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Sonntag, 23. Oktober 2011

Der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner 1980 zu den Themen Schöpfung bewahren und Kernenergie


Mensch und Natur
im technischen Zeitalter
Eröffnungsvortrag auf der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, Fulda, September 1980

Als „Horizont und Grenzwesen zwischen geistiger und körperlicher Welt“ steht der Mensch, so schreibt Thomas von Aquin, in der Mitte der Schöpfung(In 3. Sent., Prol.). Gott hat ihm, wie wir bei Augustinus lesen, „das Dasein mit den Steinen, das vegetative Leben mit den Bäumen, das Sinnesleben mit den Tieren und das geistige Leben mit den Engeln gegeben“ (De Civ. Dei, V, 11). Durch seinen Leib gehört der Mensch zum Haushalt der Natur. Ohne Luft, Wasser und Nahrung kann er nicht leben. Er ist jedoch nicht – wie die Tiere – in eine besondere Natur-Umwelt eingebunden, sondern er vermag auf die Natur, auch wenn sie seine Lebensbasis ist und bleibt, einzuwirken, sie umzugestalten und sich anzupassen.
Es hat freilich viele Jahrtausende gedauert, bis der Mensch bei der Befriedigung seiner damals sehr primitiven und elementaren Bedürfnisse die Natur allmählich zu beherrschen lernte. „Der frühe Mensch“, so sagt Romano Guardini, „muss Furchtbares an Entbehrung und Beschwerden durchgemacht haben. Auch Ängste unvorstellbarer Art vor den Mächten der Natur, die er nicht verstand, und die infolge seiner großen, aber ungeklärten religiösen Erlebniskraft eine dämonische Schrecklichkeit hatte. Manches Bedrohliche in der Tiefe unseres Unbewußten stammt aus jener dunklen Zeit“(Romano Guardini, Der unvollständige Mensch. Düsseldorf 1955, S. 1)
Auch wenn es dem Menschen im Laufe der Zeit – besonders seit dem Aufkommen des Bauerntums im Neolithikum und seit dem Entstehen der Hochkulturen – mehr und mehr gelang, denkend, lernend und prüfend der Natur Herr zu werden, war sein technisches Können doch verhältnismäßig gering und stagnierend. Den Pflug, den Wagen, das Segel, die Öllampe gebrauchte man zu Beginn des industriellen Zeitalters beinahe noch in derselben Weise wie zur Zeit der Pharaonen.
Dann aber jagte eine Erfindung und Entdeckung die andere. Gestützt auf die Naturwissenschaften und angelockt durch die Möglichkeiten der freien Wettbewerbswirtschaft bemächtigte sich der Mensch systematisch der bisher verborgenen Geheimnisse der Schöpfung. Er bannte die Naturkräfte – durch zweckgebundene Anwendung der Forschungsergebnisse – in die physikalische, chemische und biologische Technik, die in stürmischer Entwicklung zur Grundlage der Industrie und zum Skelett der gesamten modernen Zivilisation geworden ist.
Das technische Zeitalter brach an. Von ihren äußeren Erscheinungsformen ausgehend, kann man die Technik umschreiben als das Insgesamt aller Maschinen, Apparate, Anlagen und Verfahren, die der Mensch - unter Beachtung sowohl der Naturgesetzlichkeit als auch der Wirtschaftlichkeit - geschaffen hat, um die Kräfte und Stoffe der Natur sich immer vollkommener dienstbar zu machen. Dieser das vorhandene technische Arsenal und Potential erfassende Begriff lässt sich durch eine zweite, am Menschen orientierte Definition ergänzen: Technik als Können und Machen.
Eisenbahnen und Autostraßen, Zechen, Hochöfen und Fabriken haben das Antlitz der Landschaft verändert. Aber auch der Mensch selber ist durch die atembeklemmende Hast des technischen Fortschritts in seinem Lebensgefühl gewandelt worden. Ein neuer, technisch orientierter Menschentyp begann sich zu formen, ein Typ, der überall auf Erden fast gleiche Züge trägt. Wie der Sport, so ist auch die Technik - wenigstens in ihrer äußeren, stets verfügbaren Apparatur - auf der ganzen Welt verständlich.
Die wissenschaftliche und technische Beherrschung der Natur ist lange Zeit als großartige Leistung des menschlichen Geistes gerühmt worden. Wissenschaft und Technik, so meinten viele, hätten die Zauberformel gefunden, mit der alle Rätsel der Natur und des Menschen gelöst werden könnten. Ernst Jünger pries im Jahre 1932 die Technik als neue Erlöserin, die dem menschlichen Schaffen „kultischen Charakter“ verliehen habe. Sie sei „die Art und Weise, in der die Gestalt des Arbeiters die Welt mobilisiere“; der Arbeiter aber sei„Träger der heroischen Grundsubstanz, die ein neues Leben bestimme“. Im technischen Zeitalter sei die Arbeit „das Tempo der Faust, der Gedanken, des Herzens, das Leben bei Tage und Nacht, die Wissenschaft, die Liebe, die Kunst, der Glaube, der Kultus, der Krieg“. (Ernst Jünger, Der Arbeiter. Hamburg 1932, S. 44, 65, 150.)
Inzwischen wird der Stolz auf den technischen Fortschritt mehr und mehr von der Angst vor seinen Folgen verdrängt. Es zeigt sich, dass die für das technische Zeitalter charakteristische Art und Weise der Beherrschung der Natur im Grunde auf einem gestörten Verhältnis zur Natur beruht.

Erster Teil
Gestörtes Verhältnis zur Natur

Die ökologische Krise steht wie ein Gespenst vor der Menschheit. Der erste Bericht des „Clubs of Rome“ über die „Grenzen des Wachstums“ (Club of Rome, The Limits to Growth. New York 1972, deutsche Übersetzung: Die Grenzen des Wachstums. Reinbek 1973.) wirkte wie ein Schock. Schon die Titel der das ökologische Thema behandelnden Bücher sind provozierend: „Das Selbstmordprogramm“ „Ein Planet wird geplündert“ (Herbert Gruhl, Ein Planet wird geplündert. Frankfurt 1975.) „Die unheimliche Wachstumsformel“ (W. Braunbek, Die unheimliche Wachstumsformel. München 1973.),„Die Menschheit am Wendepunkt“. (M. Mesarowitsch und E. Pestel, Die Menschheit am Wendepunkt. Stuttgart 1974.) Man spricht von der „nachindustriellen Gesellschaft“, vom„nachzivilisatorischen Zeitalter“ und übt heftige Kritik an der Ideologie eines aggressiven, expansionistischen Wirtschaftswachstums.
Das gestörte Verhältnis des technischen Zeitalters zur Natur hat sich vor allem in vier Bereichen ausgewirkt.

Maßloser, verschwenderischer Verbrauch der Bodenschätze

Im industriellen Zeitalter sind die Bodenschätze in einem Ausmaß ausgebeutet worden, wie nie zuvor in der Geschichte. Die Vorräte an Erdöl, Erdgas, Stein- und Braunkohle, Metallen sind begrenzt. Sie gehen in absehbarer Zeit ihrem Ende zu. Wenige Generationen haben Schätze für immer verbraucht, die in Hunderten von Millionen Jahren entstanden sind. Die Natur ist zum Rohstofflager degradiert worden, das man möglichst rasch abzubauen sucht, ohne zu bedenken, dass die kommenden Generationen vor leeren Lagerstätten und überfüllten Abfallhalden stehen werden.
Rohstoffe wachsen nicht nach. In der Natur gilt das Gesetz des Kreislaufs. Das Wasser, die Pflanzen und die Tiere kommen und gehen. Die mittelalterliche Wirtschaft hat sich dieses natürlichen Kreislaufs bedient. Energiequellen waren damals der Wind, das Wasser und das Holz. Heute schöpft die Wirtschaft die Energie vor allem aus Vorräten an Bodenschätzen, die nicht nachwachsen.
Auch in den kommunistischen Staaten, in denen die Technokratie zum Idol geworden ist, wird die Natur rücksichtslos ausgebeutet. Es besteht die Gefahr, dass die Dritte Welt dieselben Fehler begeht.
Friedrich Georg Jünger (Friedrich Georg Jünger, Die Perfektion der Technik. 2. Aufl. Frankfurt/M. 1949, S. 19, 23, 122 - vgl. ds., Maschine und Eigentum. Frankfurt/M. 1949.) , der jüngere Bruder des eben genannten Ernst Jünger, nannte bereits im Jahre 1948 die moderne Technik „überaus steril“. „Auch der kleinste technische Arbeitsvorgang“, so schrieb er, „verbraucht mehr an Kraft, als er hervorbringt ... Die Technik schafft keinen neuen Reichtum, sie baut den vorhandenen ab ... Jenem Gefühl eines metaphysischen Hungers, das uns beim Anblick der Maschine ergreift, entspricht der physische Hunger: Die Nahrung wird knapper“.

Verwüstung und Verschmutzung der Natur

Der Vorwurf, dass der Industrialismus die Umwelt verschmutzt habe, stand in den letzten Jahren häufig an erster Stelle, wenn man das gestörte Verhältnis der modernen Wirtschaft zur Natur hervor- heben wollte. Der Vorrang des merkantilen Denkens habe dazu geführt, dass durch physikalische, chemische und technische Eingriffe die Landschaft verschandelt, der Boden vergiftet, der biologische Kreislauf beeinträchtigt, die Pflanzendecke zerstört und nicht selten das Klima verschlechtert worden sei. Durch Lärm, Staub, Smog und Strahlenschäden würde die Biosphäre immer mehr verdorben. Auch sei es nicht erstaunlich, dass Jahr für Jahr die Wüsten um etwa 50 000 qkm zunähmen, während sich die Waldbestände jährlich um 200 000 qkm verringerten. Die Verwüstung der Natur sei nicht eine Folge der Ohnmacht, sondern der missbrauchten Übermacht des Menschen. Besonders die Entwicklungsländer sind empört darüber, dass sie nach Erringung ihrer politischen Unabhängigkeit eine Umwelt vorfänden, die durch Verpestung der Meere, der Ströme und der Luft kaum noch wiedergutzumachende Schäden erlitten habe.
Diese Vorwürfe sind nicht neu. Robert Dvorak meinte 1948, eine Industrielandschaft biete ein Bild des Grauens: Rauch, Feuer, Getöse und Schlote, die sich wie Batterien gegen den Himmel richteten.(Robert Dvorak, Technik, Macht und Tod. Hamburg 1948, S. 45 ff.) Auch Friedrich Georg Jünger nannte 1946 die Technik überaus hässlich, was selbst der von der technischen Produktion verursachte Lärm offenbare. All diese Geräusche seien „bösartig, gellend, kreischend, reißend, pfeifend, heulend“, und es sei ganz offenbar, „dass sie um so bösartiger würden, je mehr die Technik zur Perfektion fortschreite“(a.a.O., S. 122.)

