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Sonntag, 1. Mai 2011

Debatte über Kirche, Missbrauch, Sexualität/ Antwort an Margareth Gorges

Hier steht der Artikel, auf den sich der folgend kommentierte offene Brief bezieht:

Link zum unkommentierten offenen Brief in der Saarbrücker Online Zeitung von ATTAC, der eine Antwort auf meinen Text ist. 
Den offenen Brief habe ich gefunden, als ich bei Google nach meinem Namen schaute. Dazu habe ich Anmerkungen, die in fetter Schrift geschrieben sind zwischen den Abschnitten des offenen Briefes an mich.

"Bei der Überschrift zu Ihrem Artikel ”Die Kirche hat keine veraltete oder zu hohe Sexualmoral“ , habe ich mir die Frage gestellt – ob nun eine Satire folgt? Nein – es war leider keine Satire. Sie meinen das wirklich Ernst was Sie da schreiben."



"Es war eine enorme psychische Belastung bis zum Ende zu lesen, denn es ist einfach nur noch UNERTRÄGLICH was sie da an unzumutbaren Verschönungen in Predigt Stil ablassen !"


Sehr geehrte Frau Margareth Gorges!
Ich bemühe, nichts zu beschönigen und habe nie gefordert, dass bei der Aufklärung im Bereich der Kirche nachgelassen werden soll. Ich bin aber der Auffassung, dass der Mehrzahl der Missbrauchsopfer nicht geholfen ist, wenn nur über die Kirche diskutiert wird. Warum Sie mein Brief psychisch belastet, weiß ich nicht. Es kann natürlich sein, dass Opfer von Priestern oder deren Angehörige oder Personen, die sich um Opfer kümmern diesen Bereich besonders im Auge haben und wegen der Betroffenheit hier besonders stark reagieren. Aber wir müssen alles im Auge behalten.


"Und was soll das Video von Daniel Cohn-Bendit ? Cohn-Bendit hat keine Kinder missbraucht!"


Was Cohn Bendit da sagt, würde man von keinem Bischof oder Geistlichen tolerieren und würde dort schon als Missbrauch oder missbrauchsnahe Handlung bezeichnet. Warum verteidigen Sie das? Bleibt zu hoffen, dass das Video nicht die aktuelle Auffassung von Cohn Bednidt zeigt und er in gleicher Weise dazu gelernt hat, wie Volker Beck oder wie es schon seit einiger Zeit die Bischöfe tun. Verschärfungen der kirchlichen Regeln begannen ja schon vor dem öffentlichen Skandal.
Wikipedia- Artikel:  Debatte um Abschaffung des Sexualstrafrechts in Deutschland


"Aber ganz nach dem Motto von Bischof Walter Mixa, der sagte er hält den sexuellen Kindesmissbrauch an katholischen Einrichtungen auch für eine Folge der sexuellen Revolution, lenkt das Video ja schön ab und der Untertitel dazu suggeriert es auch noch: „Missbräuche finden nicht nur in der katholischen Kirche statt“."


Nirgendwo habe ich diese Aussage von Mixa beschönigt oder gar erwähnt. Denn die Fälle, die akut behandelt werden, waren ja überwiegend vor 68 oder von Personen, die noch nicht von 68 beeinflusst waren. Hier hat Mixa mit seiner Aussage, die sexuelle Revolution habe dies verursacht, voll ins Fettnäpfchen getappt. Aber die sexuelle Revolution beschönigt solches Verhalten oder hat dies lange Zeit getan. Sollte Mixa das gemeint haben, hat er sich sehr schlecht ausgedrückt. Aber wenn die BzgA heute in staatlich finanzierten Anzeigen "Sex mit Unbekannten" als Teil des "Perfekten Urlaubs" bewirbt, wenn man nur vor dem Urlaub Kondome kauft, dass soll dann normal sein. Wer ist der Unbekannte? Welche Folgen hat er/sie zu tragen, wenn der Urlauber wieder nach Hause fährt. Für mich fängt der Missbrauch mit der Verführng an, die Frau Merkels Bundesregierung mit dieser Anzeigenserie finanziert. Wohlgemerkt, der Missbrauch fängt damit an, was die aktiven Täter tun ist einiges höher einzustufen.
Und Mixa hat gelogen bzgl. der Gewaltvorwürfe. Hätte er sich von Anfang an zu seinem Versagen beim Umgang mit Jugendlichen ("der eine oder andere Watschen") bekannt und gesagt, dass ihm sein Verhalten rückblickend Leid täte, wäre das besser gewesen. Mixa wurde übrigens in der Vergangenheit oft auf primitive Art und Weise entstellend zitiert. In solchen Fällen habe ich ihn auch schon verteidigt. Aber hier hat er leider so versagt, dass ich bisher nichts finde, womit ich ihn in dieser Sache verteidigen könnte. Allerdings ist ein sexueller Missbrauch bei Mixa nicht nachgewiesen, einzig seine Anwendung von Gewalt steht weiter im Raum. Und das ist für einen Geistlichen schon schlimm genug. Aber die Art, wie man Mixa einen Missbrauch andichten wollte, spricht auch Bände! Der, der da missbraucht worden sein sollte hat dies zumindest bestritten! Und weitere Opfer haben sich nicht gemeldet.



