiter aus dem Fenster heraus, als bei anderen Religionen. Sprüche, wie "Hät Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben" gehören da noch zu den harmloseren Vorkommnissen.

  These Nummer 9:
Die Muslime müssen sich wie iher Prophet Mohammed  für einen Islam des Fortschritts und der Toleranz einsetzen. Sie müssen den muslimischen Terrorismus die religiöse Maske vom Gesicht reißen. Anders als manche muslimische Politiker unserer Tage war Mohammed kein Reaktionär. Er war ein kühner, nach vorne blickender egalitärer Revolutionär, der den Mut hatte, die fesseln der Tradition zu sprengen. Sein Islam war keine Religion des Stillstandes oder des Rückschrittes sondern der Erneuerung und des Aufbruchs.

Welche Grundlage hat diese These?
Ist Mohammed egalitär?
Ist Mohammed ein Vorbild für Toleranz?
Ist Mohammed kein Reaktionär?
 Koran und Hadith sprechen da in ihren Gesamtzusammenhang eine andere Sprache! Und das Gesamtanliegen des Koran ist ja reaktionär, es soll die wahre Religion wieder hergstellt werden. Reaktionär ist ja funktional gesehen kein negativer Begriff, es kommt ja darauf an, worauf die Reaktion erfolgt. Und da habe ich bedenken:
Mohammed hält an der Steinigung fest, die die Christen überwunden hatten und die Juden in einem Hadith nicht parktizieren wollten.
Mohammed hat viele Kriege geführt und gesagt, sein Reichtum komme vom Schatten seines Schwertes!
Mohammed durfte als einziger Muslim sich beliebig viele Frauen nehmen und die auch wieder wegschicken, das steht so im Koran.
Nur 100 Jahre nach Mohammeds Tod beherrschten seine Nachfolger ein Territorium von den Pyrenäen in Europa bis an die Grenzen Indiens.
Mohammed erklärte Schriftbesitzer, die keine Muslime sind zu Menschen zweiter Klasse, die dann relativ unbehelligt leben können, wenn diese sich der islamischen Herrschaft unterwerfen und für ihren Unglauben die kopfsteuer bezahlen. Ist das egalitär?
Den Anspruch des Koran, das verfälschte Evangelium wieder in seiner reinen Form herzustellen, kann ich nicht erkennen. Mohammed ist eine bedeutende Person der Geschichte, die die Welt verändert hat. Ob positiv oder negativ entscheidet sich heute, nähmlich genau darin, wie die islamische Theologie es schafft, die Gewalt, die es auch im historischen Islam gab als zeitbedingt darzustellen, weil es keine Religionsfreiheit gab und auch die christlichen Herrscher keine Religionsfreiheit akzepzierten und den Islam nie zugelassen hätten.
Wenn Muslimische Gelehrte endlich verkünden würden, dass der kriegerische Djihad beendet ist, wo Religionsfreiheit herrscht, dann kann der Islam eine Religion werden, die die heutige Welt bereichert.

These Nr. 10:
 Das Gebot der Stunde heißt Staatskunst, nicht kriegskunst - in Afganistan, in Pakistan, im Irak, im Iran, in Syrien und in Palästina, wie im Ostwestkonflikt.  Wachsames, geduldiges und zähes Verhandeln, das ist auch im mittleren Osten die richtige Strategie. Nur in einer gerechten Weltordnung finden Terroristen keinen Nährboden. Nur in einer gerechten Welt kann auch der Westen dauerhaft in Frieden leben.

Dieser These ist nicht viel hinzu zu fügen. Zwar wird es einzelene Verrückte auch bei einer gerechten Weltordnung geben, aber die werden nicht so leicht Mitstreiter gewinnen. Die Muslime als Menschen haben meist kein Interessen an Kampf und Krieg. Und es sind nur Minderheiten, die von Populisten scharf gemacht werden. Aber diese Minderheitenm können großen Schaden anrichten, sowohl innerislamisch, als auch gegen die alteingessenen Minderheiten, die meistens Reste früherer Mehrheitsbevölkerungen sind und jetzt in ihrer Heimat drangsaliert werden. Aber manchmal soll es auch nur an der Kameraeinstellung liegen, wenn wenige Fanatiker groß im Bild sind, während friedliche Massen nicht ins Medienauge fallen. 

Ich komme auf der Arbeit mit meinen türkischen und muslimischen Kollegen gut zurecht, weil ich nicht nur das Armenierprogramm kritisiere, sondern auch alle andere Gewalt. wie die Kriege Bismarcks oder den Rachekrieg gegen Serbien, der den ersten Weltkrieg auslöste. Auch kann ich Muslime vor un gerechtfertigter Kritik schützen, ohne problematisches zu verharmlosen. Ich kann mich aber als Christ auch nicht damit abfinden, wenn dunkle Seiten ausgeblendet werden, unter denen meine Glaubensbrüder und andere Menschen (nach stärker als Christen die Anhänger der Bahai, von denen man in Teheran kein Gotteshaus finden wird oder die Ahmadi in Pakistan) bedrängt, diskriminiert und verfolgt werden. Trotz allem hoffe ich, dass die politischen Aussagen von Todenhöfer mehr gehör finden. Wenn ich auch seine Aussagen zum Islam so nicht in allen Punkten nachvollziehen kann, so sind seine Schlussfolgerungen für das Handeln m.E. doch der einzige Weg, der zu einem guten Zusammenleben führen kann. Denn eine gerechte Entwicklung nimmt den Demogagen viele Chancen, Menschen für ihren Extremismus zu rekrutieren. und bei allen theologischen Differenzen zwischen Islam und Christentum, über die man in einer aufgeklärten Gesellschaft friedlich sich austauschen kann, verlangt das christliche Menschenbild, dass man immer das beste für alle Menschen anstrebt. Wer sich dafür nicht abmüht, verrät seine Religion.
 

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