Drohende Vernichtung der Menschheit

Im Zeitalter der Großtechnik droht ein gestörtes Verhältnis zur Natur in der Selbstzerstörung der Menschheit zu enden. Schon vor Jahrzehnten hat man darauf hingewiesen, dass Zuwachs an technischer Macht zugleich Zuwachs an neuen Todesmöglichkeiten sei. Die Technik trage eine „dämonische Neigung zur Katastrophe“ in sich. Die große „orgiastische Stunde der Technik“ sei der Krieg; denn im Kriege könne sich die „massive technische Todespotenz“hemmungslos austoben. Krieg sei „Höhepunkt der technischen Dämonie“.(Robert Dvorak, a.a.O., S. 45 ff.)
Geradezu katastrophal würde sich ein rücksichtsloses Vorantreiben der Kernenergie auswirken, wobei nicht nur an einen Atomkrieg, sondern auch an die Gefahren zu denken ist, die mit der Errichtung von Kernkraftwerken verbunden sind. Brüter, Wiederaufbereitungsanlagen und Atommüllablagerung drohen nicht nur die heute lebenden Menschen, sondern auch die Zukunft des Menschengeschlechtes zu gefährden. Man nimmt zum Beispiel an, dass die „Entsorgung“ des Atommülls 20 000 Jahre dauern wird. Bereits in den 40er und 50er Jahren hat Papst Pius XII. immer wieder vor den „unermeßlichen unmittelbaren Schäden“ und vor den „biologischen Folgen, vor allem erbmäßiger Art“ gewarnt. (vgl. Ansprachen Pius XII., v. 21. Februar 1943, vom 8. Februar 1948, vom 10. April 1955, vom 24. April 1955 und vom 1. April 1956.) Ein Maximum des Fortschritts ist nicht zugleich das Optimum des Fortschritts. C. G. Jung schreibt:„Man häufe nur das entsprechende Material auf, und es wird sich unfehlbar des Teuflischen im Menschen bemächtigen und mit ihm losmarschieren“. (C. G. Jung, Mensch und Seele. Ausgewählt von J. Jacobi, Freiburg/Breisgau 1971, S. 255.)

Unheilvolle Auswirkungen
auf die Lebensbezüge des Menschen

Das gestörte Verhältnis des Menschen zur Natur hat nicht nur die Energieversorgung zu einem weltweiten Problem gemacht und nicht nur die Atomangst sich ausbreiten lassen. Zutiefst handelt es sich vielmehr um ein menschliches Versagen, das schwere Krisen auch in den menschlichen Lebensbezügen heraufbeschworen hat. Zwei dieser Krisen hebe ich besonders hervor:
a) Im Zeitalter des Industrialismus werden den Menschen in den entwickelten Industriestaaten materielle Konsumgüter in ungeahnter Fülle angeboten. Gewiss, Gott gönnt uns die irdischen Güter, und es ist tröstlich, dass Jesus uns geheißen hat, um das tägliche Brot zu beten. Aber die Brotbitte steht nicht deshalb in der Mitte der sieben Bitten des Vaterunsers, weil sie die Hauptsache wäre, sondern weil man das in die Mitte nimmt, was leicht verletzlich ist. Die Heilige Schrift nennt die irdischen Güter eine Zugabe Gottes: „Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben“(Mt 6,32-33). Wenn der Charakter der Zugabe nicht beachtet wird, gerät der Mensch in Gefahr, dem Konsumegoismus zu verfallen. Er steht nicht nur vor dem Energieproblem, sondern vor der Frage nach dem Konsum, dem Essen und Trinken, der Freizeit, dem Auto. Ein Psychiater hat die Frage gestellt: „Macht uns das Auto unabhängig?“ Oder verleitet es uns, wenn wir es nicht in die sittliche Verantwortung nehmen, zur Abkapselung, zur oberflächlichen Neugierde, die möglichst viel Fernes, aber nur flüchtig erhaschen will? (Hanspeter Patrutt, Macht uns das Auto unabhängig? In: Neue Zürcher Zeitung, 26. Juli 1977, S. 14.)
Die ungestüme Hinwendung des Menschen zu den materiellen Gütern hat, wie Papst Johannes Paul II. am 2. Oktober 1979 in seiner Rede vor den Vereinten Nationen darlegte, „die Sensibilität für die geistige Dimension der menschlichen Existenz“ geschwächt. (Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II. bei seiner Pilgerfahrt durch Irland und die USA, 29. September 1979 bis 8. Oktober 1979, Bonn 1979, S. 7-8.) Die Studenten der Katholischen Universität Washington mahnte der Papst am 7. Oktober 1979, bei aller „Ausbildung zur Produktion, zum beruflichen technologischen und wissenschaftlichen Können“ nicht „die letztliche Bestimmung des Menschen auf volle Gerechtigkeit und auf die Heiligkeit aus der Wahrheit (vgl. Eph 4,24)“ zu übersehen. (ebd., S. 169.)Es ist zwar richtig, dass die Ansprüche des Menschen an die materielle Welt nicht – wie beim Tier - physiologisch begrenzt, sondern unbegrenzt und unbegrenzbar sind. Hier gelten Zucht und Maß. (Vgl. Jos. Pieper, Zucht und Maß. 19649.) Im Übrigen wird, wie bei jeder Sucht, so auch beim Konsumismus das Ziel nie erreicht.
b) Das Zeitalter des Industrialismus hat die Arbeit des Menschen tiefgreifend verändert. Den Arbeitsablauf bestimmen vielartige, rationell aufeinander abgestimmte Kraft- und Werkzeugmaschinen. Die Häufung dieser Maschinen und der aufs äußerste rationalisierte Produktionsprozeß führen einerseits zu weitgehender Zerstückelung der menschlichen Arbeitsleistung in Einzelhandgriffe, andererseits zur Zusammenfassung und Einordnung dieser Einzelhandlungen in den einheitlichen Herstellungsablauf.
Gegen diese Technisierung der Arbeit haben nicht zuletzt auch katholische Sozialreformer schon seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts schwere Bedenken erhoben. Adam Müller (1779 bis 1829) beklagte sich bitter darüber, dass die„lasterhafte Tendenz der Teilung der Arbeit“ die Menschen „in Räder, Drillinge, Walzen, Speichen, Wellen usw.“ zerschneide, ihnen damit die Ganzheit raube und sie sittlich und religiös zersetze. (Adam Müller, Ausgewählte Abhandlungen. Herausgegeben von Jakob Baxa. Jena 1921, S. 46 f.) Andere Kritiker, z. B. der Führer der katholisch-sozialen Bewegung in Baden, Franz-Josef Ritter von Buß, und der Rheinländer, Peter Franz Reichensperger, suchten die Vor- und Nachteile der Technik gegeneinander abzuwägen. Ritter von Buß erkannte an, dass die Industrie die Gütererzeugung zu steigern vermöge; andererseits schädige die Fabrikarbeit die Gesundheit, zerreiße die Familienbande und liefere die Arbeiter der neuen Hörigkeit des Kapitals und der Maschine aus. (Vgl. Anton Retzbach, Franz Josef von Buß. Freiburg/Breisgau 1928. Hier ist die denkwürdige Rede abgedruckt, die Ritter von Buß am 25. April 1837 im Badischen Landtag über die soziale Frage gehalten hat.) In ähnlicher Weise wies Peter Franz Reichensperger darauf hin, dass die Maschinen dem Menschen zwar „gerade die mühsamsten und schädlichsten Arbeiten“ abnehmen, leider jedoch auch „unter den gierigen Händen“ einer „krankhaften Konkurrenz“ Unheil anrichten könnten. (Peter Franz Reichensperger, Die Agrarfrage. Trier 1847, S. 197 ff.)
In den letzten Jahrzehnten sind ähnliche Einwände immer wieder vorgebracht worden. Die wissenschaftlich-technische Beherrschung der Natur habe nicht zur Befreiung des Menschen geführt, sondern ihn zum Objekt dieser Beherrschung gemacht. Der Mensch gelte im unpersönlichen Rahmen der technischen Apparatur als Funktion und Produktionsfaktor. Die Technisierung habe ihn zu eintöniger, nervenzehrender, mechanischer Arbeit verdammt und in den automatischen Zwangstakt des Fließbandes eingeschaltet. Das Handwerk sei durch den Handgriff ersetzt worden. Friedrich Georg Jünger wirft der Technik vor, sie habe das Gesetz der starren Mechanik auf den Menschen übertragen und damit zum „Stumpfsinn des Arbeits- und Erwerbslebens“geführt. (Friedrich Georg Jünger, Die Perfektion der Technik. Frankfurt/M. 1949, 2. Aufl., S. 19, 23, 122.) Ähnlich Hans Sedlmayr: Die Technik habe den Schwerpunkt menschlicher Arbeit„in das enorme Reich des Anorganischen“ verlagert und damit den Menschen selber „anorganisch und amorph“ gemacht, zum Diener seines Geschöpfes, der Maschine. (Hans Sedlmayr, Verlust der Mitte. Salzburg 1948, S. 139 ff.) Constantin Virgil Gheorghiu hat die Vorwürfe gegen die Technik in der Anklage gipfeln lassen, dass der moderne Mensch zum Sklaven seiner technischen Sklaven geworden sei: „Jeder Patron lernt etwas aus der Sprache und Art seiner Dienerschaft ... Wir lernen Gesetz und Sprache unserer (Vgl. Anton Retzbach, Franz Josef von Buß. Freiburg/Breisgau 1928). Hier ist die denkwürdige Rede abgedruckt, die Ritter von Buß am 25. April 1837 im Badischen Landtag über die soziale Frage gehalten hat. Sklaven – also unserer technischen Hörigen –, um ihnen befehlen zu können ... Wir entmenschlichen uns, indem wir uns die Lebensform der technischen Sklaven zu eigen machen ... Der Zusammenstoß zweier Wirklichkeiten: Technik und Menschentum hat stattgefunden. Die technischen Sklaven sind die kommenden Sieger ... Ich glaube, wir sind in die finsterste Epoche unserer Geschichte eingetreten“. (Constantin Virgil Gheorghiu, 25 Uhr. 3. Aufl. Stuttgart 1951, S. 62 ff.)
Karl Marx prophezeite, dass in der kommenden kommunistischen Gesellschaft die Arbeitsteilung überwunden sein werde. Jedem Menschen sei es dann möglich, „heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, auch das Essen zu kritisieren ..., wie ich gerade Lust habe“. (Karl Marx, Frühschriften. Stuttgart 1953, S. 361.) Moderne sowjetrussische Theoretiker widersprechen Karl Marx. Sie erklären, das „wissenschaftliche Kommunismusverständnis“ habe „mit den anarchischen Vorstellungen, dass in der Zeit des Kommunismus alle Arbeitsteilung verschwinden werde und jeder so leben und arbeiten könne, wie Gott es ihm eingibt, nicht das Geringste zu tun“. (A. Jegorow, Die Partei des wissenschaftlichen Kommunismus. In: „Kommunist“1973, Nr. 2, S.49.)