"Die Verantwortung trägt also das gesellschaftliche Umfeld – Punkt. Nicht Individuen oder die Strukturen der kath. Kirche sind nach diesem Bild die tiefere Ursache für den sexuellen Missbrauch, sondern das dekadente gesellschaftliche Umfeld."


Jeder trägt da Verantwortung, wo er steht. Fakt ist, dass die Bischöfe oder deren Beauftragte hier versagt haben, da alleine ein theoretisch zu befürchtendes Restrisiko ein anderes Handeln erfordert hätte. Aber damit zeigt die Kirche nur, dass diese genauso anfällig ist für schlimme Zustände, wie der Rest der Gesellschaft. Oder spricht man in ihrer Familie über die Alkoholiker in der Verwandtschaft? Es gibt davon so viele, dass es in jeder Großfamilie mindestens einen Fall geben muss. Falsche Scham, eine falsche Einschätzung der Veränderungsfähigkeit der Täter und eine nicht Beachtung des Restrisikos haben hier fatal zusammen gewirkt.


"Das GENAU DAS IST das verlogene Selbstbild der katholischen Kirche! Der ganze Aufbau dieses Männerkonstruktes Katholische Kirche ist geprägt durch Hexenverfolgung, Frauenfeindlichkeit, Sexualfeindlichkeit (tausende uneheliche Kinder von Priestern müssen darunter leiden , dass ihr Vater sie verleugnen muss –auch das ist Gewalt an Kinderseelen!) Prügel, Züchtigung, Dämonisierung und Intoleranz gegenüber Wissenschaft und Fortschritt ."


Dies ist nun wirklich eine pauschale Polemik ohne jede Faktengrundlage. Natürlich gibt es hier populärwissenschaftliche Bücher, die alles mögliche behaupten. Und wenn einmal was falsch zitiert wurde, wird das trotzdem oft jahrzehntelang weiter abgeschrieben. Alleine die Gegenüberstellung von Kirche und Wissenschaft zeigt doch, wie polemisch das ist, hat man doch auch im Geist der areligösen Wissenschaften schwerste Verbrechen begangen. Es ist traurig und eine Schmach, dass der christliche Geist so was wie Hexenprozesse nicht verhindert hat, aber dass sagt noch lange nicht, dass dieses Verhalten spezifisch kirchlich ist. Zumindest war der Hexenwahn besonders stark in Deutschland und meist eine Angelegenheit der weltlichen Gerichtsbarkeit. Was die Priesterkinder angeht, würde ich Reformen begrüßen, die den Pflichtzölibat auf die Ausbildungs- und Kaplanszeit beschränken und Zugänge zur Priesterberufung für geeignete bewährte Christen schafft. Dann würden Priester, die dem Zölibat nicht durchhalten nicht mehr der Seelsorge entfallen und - da stimme ich ihnen zu - das wäre auch für die Kinder besser. Ich denke aber trotzdem, dass ein Großteil der Priester am Zölibat festhalten würde und verlange belegte Beweise für die Behauptung, Zölibat und Missbräuche stünden im Zusammenhang.


"Und nicht zu vergessen: Der DEUTSCHE Papst Benedikt XVI rehabilitierte die Pius Bruderschaft samt Holocoust Leugnern – und allein damit hat er der kath. Kirche schon irreparablen Schaden zugefügt!"


Dieser Satz zeigt, dass sie Polemik aufgesessen sind. Warum Sie das DEUTSCHE so hervorheben, weiß ich nicht, da bei einem zutreffen des Sachverhaltes es egal wäre, woher der Papst stammt. Aber nichts von dem, was Sie da sagen trifft zu. Ich habe mich dazu hier geäußert, in Bezug auf die Berichterstattung der Papstreise nach Israel im ZDFDas Wiederkauen falscher Tatsachen ist zwar heute Mode, aber auch die Wiederholung macht die Sache nicht wahrer. Hier habe ich eher den Eindruck, dass oft nach dem Motto verfahren wird, wenn man nur genug Dreck wirft, bleibt schon etwas hängen. Siehe auch ein weiteres Beispiel von der Zeitschrift Focus.

Die Missbrauchsfälle sind schlimm. Aber bei dieser Art der Vorgeschichte der Berichterstattung und dem Ausbleiben einer weiteren Aufarbeitung dieses Themas, frage ich mich schon, geht es wirklich um alle Opfer oder werden die Opfer hier nur als gute Gelegenheit genutzt, die bisherige kirchenfeindliche Berichterstattung fortzusetzen. Bevor man dies jetzt als billige Polemik meinerseits kritisiert, empfehle ich die Texte hinter den Links zu lesen, die vor dem Missbrauchsskandal geschrieben wurden. Vielleicht lesen Sie dann in Zukunft auch solche Texte kritischer und machen sich nicht mehr zum Multiplikator solcher Falschaussagen zur Freude der Kirchengegner. Wer Zeit hat, kann sich mal dieses Vortrags- Video anhören. 

Mich wundert es sowieso, warum die vielen parteipolitischen Mitglieder im Zentralkomite der deutschen Katholiken ZDK nicht ihrer vorrangigen Laienberufung folgen und eine wahrhaft christliche Politik umsetzen und einfordern: 



"Die deutschen Bischöfe weigern sich seit Jahrzehnten, die entsprechenden Gewalttäter den Staatsanwälten auszuliefern, maximal gab es Versetzung und/oder Amtsenthebung! Vertuschen- verschweigen- einmal in den Beichtstuhl Amen !
Unabhängig von meinem persönlichen moralischen Anspruch sagt die Justiz EINDEUTIG , dass auch eine Vereitelung/Vertuschung einer Strafttat juristisch verfolgt werden muss, d.h. auch die Bischöfe GEHÖREN ANGEZEIGT u.a. die Brüder Ratzinger! Und da reicht mir kein: Oh es tut mir Leid, verzeiht mir blah blah Verzeihen können NUR DIE OPFER – jedoch welche/r Vergewaltigte kann verzeihen? Die Missbrauchsopfer wurden von Menschen zerstört, die den höchsten moralischen Anspruch vermittelten, und von daher ist der Missbrauch innerhalb der Kirche an „Schutzbefohlenen“ doppelt verachtenswert und an Widerlichkeit und Heuchelei nicht zu überbieten !"


Ich weiß nicht warum irgend eine Art des Missbrauches doppelt verachtenswert gegenüber einen anderen Missbrauch sein soll? Dass die Kirche falsch gehandelt hat, sage ich auch in meinem Text. Wenn man meint, zu erkennen oder gar beweisen kann, dass Bistümer oder Rom noch heute falsch handeln, kann man das am konkreten Fall aufführen.
Ob aber jeder Anschmiss, den man in den Medien vernimmt, sich wirklich als wahr bestätigt, ist eine ganz andere Sache. Es könnte nämlich auch unschuldige Geistliche Opfer einer Kampagne werden. Nichts ist unmöglich auf der Welt und alles muss geprüft werden.



"Bischöfin Käßmann trat übrigens aus moralischen Gründen zurück und wenn man ihre „Straftat“ gegen das 1000 fache Missbrauchverbrechen in der kath. Kirche stellt, dann wird das ganze noch abstruser. WAS IST MORAL IN DER KATHOLISCHEN KIRCHE WIRKLICH WERT? – Außer Lippenbekenntnisse NICHTS !"