Zweiter Teil
Mensch und Natur in christlicher Sicht

Auf die Frage, wie es zum gestörten Verhältnis des Menschen zur Natur gekommen sei, werden sehr verschiedene Antworten gegeben. Es überrascht, dass nicht wenige den Vorwurf erheben, Ausbeutung und Zerstörung der Natur seien„gnadenlose Folgen des Christentums“. (C. Amery, Das Ende der Vorsehung. Die gnadenlosen Folgen des Christentums. Hamburg 1972, S. 15 f., 197 f., 221 ff.) Die Botschaft von der Gottebenbildlichkeit des Menschen, so schreibt z. B. Frank Fraser-Darling, habe einen „Prozess der Entfremdung von den anderen Lebewesen“ eingeleitet, die man in stolzer Überheblichkeit„von der Gemeinschaft mit Gott und sich selbst ausgeschlossen“habe, wozu noch die „bequeme Überzeugung“ gekommen sei,„dass Gott den Rest der Lebewesen zum Gebrauch und Ergötzen des Menschen“ geschaffen habe. Damit sei das außermenschliche Leben auf den „Status nützlichen Materials“ zurückgestuft worden. Bei der ehrfürchtigen Deutung der Natur hätten uns„die orthodoxen Religionen jüdisch-christlicher Provenienz ... arg im Stich gelassen“, während der Polytheismus „Ausdruck des Gefühls“ sei, zu einem „Ganzen“ zu gehören. (Frank Fraser-Darling, Die Verantwortung des Menschen für seine Umwelt. In: Dieter Birnbacher, Ökologie und Ethik. Stuttgart 1980, S. 12 ff.) Auch L. White meinte 1973, der Siegeszug der die Umwelt ausbeutenden Technik habe wenigstens zum Teil in der christlichen Lehre von der Herrschaft des Menschen über die Schöpfung ihren Ursprung. (L. White, Die geschichtlichen Wurzeln unserer ökologischen Krise. In: Problems of the Industrial Society. New York 1973.)
All diese Thesen sind, wie noch näher dargelegt werden wird, höchst anfechtbar. Selbst der sowjetrussische Theoretiker Karl Kantor schrieb im Jahre 1977, die christliche Ethik befinde sich „in vieler Hinsicht im Einklang mit der ökologischen Ethik“, wie z. B. „die rührend kontemplative Verehrung der Natur im Geist des Franziskus von Assisi“zeige. (Karl Kantor, Ökologie und Fortschritt. In: Zeitschrift des Philosophischen Instituts der Akademie der Wissenschaften der UdSSR. Moskau 1977, Nr. 8, S. 112.)
Wie rasch sich im Übrigen die Anschauungen ändern, zeigt ein Blick in das Aufklärungszeitalter und in das 19. Jahrhundert, da man dem christlichen Glauben vorwarf, den naturwissenschaftlichen und technischen Fortschritt gehemmt zu haben. Auch dieser Einwand ist nicht stichhaltig. Die Aussagen des christlichen Glaubens über Schöpfer und Schöpfung sind weder ein Hemmnis der wissenschaftlichen Erforschung der Natur noch ein Freibrief zum Missbrauch der Schöpfung. Gewisse naturwissenschaftliche und technische Ansätze in der Antike, z. B. in der vorsokratischen Naturphilosophie oder in der Baukunst Babylons, Ägyptens und Roms, haben nicht zum naturwissenschaftlichen und technischen Durchbruch geführt. Die Gründe dürften in vier Auffassungen vorchristlichen Denkens liegen: Sublime, stofffeindliche Spekulationen verdächtigten die materielle Welt als böse und widergöttlich. Man sah ferner den Kosmos als „fertig“ an, so dass der Mensch nur versuchen konnte, ihn in passiver Beschauung zu betrachten; schöpferisches Eingreifen galt als Zerstörung, nicht als Vollendung des Kosmos. Hemmend musste sich drittens auch jene Anschauung auswirken, die den Kosmos mit Dämonen und eifersüchtigen, jedes Eindringen in seine Geheimnisse verwehrenden Göttern bevölkerte. Prometheus wurde wegen seiner eigenschöpferischen Tat von Zeus an den Felsen geschmiedet, und Ikarus stürzte beim Versuch, die Luft zu erobern, durch den Neid der Götter ab. Dazu kam schließlich noch, dass die körperliche Arbeit in der Antike weithin als Sklavenwerk verachtet wurde.
Diese Anschauungen hat das Christentum überwunden. Die Welt ist kein Reservat der Dämonen, sondern das Werk des göttlichen Vaters, der den Menschen Wirkraum in der Welt gegeben hat. Henri de Lubac sagt mit Recht: „Unser Gott ist ein eifersüchtiger Gott; aber seine Eifersucht unterscheidet sich sehr von der Eifersucht der Götter der Mythologie. Gott neidet seinen Geschöpfen weder das Feuer noch irgendeine spätere Erfindung ... Der Mensch handelt recht, wenn er aus den kosmischen und gesellschaftlichen Servituten aller Art herauskommen will“. (Henri de Lubac, Der Mensch in marxistischer und christlicher Schau. Offenburg 1949, S. 59.)
Nach christlichem Verständnis ist das Verhältnis des Menschen zur sichtbaren Schöpfung nicht harmlos. Haben die Christen die hier gestellten Aufgaben aus der Kraft des Glaubens bewältigt? Oder hat Nicolas Berdjajew recht, wenn er darauf hinweist, „dass die Christen sich als vollkommen unvorbereitet erwiesen haben, die Rolle der Technik und der Maschine, ihren geistigen Ort in dem menschlichen Leben einzuschätzen?“(Nicolas Berdjajew, Der Mensch und die Technik. Berlin-Bielefeld 1949, S. 8.)
Aus christlicher Sicht lässt sich das Verhältnis des Menschen zur Natur durch vier sich ergänzende Aussagen näher umschreiben.