Frau Käßmann hätte statt dem Bischofsamt nur den Führerschein abgeben müssen. Das wäre genug. Mittlerweile sind ja auch Missbräuche aus evangelischen Einrichtungen oder der Odenwaldschule aufgedeckt. In der Kar- Woche 2011 habe ich eine WDR- Sendung zum Thema gehört. Täter war bei einem Anwesenden nicht der Priester, sondern der Küster, in einem anderen Fall im TV war es der Organist der Gemeinde. Ich kenne persönlich auch einen Fall aus einer evangelischen Gemeinde. Zwar kam es nicht zum Missbrauch auf der Konfirmationsfreizeit, aber einer der älteren jugendlichen Begleiter versuchte sich an mindestens einen der Konfirmanden heranzumachen. Meine Bekannten wissen bis heute nicht, ob diese Person aus der Jugendarbeit entfernt wurde. Aber deren Kinder haben sich selbst aus der Gemeinde entfernt.


"Zu Ihrem Punkt 2 Herr Staratschek: “Man kann in der Kirche über vieles diskutieren. Aber Leute, die das Zölibat (Ehelosigkeit von Priestern und Ordensleuten) oder die Sexualmoral der Kirche zur Ursache der Missbräuche machen, missbrauchen die Missbrauchsskandale um ihre Wunschkirche zu rechtfertigen. Ich bin nicht gegen eine Diskussion über den Zölibat, der ist nicht der Grund, warum ich Christ bin, aber diese Themenvermengung halte ich nicht für korrekt”
Sie finden die Diskussion um den Zölibat eine Themenvermengung? Wir wollen eine Wunschkirche?"


Ich habe nichts gegen eine Wunschkirche. Für die darf jeder streiten, aber bitte auf korrekter Argumentationsgrundlage. Es wundert mich aber auch, dass die Kirchenaustritte alle ins Nichts gehen, statt z.B. zur Altkatholischen Kirche oder zu den Protestanten. Da sind doch alle von manchen geforderten Reformen umgesetzt und wenn die Leute danach verlangen, müssten deren Gemeinden boomen. Aber zu den Austritten habe ich mich weiter oben in der verlinkten Kritik am FOCUS geäußert.
Das Thema Missbrauch und Zölibat wird auch bei Wikipedia aufgegriffen:
Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche, Debatte über Ursachen und Besonderheiten sexuellen Missbrauchs in der römisch-katholischen Kirche

Als dieser Artikel noch neu war, gab es eine Diskussion, wo die Löschung gefordert wurde. Ich habe damals für den Erhalt und Ausbau des Artikels plädiert, weil die Dokumentation zu eine Enzyklopädie gehört und weil ich will, dass das Thema öffentlich zur Aussprache kommt. Auf die weitere Entwicklung des Artikels habe ich keinen Einfluss genommen, weil ich in anderen Bereichen meine aktiven Schwerpunkte habe. Aber ich habe den Artikel mehrfach verlinkt.



"Was soll das denn? ICH WILL EINE KIRCHE DIE NICHT VERTUSCHT – ICH WILL EINE KIRCHE DIE IHRE MORAL DIE SIE PREDIGT AUCH VORLEBT !"


Wer will das nicht, aber das ist doch keine Sache des Zölibates. Ich bin in der Gesamtfraktion einer Wählergemeinschaft und wir kämpfen hier dauernd gegen Vertuschung und für Transparenz, leider mangels Ratsmehrheit meist auf verlorenen Posten. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Kirche aus den Vorfällen gelernt hat und schon vor einigen Jahren die Richtlinien verschärft wurden. Aber auch hier gibt es wieder Beispiele von miesen Journalismus. Nicht jeden Fall merke ich mir gut genug zum wiedergeben. Aber da war z.B. ein Priester, der in den USA entsetzliche Missbräuche getan hatte. Als das nach Rom kam, in den Bereich des jetztigen Papstes, lag der aber schon gezeichnet im Pflegeheim. Weder war hier eine Gefahr im Verzug noch hätte eine kirchliche Maßnahme hier noch eine Wirkung gehabt. Wenn in diesem Fall Ratzinger von weiteren kirchenrechtlichen Maßnahmen abgesehen hat, ist das keine Vertuschung oder gar Solidarisierung, wurde aber in der Weltpresse so dargestellt. Das die Kirche ihre Moral oft besser vorleben könnte, sehe ich auch so. Aber das gilt nicht nur für Bischöfe, sondern auch für Basis. Ich leide nicht nur an der Amtskirche, sondern auch an der trägen Masse. Und trotzdem ist es die Kirche, die mir die Werte für mein Handeln vermittelt hat und in der ich versuche, zum guten mitzuwirken.


"Sorry aber ich bin wütend, ja ich bin wütend! Und bevor ich meine Containance verliere lasse ich zu diesem Punkt Hubertus Mynarek sprechen, der in deutlichen Worten dazu Stellung bezieht – und mir und vielen Menschen aus der Seele spricht ."


Vielleicht haben Sie die Containance schon öfter verloren, als es ihnen lieb sein dürfte. Aber das kann auch an Gründen liegen, die tiefer liegen, als diese Tatsache, so dass ich mich von ihrem Stil nicht zu gleicher Formwahl mitreißen lassen will. Aber ich finde, Sie gehen auf vieles, was ich geschrieben habe nicht ein (was auch nicht sein muss, wenn man dazu nichts anmerken will oder kann) oder bringen hier Dinge ein, die weit darüber hinaus gehen. Wenn es wirklich noch Fehler bei der Kirche aufzudecken gibt, habe ich mich nicht dagegen gewandt, dass dies geschieht. Im Gegenteil, ich will nicht, dass die Kirche jetzt in eine Wagenburgmentalität verfällt.


"Sind die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche auf den Zölibat zurückzuführen?
Menschsein des Priesters ist eingeschränkt
Von Hubertus Mynarek
Mynarek lehrte als Professor für Religionswissenschaft, Religionsphilosophie und Fundamentaltheologie an den Universitäten Bamberg und Wien. 1972 trat er als erster Theologieprofessor im deutschsprachigen Raum aus der katholischen Kirche aus. Er verfasste zahlreiche kirchenkritische Bücher. Zu seinen Veröffentlichungen zählen »Herren und Knechte der Kirche«, »Eros und Klerus«, »Casanovas in Schwarz« und »Jesus und die Frauen«.
Ich beantworte diese Frage mit einem klaren und eindeutigen Ja. Wenn katholische Bischöfe und Theologen diese Frage fast ausnahmslos mit einem kategorischen Nein beantworten, dann ist das Strategie, Taktik, Apologie, ja alles Mögliche, nur nicht die Wahrheit."


Wenn alle Singles potentielle Triebtäter wären, wären Deutschland und Europa ein für Jugendliche sehr gefährliches Land. Singles leben doch auch zölibatär, wenn auch meist nicht aus kirchlichen Gründen.


"Man stelle sich vor, Amtsträger der römisch-katholischen Kirche bejahten einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Zölibat und sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Ein Bischof, der das täte, würde vom Vatikan in den Ruhestand geschickt oder man stellte ihm einen Koadjutor zur Seite, der ständig auf ihn aufzupassen hätte und vor allem jede weitere der Amtskirche nicht genehme Äußerung dieses Bischofs unterbinden würde. Für einen Theologen, der die Missbrauchsfälle mit dem Zölibat in Verbindung brächte, wäre eine weitere Kirchenkarriere ausgeschlossen. Sollte er sich habilitiert haben und sich um eine theologische Professur an einer deutschen oder österreichischen Universität bemühen, bekäme er die Genehmigung, das »Nihil obstat« des Bischofs, mit Sicherheit nicht. Und in unserer kirchenstaatlichen Realität ist es nun einmal so, dass sich auch jeder Kultusminister an den negativen Bescheid des Bischofs zu halten hat."


Wir haben genug freie Wissenschaftler, die dies belegen können, wenn das die Analyse der Verhaltensweise und Psychologie der Täter nahelegt, dass kann kein Bischof verhindern. Mir sind aber solche Ergebnisse bisher nicht vorgekommen. In einer Fernsehdiskussion drohte sogar ein Opfer die Sendung zu verlassen, wenn weiter auf dem Thema Zölibat herum diskutiert wird und so vom eigentlichen Problem abgelenkt wird. Und unsere Medien wären die Ersten, die das allen miteilen!


"Nicht bloß Bischöfe und Theologen, sondern überhaupt alle von der katholischen Amtskirche in irgendeiner Weise Abhängigen können es sich gar nicht leisten, den Zölibat für die Misere der Missbrauchsskandale mitverantwortlich zu machen."