Vier Aussagen über das Verhältnis
des Menschen zur Natur

Erste Aussage

Die Natur ist Gottes Geschöpf und „Gottes Spur“
Das Vierte Allgemeine Laterankonzil hat im Jahre 1215 die christliche Schöpfungslehre in die Worte zusammengefaßt: „Gott hat in seiner allmächtigen Kraft zu Anfang der Zeit in gleicher Weise beide Ordnungen der Schöpfung aus dem Nichts erschaffen: die geistige und die körperliche, d. h. die Engelwelt und die irdische Welt und dann die Menschenwelt, die gewissermaßen beide umfasst, da sie aus Geist und Körper besteht“. (Denzinger-Schönmetzer, 800.) Dieser Satz weist die sublimen stoff- und leibfeindlichen Spekulationen des persischen Dualismus, der orientalischen Mysterienkulte, des Neuplatonismus, der Gnosis und vor allem des Manichäismus als häretisch zurück. Es ist kein Zufall, dass sich der Name Ketzer von den Katharern – italienisch gazzari – ableitet, also von jener mittelalterlichen Sekte, die den manichäischen Spiritualismus in das christliche Abendland einschmuggeln wollte. Mit ungewohnter Schärfe wendet sich der heilige Paulus gegen die gnostischen „Irrgeister“; denn, so schreibt er, „alles, was Gott geschaffen hat, ist gut“ (1 Tim 4,4).
Die Natur (von nasci = hervorgehen, geboren werden) verdankt der Schöpfermacht Gottes ihren Ursprung. Wie der Mensch Bild des dreieinigen Gottes ist, so ist die vernunftlose Schöpfung nach einem Wort des heiligen Thomas von Aquin „Spur“ Gottes. („ln rationalibus creaturis est imago Trinitatis ... sed in creaturis omnibus invenitur repraesentatio Trinitatis per modum vestigii“ (Thomas von Aquin, Summa Theol., I, qu. 45, a. 7c).) Wir begegnen in der sichtbaren Schöpfung mit ihren Bergen und Quellen, mit ihren Blumen und Tieren der Allmacht und Güte Gottes, der die Welt in das Dasein gerufen hat und uns in ihr ein Zeichen seiner Erhaltungsgnade gibt.
Gott liebt seine Schöpfung. In der Heiligen Schrift lesen wir: „Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen“ (Weish 11,24). Gott wollte, wie die heilige Hildegard sagt, „seinen Glanz weiterschenken an seine Geschöpfe“. Er „umarmt“ sie; denn alles, was Gott erschaffen hat, ist mit Gott und miteinander durch geheimnisvolle Fäden verknüpft: die Menschen mit den Engeln, die ein besonders schöner „Spiegel der göttlichen Herrlichkeit“ sind, die Menschen mit der materiellen Welt, die Menschen untereinander. (Hildegard von Bingen, Der Mensch in der Verantwortung (Liber vitae meri-torum). Übersetzt von H. Schipperges. Salzburg 1972, S. 82. - Scivias (PL 511 C - 512 A). -Hildegardis causae et curae. Hrsg. von P. Kaiser, Leipzig 1903,1, 1,9.) In der Liebe zur Natur ist der heilige Albert der Große mit der heiligen Hildegard geistesverwandt. Wenn Albert aus seiner Kindheit erzählt, berichtet er fast stets von seinen Erlebnissen mit den Tieren: von den Hunden, mit denen er über die Felder lief, vom spannenden Kampf zwischen einem Schwan und einem Adler, von den Schwalben, denen ich „oft zugesehen habe“. Albert hat den Wolf, das Wiesel, den Iltis, die Gemse, die Ameisen und Bienen in ihren Lebensgewohnheiten liebevoll beobachtet. Er fragte die Jäger und Holzfäller nach ihren Erfahrungen mit den Tieren. Er stieg in Steinbrüche und Bergwerksstollen, um nach seltenen und schönen Steinen zu suchen. Das Schöne nannte er „splendor formae“: Das Eigentliche, das Wesentliche, die je eigene Weise des Seins leuchtet in dem der stofflichen Welt entnommenen Kunstwerk auf.(Vgl. Franz Strunz, Albertus Magnus, Weisheit und Naturforschung im Mittelalter. Wien 1926. - Heinrich Balss, Albertus Magnus als Zoologe. München 1928.) Die ganze Schöpfung, so sagt Augustinus, ruft aus: Gott hat uns erschaffen! „Fragend schaute ich aufmerksamer hin, und die Antwort war ihre Schönheit“. (Augustinus, Confessiones Lib 10, cap. 6, 8-9: CSEL 33, 231 ff.) Gott liebt seine Schöpfung so sehr, schreibt der heilige Athanasius, dass er gleichsam „mit dem Kosmos wie mit einer Lyra spielt“. (Athanasius, Contra Gentes, Nr. 42-43: PG 25, 83-87.)
Die sichtbare Schöpfung ist reich an Bildern und Symbolen, die von Gottes Größe und Schönheit künden. Berühmt sind die Verse des Alanus von Lille (1120-1202): „Omnis mundi creatura quasi liber et pictura, nobis est in speculum“: Jedes Geschöpf der Welt ist für uns gleichsam ein Buch, ein Bild, ein Spiegel. Die Symbole der christlichen Heilsgeheimnisse sind der sichtbaren Schöpfung entnommen: das Brot, der Wein, das Öl, das lebendige Wasser, der Weinstock, die Reben, das Lamm. Das Ziel jedoch, dem die Menschheit und die gesamte Schöpfung zustreben, heißt Jesus Christus.„Alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen“ (Kol 1,16). „In ihm hat alles Bestand“ (Kol 1,17). Mit ihm fängt alles an, denn er ist der Uranfang, das Alpha. Zugleich ist er das Ur-Ende, das Omega. Der göttliche Vater wollte „alles im Himmel und auf Erden zu Christus führen, der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut“ (Kol 1,20).
Die Antwort der Schöpfung ist Dank und Lobpreis: „Preist den Herrn, all ihr Werke des Herrn; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit ... Preist den Herrn, all ihr Gewächse auf Erden ..., ihr Quellen … all ihr Vögel am Himmel ..., all ihr Tiere, wilde und zahme; lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!“(Daniel 3,57-81). Franz von Assisi hat dieses Loblied im Sonnengesang aufgegriffen: „Sei gelobt, mein Herr, mit all deinen Kreaturen, sonderlich mit der hohen Frau, unserer Schwester, der Sonne ..., sei gelobt, mein Herr, für Bruder Mond und die Sterne ..., für die Schwester Quelle ..., für Bruder Feuer ..., sei gelobt, mein Herr, durch unsere Schwester, die Mutter Erde, die uns versorgt und nährt und zeitigt allerlei Früchte und farbige Blumen und Gras.“
Die Botschaft des christlichen Glaubens von der Größe und Schönheit der Schöpfung zeigt, wie unhaltbar der Vorwurf ist, das Christentum habe die sichtbare Schöpfung von der Gemeinschaft mit Gott und mit den Menschen ausgeschlossen.

Zweite Aussage

Der Auftrag: „Unterwerft die Erde euch!“ (Gen 1,28) bedeutet: Macht euch die Erde – in Ehrfurcht vor der Natur – zu einem menschenwürdigen Lebensraum.
Es wäre ein maßloser Hochmut, wenn der Mensch in der Schöpfung nichts anderes als ein Rohstofflager zur Befriedigung seiner Bedürfnisse sehen würde. Die Schöpfung hat ihren Eigenwert und ihre eigenen gewaltigen Kräfte. Gott schafft nicht alles allein. Er lässt auch den Zweit-Ursachen Raum. Thomas von Aquin weist die Ansicht, dass die den Geschöpfen verliehenen Kräfte nichts zu wirken vermöchten,„dass z. B. nicht das Feuer wärme, sondern Gott im Feuer“,als „unmöglich“ zurück; denn dann wären nicht nur die geschöpflichen Wirkkräfte, sondern die Geschöpfe selber im Grunde „überflüssig“. (Thomas von Aquin, Summa Theol., I, 105, 5.) Die in der Natur sich verwirklichende Zielstrebigkeit nennt Thomas von Aquin „gleichsam etwas Göttliches“, („quodam divinum“, in: Eth. Nic., 7, 13.)eine der Natur „von Gott eingeprägte Finalität“.(Thomas von Aquin, Summa Theol., 1, 103, 1 ad 3.)
Wenn die Heilige Schrift auch sagt: Menschen und Tiere „haben ein und dasselbe Geschick; wie diese sterben, so sterben jene“ (Koh 3,19), so steht der Mensch doch höher als die nicht geistbegabte Natur; „Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, hast ihm alles zu Füßen gelegt“ (Ps 8,6-7). Der Mensch darf jedoch nicht vergessen, dass er bei der Gestaltung der Welt Gott dem Schöpfer begegnet. Thomas von Aquin sagt: Indem der Mensch den Dingen „die Ordnung auferlege“, übe er gleichsam eine „niedere Vorsehung“ aus und werde zum „Partner Gottes“. (Thomas von Aquin, Contra Gent., III, 21, 64, 113.)Der Partner Gottes ist kein Ausbeuter. Die heilige Hildegard nennt den Menschen einen „Mitarbeiter Gottes“; ohne dieses schöpferische Tun wäre er, wie sie hinzufügt, ein„leeres Ding“. („homo operarius divinitatis“: Vita S. Hildegardis (PL 197, 116 C). - Hildegard von Bingen, Welt und Mensch. Das Buch: „De operatione Dei“. Übers. von H. Schipperges. Salzburg 1972, S. 201.)
Die in der Heiligen Schrift ausgesprochene „Herrschaft“ des Menschen über die Natur, die sich nach einer treffenden Formulierung des Domingo de Soto aus dem Jahre 1556 nicht nur auf die Gaben der Erde („fructus terrae“),sondern auch auf den Mikrokosmos der „elementa“ und auf den Makrokosmos des Weltraumes („orbes caelestes“) erstreckt, ist keine despotische Tyrannei, sondern ein „Bebauen und Hüten“(vgl. Gen 2,15), ein Gestalten (colere), das dem Wohl des Menschen und dem Besten der Natur dienen soll. „Colere“, ein Urwort der lateinischen Sprache, bedeutet: bebauen, pflanzen, hegen, pflegen, schmücken, verehren, heilig halten. (Vgl.: colere agrum, colere vitem, colere urbem, colere deos. Von colere ist gebildet: Kult, Kultur, Agrikultur usw.) Das Verhältnis des Menschen zur stofflichen Welt erschöpft sich nicht im „Verbrauchen“.Der Mensch erfreut sich über die Schönheit der Natur. Zwischen Mensch und Tier vermögen sich emotionale Bindungen zu knüpfen.

Dritte Aussage

Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen“ (Röm 8,20)
Bei all ihrer Schönheit und Größe steht die sichtbare Schöpfung unter dem Gesetz des Hinfälligen und Vorläufigen. Die Heilige Schrift sieht in der Vergänglichkeit der Schöpfung ein Symbol der Todesverfallenheit des Menschen. Bei Jesaia lesen wir: „Eine Stimme sagte: Verkünde! Ich fragte: Was soll ich verkünden? Alles Sterbliche ist wie das Gras, und all seine Schönheit ist wie die Blume auf dem Feld. Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, wenn der Atem des Herrn darüberweht“ (Jesaja 40,6-7). Der Mensch „geht wie die Blume auf und welkt“ (Ijob 14,2). „Des Menschen Tage sind wie das Gras, er blüht wie die Blume des Feldes. Fährt der Wind darüber, ist sie dahin“ (Psalm 103,15-16).
Es ist auffallend, einen wie breiten Raum das Hinfällige der Natur auch in der modernen Dichtung einnimmt. Die Natur wird als Fäulnis und Verwesung, als „Form der Verneinung“ dargestellt (G. Benn, B. Brecht, G. Eich).
Hintergründiger ist es, dass die sichtbare Schöpfung dem Menschen zur Versuchung werden kann. Kulturhistoriker pflegen zu sagen, dass drei Mächte die Weltgeschichte in Bewegung halten: der Hunger, die Liebe und die Macht, und es sei kein Zufall, dass sich im Heidentum in diesen drei Bereichen besondere Götter angesiedelt hätten: Ceres, Aphrodite und Mars: Gottheiten des Brotes, des Eros und des Krieges. Auch heute sind diese drei Mächte - das maßlose Haben-,Genießen- und Besitzenwollen - am Werk, und manch ein Mensch ist versucht, in ihnen etwas Bannendes zu sehen, gemäß dem Wort der Schrift: „Was immer meine Augen sich wünschten, verwehrte ich ihnen nicht. Ich musste meinem Herzen keine einzige Freude versagen“ (Koh 2,10). Das kann zu einem Sich-Verkrampfen des Menschen im eigenen Begehren führen. Denn jene drei Mächte vermögen mit der Gewalt des Unmittelbaren im Herzen aufzubrechen und den Menschen in tiefe Lebenswirrnisse zu stürzen.
Die Heilige Schrift zählt jene drei Mächte zur „Welt“: „Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht. Denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt. Die Welt und ihre Begierde vergeht; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewig- keit“ (1 Joh 2,15-17). Hier ist mit der „Welt“ nicht die sichtbare Schöpfung gemeint, die Gott als gute Welt erschaffen hat. „Welt“ bedeutet vielmehr den Inbegriff der gottfeindlichen Mächte. Sie ist das Symbol dessen, was sich vor Gott verschließt und in sich selbst verkrampft.