Angesichts der Tatsache, dass die Mehrzahl der Missbräuche in den Groß- Familien und anderen gesellschaftlichen Bereichen ohne Papst an der Spitze stattfindet, in Bereichen außerhalb des Pflichtzölibates, ist das eine sehr gewagte Behauptung. Wir müssen nach Wegen suchen, diese Opfer zu erkennen, die nur in einer Minderheit der Familien, etc. anzutreffen sind, aber wegen der vielen Familien und sozialen Orte doch in großer Zahl. 15.000 sollen es jährlich sein, also 750.000 Fälle in den letzten 50 Jahren. Soll man sich da nur um die vielleicht 1000 Opfer aus kirchlichen Umfeld kümmern?


"Ist doch der Zölibat – also die Priestern und Ordensleuten diktierte Ehelosigkeit und das darauf gründende Verbot alles Sexuellen – ein wesentlicher Strukturpfeiler und entscheidend wichtiges Symbol der total männlich hierarchisierten und organisierten Amtskirche. Darauf wollte und will weder sie noch einer der so »modernen« Päpste des 20. und 21. Jahrhunderts, auch nicht der so liebenswürdige Johannes XXIII., verzichten, wiewohl auf diese Weise ein fundamentales Menschenrecht der Priester mit Füßen getreten wird und zugleich der Heuchelei Tür und Tor geöffnet werden."


Es gibt durchaus Dinge, die auch für den Zölibat sprechen. Conrad Zander, früher Sprecher der WDR- Serie Zeitzeichen, ist so ein unkonventioneller Querdenker. Für Ordensberufungen kennen alle Kirchen den Zölibat, bei Priestern kennen selbst papsttreue Kirchen oft den Pflichtzölibat für den Klerus unterhalb des Bischofamtes nicht. Und deswegen halte ich langfristig hier Änderungen für möglich. Aber die erreicht man nicht mit falschen Behauptungen. Vortrag von Conrad Zander


"Dabei liegt der ursächliche Zusammenhang zwischen Zölibat und sexuellem Missbrauch von Kindern und unmündigen Jugendlichen auf der Hand. Jeder katholische Priester ist in einer wesentlichen Dimension seines Menschseins eingeschränkt, eingezwängt, eingekerkert, verletzt, frustriert. Die sexuelle Lebenskraft lässt sich zwar eine Zeit lang verdrängen, aber nie wirklich abtöten. Durch tausend und abertausend Poren jeder menschlichen Existenz bricht sie immer wieder durch, wenn auch in Form von unzähligen Masken und Metamorphosen, Ersatzhandlungen mit sexuellem Hintergrund und Perversionen. Übersteigerte Sexualwünsche, entstanden gerade durch längere Phasen der Unterdrückung der Libido, machen am Ende vor nichts Halt. Wen wundert es da, wenn die Schwächsten und Wehrlosesten die ersten und leichtesten Opfer des gegängelten und dann explodierenden Sexualtriebs von Hochwürden werden."


Klingt ja geradeso, als ob das Eheleben immer ein Paradies wäre. Ich bin selber noch Single, nicht weil ich das unbedingt wollte, aber ich habe nicht so die Kontaktgabe, wie andere und merke mir Gesichter sehr schlecht. Aber ich bin engagiert für eine Politik, die die Umwelt schützt und die Familien, die für den Fortbestand jeder Gesellschaft wichtig sind, besser stellt. Wenn ich Frau und Kinder hätte, hätte ich da Verpflichtungen, die mein Engagment erheblich einschränken würden. Und ein wirklich engagierter Priester, der seine Berufung lebt, den kann es ähnlich gehen. Ich sehe da überhaupt keinen Grund, dass man da frustriert sein soll! Nur weil man als Mann nicht mit einer Frau schlafen kann, wird man zur Bestie? Ist das nicht ein bisschen zu sexistisch? Was würde Alice Schwarzer dazu sagen? Was würden die beiden Frauen sagen, mit denen ich Zeitweise den Lebensweg kreuzte, die den Weg in ein Kloster fanden? Die leben auch zölibatär. Wer weiß, wahrscheinlich leben viel mehr Ordensfrauen zölibatär, als Priester und Ordensbrüder zusammen genommen.


"Es ist des Weiteren kein Wunder, dass kirchlich geführte Schulen, Kinderheime, Erziehungsinstitute und ähnliche Anstalten der primäre Ort sind, wo Kindern und Jugendlichen seitens der Geistlichen Gewalt, physische wie sexuelle, angetan wird. Die jungen Menschen sind hier der Macht der Vorgesetzten total ausgeliefert und diese selbst sind ja auch das Erziehungs- und Bildungsprodukt einer autoritären Kirche."


Gewalt gab es an vielen Stellen, oft von Mitschülern oder Personal, nicht nur von Geistlichen. Und es ist schlimm, dass man damals so autoritätshörig war, dass man nicht die potentiellen Täter überprüft hat, sondern die potentiellen und realen Opfer wegen ihrer Berichte bestraft hat, die man als Behauptungen diffamierte.


"Meist sind es labile, infantile, sexuell unreife junge Männer, die ins Priesterseminar eintreten. Von der Atmosphäre und dem ganzen Bildungssystem des Seminars erhoffen sie sich die Stabilisierung ihrer Persönlichkeit. Sind sie heterosexuell eingestellt, dann erwarten sie in der Abgeschlossenheit des Seminars eine Stärkung ihres Willens, sich der »Versuchung durch das Weib« besser zu erwehren. Sind sie homosexuell veranlagt, dann vermuten sie, es werde in der monolithischen Männergesellschaft des Priesterseminars leichter fallen, mit anderen jungen Männern sexuelle Kontakte aufzunehmen."


Ich habe bei einer Person den Lebensweg miterlebt von der Grundschule über die Priesterberufung bis zur Weihe. Bei ihm war es der Wille, sich ganz Gott hin zu geben. Das es auch andere geben mag, kann sein, aber diese Verallgemeinerung halte ich für sehr gewagt. Ebenso habe ich zwei Frauen kennen gelernt, bevor die den Weg ins Kloster fanden, eine heute als Leiterin der Gemeinschaft von Jersusalem in Groß Sankt Martin/ Köln (Bei der KAB in Herzogenrath bei einem sechwöchigen Industrieseminar für Theologen mit 4 wöchigen Arbeitseinsatz) und die andere an der KHG- Paderborn. (Ich war der einzige Nichttheologe, der aus Interesse an diesem Seminar teilnahm.)


"In beiden Fällen kann es schief gehen und geht es meistens schief. Denn die Unreife, Unentwickeltheit, Instabilität ihres Charakters macht es diesen jungen Leuten schwer, eine eigene Identität zu finden und zu entfalten, macht sie verlegen, schüchtern, kontaktarm bis kontaktunfähig. Also vertrösten sie sich auf das Leben nach dem Priesterseminar, wenn die Augen der Vorgesetzten nicht unentwegt spionierend auf ihnen ruhen, sie dann wenigstens relativ frei als Seelsorger in den Pfarreien oder als Erzieher in kirchengeführten Instituten agieren können und es nun mit von ihnen Abhängigen zu tun haben. Mehr oder weniger masochistisch haben sie Beobachtung, Druck und Autoritarismus, manchmal auch Ungerechtigkeiten, Benachteiligungen und Zurücksetzungen seitens der Vorgesetzten des Priesterseminars oder der Ordenskonvikte erduldet. Jetzt aber können sie mehr oder weniger sadistisch ihre Macht über ihnen Ausgelieferte ausüben. Es erfordert ja weniger Mut, sich an Halbwüchsige heranzumachen, als sich ausgereiften Identitäten Erwachsener in erotischer oder sexueller Absicht zu nähern. Eines ist sicher: Hätte die Kirche den Mut, das abwegige, abstruse und absurde, heuchlerische und verlogene Zölibatsgesetz abzuschaffen, dann würde sich die Zahl der Missbrauchsfälle von Priestern an Kindern und Jugendlichen wesentlich reduzieren. Andernfalls wird die Welle der Skandale des Missbrauchs und der sexuellen Gewalt noch anschwellen und alle kirchlichen Autoritäten endgültig kompromittieren."


Dies ist nichts weiter als eine unbewiesene oder hier nicht belegte Anreihung von Vorwürfen. Es geht nicht mehr darum, fachlich zu prüfen, woran es liegt. Gerade viele der Kirche feindlich eingestellte Leute sind doch froh, jetzt auf die Kirche einschlagen zu können. Das nimmt nicht die Fehler weg, die die Kirche gemacht hat. Aber die Fehler liegen nicht im Zölibat, über das man aus anderen Gründen diskutieren kann, sondern in der Angst vor der Öffentlichkeit und vielleicht auch in der falschen Einschätzung von Personen. Immerhin war es außerhalb der Kirche früher mal Auffassung, dass die Täter sich leichter ändern können. Und viele Taten, die hier der Kirche vorgeworfen werden, wären in den Augen vieler dann nicht schlimm, wenn die Täter ein bisschen mehr dafür geworben hätten, dass die Erfüllung ihrer Begierde, sofern man ihr freiwillig nachkommt, nichts schlimmes sei. Man beachte die Aussage des homosexuellen Politikers Volker Beck (Grüne), der auf seiner Homepage diese Gesinnungsänderung, zu der ich ihn beglückwünsche, eingesteht, zu der er gekommen sei, als er mit Opferverbänden in Kontakt kam. 