Vierte Aussage

Im Seufzen und in den Geburtswehen der von Gott geliebten Schöpfung birgt sich die Verheißung, dass das Heil Gottes die ganze Schöpfung umfassen wird.
Die gesamte Schöpfung ist eschatologisch ausgerichtet. Sie wartet auf die endgültige Zukunft und wird Anteil an der Auferstehung Christi erhalten. Paulus spricht im Römerbrief vom „sehnsüchtigen Warten der ganzen Schöpfung“. Sie wird in einer uns unbegreiflichen Form in das „Offenbarwerden der Söhne Gottes“ hereingenommen werden und „zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“gelangen (Röm 8,19-21). Im kommenden Äon wird die Menschheit nicht von der Schöpfung isoliert sein. Das Kommende ist „der neue Himmel und die neue Erde“ (Offb 21,1).
Es hat deshalb einen tiefen Sinn, dass die Kirche die Dinge, deren wir uns in Raum und Zeit bedienen, durch die Weihungen und Segnungen der Sakramentalien heiligt. Die Sakramentalien sprechen nicht Fluch, sondern Segen über die geschaffenen Dinge. Sie warnen uns vor dem Missbrauch und mahnen uns, die technischen Errungenschaften nicht bloß in ihrer horizontalen Vielfalt zu bewundern, sondern in die vertikale Richtung zu rücken und vor das Angesicht Gottes zu tragen. Im Gebet bei der Segnung von öffentlichen Verkehrsmitteln heißt es:„Lass uns schließlich auf all unseren irdischen Wegen erkennen, dass du selbst das wahre und letzte Ziel unseres Lebens bist.“ Bei der Segnung eines Schiffes beten wir: „Schütze Reisende und Besatzung auf ihrer Fahrt ... und bring uns alle sicher ans Ziel unserer Lebensfahrt.“ Bei der Segnung einer Straße werden wir an unsere irdische Pilgerschaft erinnert: „Lass uns schließlich bedenken, dass alle Wege, die wir gehen, Abbild unseres Pilgerweges zu dir sind.“

Sechs Folgerungen

Erste Folgerung:

Bei aller Liebe zur sichtbaren Schöpfung wird der Christ die Natur nicht zum Götzen machen.
Das industrielle Zeitalter braucht im Glauben verankerte Menschen, denen der Blick zum Ewigen eine innere Distanz zur technischen Zivilisation und zum Massenkonsum gibt. Angesichts der beginnenden industriellen Entwicklung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mahnte Görres: „Wäre ganz Deutschland mit Ringelbahnen von einem Ende zum anderen belegt und flögen Dampfwagen zu Tausenden über Berg und Tal, würden alle Flüsse von den Dampfschiffen bis zum tiefsten Grunde durchfurcht, arbeiteten die Hebel sich müde in allen Winkeln, und wendeten sich um in allen Straßen die Räder der Maschinen - was hülfe das alles, hätte Deutschland in dem klappernden Mechanismus die innewohnende Seele verloren?“.(Zitiert: F. Schnabel, Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. Band 3, Freiburg/ Breisgau 1934, S. 431.) Technischer und geistlich-sittlich-religiöser Fortschritt laufen häufig nicht parallel.

Zweite Folgerung:

Zerstörung und Schändung der Natur widersprechen dem christlichen Verständnis der sichtbaren Schöpfung.
Der Mensch soll sich zwar die Erde untertan machen, aber mit Weisheit, Zucht und Maß und unter Wahrung der Ehrfurcht vor der Natur. Das technisch-industrielle Zeitalter hat den wirtschaftlichen Fortschritt rücksichtslos vorangetrieben und wie ein Krebsgeschwür wuchern lassen. Ein indianisches Sprichwort sagt: „Was heute mit der Erde geschieht, wird morgen mit den Kindern der Erde geschehen.“ Im Hinblick auf die Zukunft der Menschheit muss mit den Naturschätzen sparsam umgegangen werden.
Mit Recht wird heute die Frage nach den Tierversuchen gestellt. Ich leugne nicht, dass Tierversuche im Interesse der Medizin verantwortbar sind. Aber ich frage mich, ob sie in ihrer Zahl und in der oft qualvollen Art der Durchführung nötig sind. Auch regt sich bei immer mehr Menschen das Gewissen, wenn sie erfahren, dass Nutztiere wie „Material“ in Fleisch- oder Eierfabriken naturwidrig leben müssen.

Dritte Folgerung:

Bei der Beherrschung und Gestaltung der Natur wird der Mensch auf die Rangordnung der Werte achten.
Die Befriedigung der materiellen Bedürfnisse muss sich in die „rechte Stufenordnung der Ziele“einordnen. Höher stehen Würde und Freiheit des Menschen, Ehe und Familie, Religion und Sittlichkeit, die kulturellen Werte und das „letzte Ziel und Ende aller Dinge“, Gott selber.(Enzyklika „Quadragesimo anno“, Nr. 43.) Der Versuch, diese Harmonie umzustürzen und die höheren Werte zu Objekten wirtschaftlicher Prozesse zu machen, wäre Technokratie und Erniedrigung des Menschen. (Vgl. Pastoralkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils „Gaudium et spes“, Nr. 64.)Ziel ist nicht das unaufhörliche Wirtschaftswachstum, sondern der Dienst an den gesamtmenschlichen, vor allem auch an den sozialen Werten. Es ist deshalb falsch, durch das künstliche Hervorlocken immer neuer, überflüssiger, ja schädlicher materieller Bedürfnisse die Vollbeschäftigung erreichen und sichern zu wollen. Die Wirtschaftspolitik wird nach Wegen suchen müssen, wie ohne die Zwangsläufigkeit eines schrankenlosen Wirtschaftswachstums die Arbeitslosigkeit überwunden werden kann. Papst Johannes Paul II. sagte am 2. Oktober 1979 in New York: „Es gibt keinen menschlichen Fortschritt, wenn alles einzig und allein der schrankenlosen Vorherrschaft der Triebe: Egoismus, Sex und Macht, Vorschub leistet. Wir müssen zu einem schlichten Lebensstil zurückfinden.“ Als Sokrates in den Markthallen Athens die vielen Waren sah, meinte er: „Was gibt es doch viele Dinge, deren ich nicht bedarf!“
Es ist bezeichnend, dass die bolschewistische Propaganda dem westlichen „Egoismus der bourgeoisen und kleinbürgerlichen Habgier und sittlichen Haltlosigkeit, dem Kult der Gewalt, des Menschenhasses, des Militarismus und der Rassendiskriminierung“ das Ideal der östlichen Welt gegenüberstellt mit ihrer „Brüderlichkeit“, mit ihrer „körperlichen und sittlichen Gesundheit“, mit ihrer„vernünftigen Nutzung der Naturschätze unseres Planeten“.(Abram Milejkowskij, in: Fragen der Philosophie. Moskau 1974. Heft 7, S. 104.) In Wirklichkeit werden auch in den bolschewistischen Ländern, besonders in der Sowjetunion, (Vgl. Marshal J. Goldman, The Spoils of Progress; Environmental Pollution in the Sowjetunion. Cambridge u. London 1972.) die Bodenschätze rücksichtslos ausgebeutet. Russland muss aus einem Agrarland ein Metallland werden, lautete die Parole Stalins.

Vierte Folgerung:

Bei der Bewältigung der ökologischen Probleme kommt den jeweiligen Fachwissenschaften eine besondere Verantwortung zu.
Für die Frage, auf welche Weise der Verwüstung und Verschmutzung der Natur Einhalt geboten werden kann und wie zerstörerische Auswirkungen der Kernenergie verhütet werden können, ist nicht die Theologie, sondern die jeweilige Fachwissenschaft zuständig. Dabei ist jedoch folgendes zu beachten:
a)
Eine in allen Industriestaaten weit verbreitete rationalistische Denkweise geht von der Annahme aus, dass die wissenschaftliche Aussage die einzig gültige sei. Man fordert, dass alle Lebensbereiche des Menschen wissenschaftlich bearbeitet werden müssten, was zur „Allgegenwart“ der Wissenschaft geführt hat: in Technik, Wirtschaft, Rechtspflege, Medizin, im Erziehungswesen, in der Sozialversicherung, im Verkehrswesen, im Kriegswesen usw. Die „Verwissenschaftlichung aller Praxis“ (Hans Freyer) ist seltsamerweise mit einer für das aufgeklärte und kritische 20. Jahrhundert erstaunlichen Wissenschaftsgläubigkeit verbunden.
b)
Noch erstaunlicher ist, dass die moderne Wissenschaft in einer gewissen „Einäugigkeit“wertfrei sein will, also Werte und Normentscheidungen - als nicht zum Inhalt des wissenschaftlichen Prozesses gehörig - ausschließt. Eine Wissenschaft jedoch, die eine „Beherrschung“ ihrer Ergebnisse gestattet und es zugleich ablehnt, die regelnden Normen für diese Beherrschung zu erbringen, gerät in Gefahr, beliebig von außen, d. h. von politischen und wirtschaftlichen Mächten manipuliert zu werden. Papst Johannes Paul hat am 2. Juni 1980 vor der UNESCO in Paris erklärt: „Während die Wissenschaft aufgerufen ist, dem menschlichen Leben zu dienen, stellt man allzuoft fest, dass sie vielen dienstbar gemacht wird, welche die wahre Würde des Menschen und des menschlichen Lebens zerstören. Das ist dann der Fall, wenn die wissenschaftliche Forschung selber auf diese Ziele ausgerichtet ist, oder wenn ihre Ergebnisse für Zielsetzungen eingesetzt werden, die dem Wohl der Menschheit widersprechen“. (Der Text der Rede des Papstes findet sich in dem Dokumentationsband: France, que fais-tu de ton baptême? Paris 1980, S. 222.) Der wissenschaftliche Fortschritt steht in der Tat auch dem bösesten Herrschaftssystem zur Verfügung. Der Mensch hat Macht über die Natur gewonnen. Es tut Not, dass er Gewalt über sich selbst gewinnt, damit er jene gefährlichen Gewalten, die aus den dunklen Gründen der Natur aufgeschreckt worden sind, verantwortungsbewusst gebrauche. Wie in der Medizin die Arzneimittel der Kontrolle und dem Ethos des Arztes unterstellt sind, damit sie Heil und nicht Unheil bringen, so muss der Einsatz der technischen Kräfte vom Urteil des Gewissens gelenkt werden. Zur Tugend des Vollzugs muss die Tugend der Entscheidung treten (Friedrich Dessauer). Das Verhältnis des Menschen zur Natur ist letztlich ein religiös-sittliches Problem. Der Trieb, alles zu verwirklichen, was „machbar“ ist, führt zur Zerstörung.