 Doch bevor es zu diesem Gesinnungswandel kam, führte diese Gesinnung dazu, das 1985 in NRW die Wähler die Grünen an der 5%- Hürde scheitern ließen. Dafür bin ich den Wählern sehr dankbar!
Das zeigt zumindest dass es hier außerhalb der Kirche eine gesellschaftliche Gruppe gab, die der Pädophilie sehr aufgeschlossen gegenüber stand. 
Jerzy Montag, MdB der Grünen, beklagt sich in dem Video über "Strafsucht" der Aufklärer gegen Kindesmissbrauch (Frau Steinbach gehört nicht zu meinen bevorzugten Politikerinnen, aber das was die Grünen hier einbringen, macht den Beitrag hörenswert).


"Natürlich wäre eine weitere Voraussetzung für eine Reduktion der Missbrauchsfälle die Einführung einer humaneren, freieren, menschenfreundlicheren und weniger autoritären Sexualmoral in die Bildungsmethoden und -systeme der Priesterseminare und Konvikte, der kirchlich geführten Schulen und Erziehungsheime insgesamt."


Ich glaube, dass unsere Sexualmoral heute barabarisch ist. Die Frau wird über die Pille zum Lustobejekt für den Mann degradiert, dass alle gesundheitlichen Konsequenzen dieser unnatürlichen Verhütungsmethode tragen muss. Die Pille ist keinesfalls ein Gottesgeschenk, sondern allenfalls ein kleineres Übel, wenn man es nicht besser schafft. Es wundert mich schon, dass die Grünen so wenig für die natürliche Familienplanung eintreten, aber Hormonpräparate befürworten, die Abwässer und Grundwasser messbar belasten. Da muss man nicht katholisch für sein, da reicht ein Blick auf die Aussagen der Koordination gegen Bayergefahren . Wenn Anzeigen der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung in Jugendzeitschriften dafür werben, dass man Kondome vor dem Urlaub kaufen soll, damit man einen perfekten Urlaub hat beim Sex mit Unbekannten, dann ist das aktive Werbung für Promioskuität und ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich gegen Sextourismus wehren. Die katholische Kirche hat im Zentrum ihrer Sexualmoral die Aussage, das nie ein Mensch sich eines anderen Menschen zur Befriedigung seiner Triebe bedienen soll. Sexualität soll die Hingabe an den Partner sein, dem man sein Leben lang treu ist. Und wenn der Partner genauso denkt, schenken sich beide gegenseitig und ihren Kindern die höchste denkbare Erfüllung. Kann sein, dass kein Mensch dieses Ideal ganz erreicht, aber man kann sich danach strecken. Ich empfinde das als menschlicher, als alles andere, was uns akut angeboten wird. Wenn die Kirche gegen ihre Lehre verstößt, dann muss dieser Verstoß kritisiert werden. Wenn man aber diesen Verstoß dazu nutzt, die hohe Wertschätzung der Sexualität in der Kirche in den Dreck zu ziehen, dann werde ich dem widersprechen. Wer eine Frühsexualisierung betreibt, der schätzt weder Mensch noch Sexualität als Wertvoll ein, sondern nur die schnelle Triebbefriedigung. Kein Wunder, dass "Pro" Familia Abtreibung im Angebot hat, da es bei jeder Verhütung ein Restrisiko gibt. Und je mehr Sex diese Strategen erzeugen, um so mehr Schwangerschaften wird es zu Zeitpunkten geben, wo diese ungelegen kommen. Und in der Folge werden viele Frauen zur Abtreibung gedrängt, da das Kind ja jetzt die Karriere zerstören würde. Selbst, wenn es diese Probleme immer geben wird, weil kein Mensch ideal ist, ist es doch verkehrt, diese Probleme zu verklären und zu fördern.


Mit bestem Gruß, Felix Staratschek

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