Fünfte Folgerung:

Das Verantwortungsbewusstsein aller Menschen und Völker der Natur gegenüber muss geweckt und gestärkt werden.
In den letzten Jahrzehnten haben viele Menschen - unter dem Eindruck des Wirtschaftswunders - gemeint, die Wohlstandssteigerung lasse sich endlos ausdehnen. In einem falschen Vertrauen auf den Fortschritt überschätzten sie die Möglichkeit der Technik und der Wirtschaft. Die für Politik und Wirtschaft Verantwortlichen gerieten gleichsam in den Sachzwang des Fortschritts um jeden Preis und der rücksichtslosen Ausbeutung der Natur. Auf diese Zusammenhänge, auf die Grenzen des materiellen Fortschritts und auf die Bedeutung des geistigen und geistlichen Fortschritts ist im Schulunterricht und in der Erwachsenenbildung, aber auch in der Glaubensverkündigung eindringlicher als bisher hinzuweisen. Der wahre Fortschritt, der durch das Geheimnis des Kreuzes und der Auferstehung geheiligt ist, geschieht durch die Vermehrung des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Es ist der „Fortschritt des Evangeliums“ (Phil 1,12), das uns durch Gottes Erbarmen geschenkte Fortschreiten in der Christusnachfolge.

Sechste Folgerung:

Für den Einsatz der Kernenergie gelten folgende Grundsätze
a) Ein moderner Atomkrieg, der„ungeheure und unkontrollierbare Zerstörungen“ verursachen und unterschiedslos „auf die Vernichtung ganzer Städte oder weiter Gebiete und ihrer Bevölkerung“ abstellen würde, ist als „Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschen ... fest und entschieden zu verwerfen“. (Zweites Vatikanisches Konzil,„Gaudium et spes“, 80.)
In den letzten Jahren stand der Bau von Kernkraftwerken im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. Man sollte dabei nicht übersehen, dass die Zerstörungen, die ein Atomkrieg anrichten würde, viel unheimlicher sind als Katastrophen in Kernkraftwerken, und die Menschheit zu vernichten drohen. Die Gefahr ist groß. Alle Staaten reden vom Frieden, und alle Staaten rüsten zum Krieg. Papst Johannes Paul II. hat am 2. Juni 1980 vor der UNESCO zu Paris sehr ernste Worte gesprochen:„Man hat gesagt, dass die Atomwaffen bisher ein Abschreckungsmittel gewesen seien, das den Ausbruch eines größeren Krieges verhindert habe -, und das ist wahrscheinlich richtig. Aber man kann sich zugleich fragen, ob es immer so sein wird. Die Atomwaffen, von welcher Größe oder Art sie auch sein mögen, werden von Jahr zu Jahr vervollkommnet und dem Waffenarsenal von immer mehr Ländern eingefügt. Wer bietet die Gewähr dafür, dass der Einsatz von Atomwaffen, selbst wenn er zum Zweck nationaler Verteidigung oder in begrenzten Konflikten geschieht, nicht eine unvermeidliche Explosion auslösen wird, die zu einer Zerstörung führen würde, der die Menschheit niemals ins Auge sehen und die sie niemals ertragen darf?“ (Dokumentation zur Reise Papst Johannes Pauls II. nach Frankreich, 30. Mai bis 2. Juni 1980:„France, que fais-tu de ton baptême? Paris 1980, S. 222 f.)

b) Bei der Beurteilung des Baus von Kernkraftwerken ist folgendes zu beachten:
Erstens: Es ist die Aufgabe nicht der Theologie, sondern der Fachwissenschaft, festzustellen, ob der Bau von Brütern und Aufbereitungsanlagen, ob der Transport und die Ablagerung des Atommülls nach dem heutigen Stand der Wissenschaft und Technik auf eine Art und Weise möglich sind, dass mit Sicherheit Explosionen, Strahlenschäden und sonstige Katastrophen ausgeschlossen sind. Damit soll nicht bestritten werden, dass jeder technische Prozess - auch außerhalb der Kernenergie- Gefahren in sich birgt. Jeder Umgang mit der stofflichen Welt, auch das Handwerk, ist mit gewissen Risiken verbunden. Wollte man alle Risiken ausschließen, müsste man die Autos, Treppen, Leitern, Sägen und Messer verbieten. Die von einer entfesselten Atomenergie ausgehenden Gefahren sind jedoch wegen ihrer Schrecklichkeit und wegen ihrer viele Generationen schädigenden Auswirkungen von qualitativ besonderer Art.
Zweitens: Es genügt nicht, dass die Fachwissenschaft erklärt, es sei wahrscheinlich, dass durch Sicherheitskontrolle und Überwachungstechnik Schäden verhindert werden könnten. Robert Spaemann bemerkt mit Recht zum Hinweis „auf die Unwahrscheinlichkeit möglicher Katastrophen“:„Eben dieses Argument aber zählt nicht“. (Robert Spaemann, Technische Eingriffe in die Natur als Problem der politischen Ethik. In: Scheidewege, Jahrgang 9 (1979), S. 493.)Erforderlich ist die Sicherheit. Ob diese Sicherheit erreicht werden kann, vermag ich als Bischof nicht zu sagen. Hier sind die Fachleute zuständig und verantwortlich. Falls katastrophensichere Kernkraftwerke gebaut und betrieben werden können, wäre eine „Dämonisierung“ der Kernenergie unsachlich.
Drittens: Der Schutz der Menschheit vor den zerstörerischen Auswirkungen der Kernenergie ist eine Aufgabe aller Staaten. Es müssen deshalb in allen Ländern die eben genannten Grundsätze anerkannt und verwirklicht werden. Sonst kommt es zu Rivalitäten und Unterbietungen. Es wird z. B. berichtet, dass der sozialistische Ostblock bis zum Jahr 1990 Kernkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 150 Millionen KW errichten will, was 150 Kernkraftwerken des jetzt in der Sowjetunion üblichen Typs entspricht (KNA 221/79).
Viertens: Wissenschaft und Technik stehen vor der Aufgabe, Ausschau nach neuen, möglichst umweltfreundlichen Energien zu halten. Das gilt auch für den Fall, dass gefährliche Auswirkungen der Kernenergie nach dem jetzigen Stand der Forschung mit Sicherheit verhütet werden können. Die Atomenergie ist nämlich die risikoreichste Technik. Hier wirken sich Missbrauch und menschliches Versagen besonders verheerend aus.
Fünftens: Der Einwand, der Verzicht auf Kernkraftwerke führe für die Industriestaaten und für die Länder der Dritten Welt zu schweren politischen, sozialen und gesamtwirtschaftlichen Notständen, ist zwar ernst zu nehmen, aber, falls kein sicherer Betrieb der Kernkraftwerke garantiert werden kann, nicht letztlich entscheidend.Genetische und sonstige Schädigungen der jetzt lebenden Menschen und späterer Generationen dürfen nicht aus noch so dringlichen Nützlichkeitserwägungen in Kauf genommen werden. Es ist Aufgabe der Wirtschaftspolitik, Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen mit Maßnahmen zu überwinden, die nicht zu jenen katastrophalen, nicht mehr wiedergutzumachenden Schädigungen der Biosphäre und des Menschengeschlechtes führen. (Vgl. die Stellungnahme des Kommissariates der deutschen Bischöfe zu Fragen der Kernenergienutzung, erarbeitet vom Arbeitskreis„Umweltschutz“ des Kom-missariates, 23. September 1977.)

Kommentare:

  1. So viele schöne Sätze, dazwischen aber immer wieder fundamentale Irrtümer, die unisono als Fakten präsentiert werden, wie z.B. dass der Kreislauf eine Gesetzmäßigkeit der Natur wäre. So ein Unsinn. Und wenn man darauf aufbauend argumentiert, kann man sich ja nur schütteln. Das Problem ist hier aber weniger die Natur, als der eingeengte Blick darauf. Schon im ersten Absatz finden sich fundamentale christliche Irrtümer. Und es wird auch nicht richtiger, wenn man es noch fester bezeugt. Es wundert mich, dass vernunftbegabte Menschen gerade bei den essenziellen Fragen den Scharlatanen auf den Jahrmärkten an den Lippen hängen.

    Felix, Mann der ödp, schaue Dir doch bitte die Natur einmal an, für die Du Dich so aussprichst.

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  2. Der Text von Höffner ist eine Standortbestimmung und kein Text, der Irrtumsfreiheit beansprucht. Aber er enthält Aussagen, deren Beachtung das Entstehen der Partei "Die Grünen" hätte verhindern können. Der Text ist von 1980, als ein Erfolg einer grünen Partei noch nicht absehbar war. Auch viele technische Möglichkeiten, die wir heute haben, konnte Höffner noch nicht kennen.
    Und Kreisläufe sind ein Grundprinzip der Natur, zumindest im Bereich des Lebens. Es mag sein dass das Universum als Ganzes keine Kreisläufe kennt, die irdische Natur kennt jedoch unzählige Kreisläufe, ohne die Leben nicht möglich wäre. Angetrieben werden die Kreisläufe durch Energie von der Sonne und dem Erdinneren. Der Beweis für die Kreisläufe ist das Fehlen von Müllkippen in natürlichen Systemen. Alles wird wieder genutzt. Selbst die tektonischen Platten werden an atlantischen Rücken neu gebildet und verschwinden in Subduktionszonen wieder. Unsere Wirtschaft krankt ja daran, dass diese nicht nach dem Kreislaufmodell arbeitet und viele Stoffe nur einmal statt unzählige Male nutzt.

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  3. Es stimmt einfach nicht was Du sagst Felix, so oft Du Dir das schönredest. Wenn Du das nächste mal einatmest, dann denke einmal kurz daran, dass der Sauerstoff der dann in Deine Lunge strömt und Dir Energie zum Leben gibt, Abfallprodukt einer Spezies ist, die vormals den Planeten beherrschte und mit ihrem Abfall, der für sie keinen Nutzen hatte, sich damit schlußendlich selbst das Leben genommen hat, und erst deren Müll, den sie im Selbsterhaltungstrieb nie hätten produzieren dürfen, Säugetieren und Reptilien den Boden bereiteten.

    Unter dem Meer liegt eine riesige Müllkippe Methangas, noch tiefer noch viel größere Mengen Öl und Gas, die genauso bescheiden recyclebar sind wie das daraus gewonnene Plastik des Menschen, und für die Natur ohne Kreislauf ist.

    Es gab auch niemals eine Balance als Prinzip der Natur, auch das ist eine Erfindung einer Spezies, die auf die Welt kam und glaubte, die Welt wäre schon immer so gewesen. Heute glauben Kreationisten alles wäre so perfekt. Die Erde hat im Laufe ihrer Zeit mit und ohne uns gravierende Änderungen und totale Umkehrungen durchlebt. Nur weil wir in den letzten 10.000 Jahren eine ruhige Phase hatten die eine Entwicklung des Menschen in der bekannten Form überhaupt erst ermöglichte, sollten wir uns nicht vor der Tatsache blenden, dass 99% der Erdgeschichte menschenfeindlich war.
    Schon morgen könnte das Erdmagnetfeld zusammenbrechen, das ist ja schon zig mal passiert, und sich umpolen. Je nach dem wie lange das dauert, werden wir alle gegrillt sein von Gammastrahlen der Sonne. So ganz sinnlos, ziellos, gottlos. Aber "natürlich". Es ist keine Frage des "ob", sondern nur des "wann".

    Das Problem Deiner (gestützten) Argumentation ist immer wieder, dass Du der Natur einen Sinn oder ein Ziel zusprichst, häufig sogar zum Menschen hin (höchster Größenwahn). Das ist jedoch nicht nicht der Fall, und man kann das als vernunftbegabter Mensch auch schlecht bestreiten. Ob du ins kleine gehst, oder ins Große, ob zeitnah oder in weiter Vergangenheit.

    Ich lese das immer wieder, aber die Maßstäbe stimmen einfach nicht. Das kann entweder Absicht sein um seine Theorie nicht zu gefährden, oder schlicht Unwissenheit. Vielleicht möchte man auch schlicht nur nicht, dass man in einem sinnlosen Universum mit einer sinnlosen Natur seinem sinnlosen Leben frönt (freilich nicht für einen selbst, sondern für das große Ganze). Das ändert nur leider nichts daran, dass schon bei falscher Grundannahme nur selten ein richtiger Schluss gezogen werden kann. Der "Kreislauf der Natur" ist das Ergebnis einer viel zu kurzen Einsicht auf einen viel zu kleinen Bereich.


    Und wenn man ins ganz Große geht, so gilt als sicher, dass das Gesamte Universum eine Müllkippe ist, ein Dreckeffekt, die Ausnahme der Regel. Das eine Teilchen auf Milliarden, dass nicht ihren Partner gefunden hat und zu Energie verstrahlen konnte, und so als Materie das Leben fristen muss.

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  4. Christen glauben nicht an eine perfekte Erde, weil die Schöpfung durch den Sündenfall, wo und wie der sich immer abgespielt hat, nicht mehr in ihrem ursprünglichen Zustand ist. Trotz allem gibt es auch eine Menge Perfektion in solcher Hülle und Fülle, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass es uns gibt.

    "Großenwahn" liegt gar nicht so falsch. Das Christentum macht den Menschen als solchen so groß wie keine andere Religion, weil Gott selber Mensch wurde. Das ist kein Bereich der Wissenschaft, dass ist eine Frage des Glaubens. Und mir ist der Glaube an Jesus lieber, als der Glaube, nur ein Müllpartikel einer galaktischen Müllkippe zu sein. Dann sind auch alle Menschenrechte ohne Wert und Verpflichtung.
    Was die Umpolung angeht, hat das Leben auf der Erde diese schon mehrfach überlebt, anscheinend besser, als manchen Meteoriteneinschlag. Aber die Wissenschaft kann uns auch helfen, dass wir uns auf solche Dinge vorbereiten und wie Josef in Ägypten Vorräte für die mageren Jahre anlegen.

    Akut sieht es aber so aus, dass wir weder eine Umpolung, noch einen Meteoriten oder Supervulkan brauchen, um die Erde zugrunde zu richten.

    Diese Erde ist nicht ewig und wird untergehen, dass sagt auch der Glaube. Aber Gott will, dass die Personen bleiben, die entstanden sind. Das sagt der christliche Glaube. Wenn das Wahnsinn sein sollte, was kümmert es diejenigen, die meinen ein Dreckeffekt einer galaktischen Müllkippe zu sein.

    Ich vertraue den Blutzeugnis der ersten Christen, die dafür Zeugnis gaben, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Die Musik, die Blumen und das Lachen der Kinder sind uns aus dem Paradies geblieben und lassen hoffen, dass wir dahin zurück kommen können.

    Darüber hinaus helfen uns Teleskope und Mikroskope wenig, über das Leben zu diskutieren, weil das Wesentliche für die Augen unsichtbar ist. Schauen wir mit dem Herzen auf die Welt und suchen wir nach dem, was gut und wünschenswert ist und lassen wir uns darauf ein. Gewinnen werden wir auf jeden Fall, weil so eine Einstellung schon positive Wirkungwen auf das Leben im Diesseits hat. Sollte dann das Jenseits wieder erwarten ausbleiben und ich doch im Nirwana statt im Himmel landen, hat sich der Glaube trotzdem gelohnt. Die schöne Musik freitags im Chor - mitsingen dürfen auch stimmbegabte Müllpartikel - und auch die höhere Lebensqualität, die Normalgläubige haben, sind schon ein kleiner passiver Gewinn. Alleine die schönen Feiertage, die uns der Glaube gebracht hat und der freie 7. Tag, bringen doch mehr Zeitgewinn, als alle Sonntagsgottesdienste eines Jahres zusammen genommen. Und wir könnten noch ein paar Feiertage mehr haben, wenn wir noch aktiver christlich wären. Angesichts der vielen aktiven Kinder würde ich den 6. Januar sofort zum Feiertag machen und auch der 15. August, den u.a. die Belgier feiern, könnte man hier einführen.

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  5. Oh ich habe ganz viel geschrieben, möchte es dann aber doch mit einem Zitat abkürzen: Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.

    Nur zu einem möchte ich etwas ausführen:
    > Wenn das Wahnsinn sein sollte, was kümmert es diejenigen, die meinen ein Dreckeffekt einer galaktischen Müllkippe zu sein.

    Das ist zunächst keine Meinung sondern ein solides, sehr gut belegtes Faktum. Materie in diesem Universum ist ein Dreckeffekt, die hundertste Stelle hinter dem Komma, die sich eben nicht auflöste. Das kann man gewiss poetischer ausdrücken, im Kern bleibt es aber dasselbe.

    Und "was es mich kümmert": Ich schaue zurück auf eine Geschichte, in der Irrationalisten die Welt erklärten, und mit fatalem Irrglauben das größte Leid überhaupt verursachten. Ich schaue heute auf eine Welt, die sich noch immer meint mit Hirngespinsten profilieren und definieren zu müssen, von Irrationalität, in der aus dem nicht wissen eine Tugend gemacht wird die man wie eine Monstranz stolz vor sich her trägt und dafür auch noch Respekt verlangt.
    Ich schaue auf eine Welt, in der archaische Hirtekulturmentalitäten fatal viel Macht haben, in der mit Bigotterie und Menschenverachtung verachtet und gerichtet wird.
    Nein, die Wissenschaft hat nicht auf alles eine Antwort, viele Dinge sind auch gar nicht die Disziplin der Wissenschaft, aber es wird Zeit für die Menschen anzuerkennen, was die Wissenschaft geleistet hat. Das wir heute 70 oder 80 Jahre alt werden dürfen, dafür ist nicht 2000 Jahre Christentum verantwortlich, im Gegenteil. Es funktioniert nicht, dass man einerseits über das Internet kommuniziert, was ein gewisses Verständnis der Natur und Physik voraussetzt, gleichzeitig sich aber noch einen Glauben leistet, der diesem erworbenen Verständnis fundamental widerspricht. Deine Beiträge, wie auch dieser hier, ist leider immer wieder voll von falschen Annahmen, widerlegen Thesen, die nicht richtiger werden, nur weil es sie schon lange gibt und sie noch immer wiederholt werden. Die Geschichte zeigt, dass man falsche Ideen sterben lassen sollte, bevor Menschen für falsche Ideen sterben. Das machen sie noch heute wie die Lemminge. Aber die Aussicht oben vom Dach ist zu schön um zu springen, wenn man fähig ist den Blick zu öffnen. Aber die Religion ist genau diese Scheuklappe die dich springen lassen wird. Es kann untröstlich sein die Endlichkeit zu erkennen, aber nur, wenn man hinreichend am Geschmack der Unendlichkeit gekostet hat. Aber so geschmackvoll sie vordergründig ist, das macht sie nicht wahrscheinlicher.

    Wenn Dein christlicher Glaube Deine Privatsache wäre, ich wäre der letzte der es Dir nehmen wollen würde. Aber ich wehre mich dagegen mich von Irrationalisten bestimmen zu lassen. Ich möchte auch keine Kartenleger oder Scharlatane mit Glaskugeln im Bundestag haben. Genau die sitzen aber überall auf der Welt an wichtigen Hebeln, und entscheiden ein ums andere mal "aus ihrer Überzeugung". Auch Du bist so ein Überzeugungstäter. Da wären wir bei Nitzsche. Aufklärung, Demut und Zweifel, mehr verlange ich nicht. Weg von dieser barbarischen Widerlichkeit und Überheblichkeit der Religion, die Geist und Sein der Masse betäubt.
    Hast Du gute Argumente, trage sie vor. Dein Weltbild, so wie Du es Dir immer ausmalst, wird leider schon im Erstsemester so fundamental widerlegt, dass nicht viel bleibt von Deiner ökologischen Überzeugung - weil eben schon die Grundannahmen falsch sind, leider. Ich fände es anders vielleicht auch schöner.

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  6. Was brächte es mir, wenn ich die Weltformel hätte, aber die Liebe nicht? Ich kann natürlich stundenlang nach Gründen suchen und mich schlauer machen, sofern das mein Job zulässt. Aber besser ist es im Glauben mich auf die gute Tat zu konzentrieren, als alles bis ins Detail zu erforschen. Ich kann nicht alles ins Detail erklären. Aber ich lasse mich darauf ein, dass es mehr gibt als diese sichtbare Welt und das Gott Mensch wurde und das Gute will.

    Mancher Atheist hat zum Glauben gefunden: Edith Stein laß ein Buch und das änderte ihr Leben. Blaise Pascal wollte sich in Notre Dame über die Weihnachtsfeier der Katholiken lustig machen und stellte sich dafür an eine Säule nahe am Altar. Es wurde die Nacht seiner Bekehrung, da erinnert noch heute eine Tafel daran.

    Der Dreckeffekt kommt auch im Glauben vor, jeden Aschermittwoch. Gedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren musst. Aber der Staub ist eben nicht das letzte Wort für Gläubige.

    Was aber die Wortwahl angeht, ist mir der Physiker Harald Lesch bei Bayern Alpha lieber. Seine Sendungen zur Galaxie und seine Diskussionen mit einem Theologen folge ich gelegentlich, wenn ich morgens sehr früh gegen 3 Uhr zur Frühschicht aufstehe.

    Und was die Wissenschaft angeht, ist es noch gar nicht sicher, ob es einen Urknall gegeben hat. Da wurden kürzlich im Fernsehen ganz andere Theorien vorgestellt.
    Es ist schon eine Frage, ob wir heute da wären, wo wir sind, wenn nicht in den Klöstern nach dem Verfall des Römereiches viele alte Kulturtechniken bewahrt wurden. Schulen und Bildung wurden von der Kirche erhalten. Und auch heute betreibt die Kirche Hochschulen und sogar Sternwarten.
    Das es in der Kirchengeschichte viele Irrtümer und Fehler gab, ist leider wahr. Aber die gab und gibt es auch im weltlichen Bereich. Aber manches wird auch überbewertet. Auch früher gab es alte Menschen, aber die hohe Kindersterblichkeit senkte das Durchschnittsalter. Hinzu kommen Mangelversorgung und mangelnde Hygiene. Claus Zanders bei Youtube hörbare Sendung "Warum Ludwig XIV so gestunken hat" ist ein Paradebeispiel, wie die Medizin sich früher gebärdet hat.
    Aber wenn wir nur Dreck sind, was ist dann verwerflich daran, wenn im KZ Ärzte an Menschenmaterial Experimente machen? Was ist dann verwerflich am Recht des Stärkeren?
    Geist und Sein als Masse haben uns doch vor allem atheistische linksextreme und neoheidnische rechtsextreme Ideologien gebracht. Vermassung betreibt unsere Politik, die Kinder in Krippen hortet, statt die Eltern zu unterstützen. Du bist nichts, dein Volk/ deine Arbeiterklasse sind alles, dass waren Gegenmodelle gegen das Christentum, wo jeder Mensch ein Du ist, das von Gott geliebt ist, eine einmalige Person, deren Wesen nicht einer Vermassung geopfert werden darf. Solidarität, Subsidiarität, Personalität und Gemeinwohl sind die Eckpfeiler der christlichen Soziallehre. Wo sind die Grundpfeiler des Dreckeffektes? Ist es der Egoismus des "Mein Bauch gehört mir" oder wie es mir einer von der Antifa in Paderborn erklärte "ein Ungeborenes ist wertloser als ein Steak"? Heute droht uns der Neoliberalismus zu Zahnrädern in einer wildgewordenen deregulierten Ökonomie zu machen.

    Warum diese fundamentalistische Kritik am Christentum? Kritik an sich ist ja sinnvoll. Heute war das Sonntagsevangelium eine Kritik von Jesus an den Pharisäern, die nicht das tun, was diese in ihren Predigten von anderen verlangen. Das passiert auch immer wieder in der Kirche, weil deren Repräsentanten nicht (immer) perfekt sind, und dann muss man Kritik äußern, so wie jetzt die Umwelthilfe bei den Autos der Bischöfe. Für mich ist die christliche Religion keine Scheuklappe. Sie ist eher eine Multifunktionsbrille, die einen hilft, Dinge schärfer zu sehen und die sich abdunkelt, wenn starkes Licht einen droht zu blenden und die verhindert, dass herumfliegende Teile einen ins Auge geraten.

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  7. Oh ja, das Hohelied der Liebe hat noch gefehlt. Schließt das eine denn das andere aus? Ich bin zumindest, obwohl ich wißbegierig bin, seit früher Jungend mit ein und derselben Frau glücklich liiert. Und selbst wenn ich Erklärungsmuster für die Liebe habe, mindert das in keiner Weise meinen Blick auf mein Umfeld. Eher im Gegenteil, weil ich erkenne was für ein verdammtes Glück ich habe.

    Die Tatsache übrigens, dass wir hier über das Internet kommunizieren, haben wir nicht der Gattung Mensch zu verdanken, die davon ausgeht dass sich alles im guten Glauben richten wird. Es ist das Ergebnis der Forscherdrangs, der menschlich ist, und über 1000 Jahre von der Kirche mit dem Tode bestraft wurde, sowie bei natürlicher Sexualität die Kirche ihren Schäfchen noch immer das Höllenfeuer androht. Sicher, wir hier in Deutschland sehen das etwas lockerer, aber ich muss mich schon wundern, wenn der Papst ernsthaft Exorzisten ausbildet.

    Ich kann übrigens auch nicht alles erklären. Aber genau darum geht es: Dinge, die ich nicht erklären kann, dafür liefere ich eben keine Erklärung. Was macht die Kirche denn? Sie erklärt Dinge, sie gibt Antworten, weil es vielen erträglicher scheint die Unzulänglichkeit der eigenen Unzulänglichkeit mit Phantasiegebäuden zu betäuben.
    Genau darum geht es doch: Sie wissen nichts, aber lassen sich als "Heiliger Vater" bezeichnen und schämen sich nicht einmal.

    Zur Wortwahl und Lesch: Das ist echt lustig, ist doch gerade das Wort "Dreckeffekt" bezogen auf den Menschen und die Materie, ja auf das Universum, ein Begriff, den Lesch so geprägt hat und vielfach verwendet. :D Schau mal die Folge "Was ist Antimaterie", da spricht er "pausenlos" vom Dreckeffekt.

    Deine Frage, ob wir heute da wären wo wir sind, wenn die Kirche nicht achso viele Kulturschätze bewahrt hätte, finde ich schon ziemlich vermessen, verfälschend. Das ist mir auch zu doof darauf einzugehen. Das Problem ist und war, dass die Wissenschaft nur dann Wissenschaft ist, wenn sie ergebnisoffen arbeiten kann. Genau das hat die Kirche und das Christentum, begonnen mit dem widerlichen Vorfall in Alexandria, über viele Jahrhunderte verhindert und Menschen, die es versucht haben, weggesperrt und umgebracht, weil sie für richtige Annahmen den Ketzertod sterben durften. Wirklich, das ist mir zu blöd. Die Frage lässt sich aber so beantworten: 1000 Jahre weiter wäre die westliche Welt! Von einer blühenden Kultur hat sie uns in schrecklicher Überheblichkeit erstmal viele dunkle Jahre geschenkt, weil die Idee richtig sein musste, also Menschen für sie sterben mussten (und noch immer auch dieses Jahr in Europa müssen), statt das die falsche Idee stirbt. Das ist ein Designfehler in der Religion: Wem sich Gott offenbart hat, der wird schwerlich Toleranz üben. Die Geschichte bis in die Gegenwart gibt mir recht - natürlich nicht ausschließlich!
    ...

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  8. Wenn Du Gott und Deine Religion brauchst um zu erkennen, dass man Menschen nicht tötet oder quält auch wenn sie wie alles ein vergänglicher Dreckeffekt (!= Dreck) sind, dann hast Du mein aufrichtiges Mitleid! Mir sind Personen sehr suspekt, die eine gute Sache nur daran erkennen, weil eine Autorität sie bestimmt. Das ist gefährlich, und genau das hat man im Nationalsozialismus gesehen, der ja, auch wenn gerne mal das Gegenteil behauptet wird, alles andere als atheistisch war. Und waren es nicht die Katholiken, denen ihre Pfründe so wichtig waren, dass sie Hitler erst zur Macht verholfen haben. Auch hier: Geschichtsverfälschung! Und die Gesellschaft im Dritten Reich war zu 98% christlich. Das hat den Juden nicht viel geholfen, im Gegenteil. Steht doch der Genozid mehrfach als von Gott befohlen in der Bibel, kann man sich darüber m.E. auch nicht arg wundern. Hast Du "Mein Kampf" gelesen? Mach mal! Du wirst erstaunt sein wie sehr Hitler seinen Kampf christlich begründet hat, und es ist gerade zu widerlich, dass diese Begründungen nicht mal falsch sind, zieht man die Bibel und christliche Denker zu Rate. Daher mein Standpunkt: Schon die Begründungen sind falsch. Das Christentum, dass den Antisemitismus erst in die Welt gesetzt hat, sollte zumindest demütig sein beim Gedanken an das Dritte Reich, und das nicht leichtfertig als Atheismusproblem abtun.

    Ich wüsste auch nicht, wie aus der wissenschaftlichen oder philosophischen Erkenntnis des Dreckeffekts ein Egoismus entstehen sollte. Das Christentum schreibt sich hier einige Dinge auf die Fahnen, die nüchtern betrachtet nicht christlich sind, sondern schlicht menschlich. Ich kenne keine originär christliche Erfindung oder originär christliche Stiftung für die Welt, die den Menschen irgendwie weiter gebracht hätte.

    Ich übe übrigens keine fundamentalistische Kritik, da ich kein festes Fundament hätte, ist das gar nicht möglich, es sei denn du erhebst den Zweifel und die Unkenntnis zu einem Fundament. Dann ist aber auch das berühmte Nicht-Briefmarken-Sammeln ein Hobby. Ich versuche nicht mein Weltbild in die Welt zu tragen weil ich es als die einzige Wahrheit oder Lösung ansehe. Ich übe Kritik, was ich als falsch ansehe, oder, und das ist noch schlimmer, längst als widerlegt abgehakt werden kann, man sich aber so gerne daran festhält. Ich übe Kritik weil es nötig ist, den Grund habe ich bereits im letzten Absatz meines vorherigen Beitrags beschrieben. Religion muss runter von ihrem historischen Sockel. Es gibt viele Lebensmodelle, ich missioniere nicht für ein christliches, für ein buddhistisches, für ein hinduistisches oder für ein atheistisches Weltbild. Mir geht es nur auf den Zeiger immer wieder den selben Mist zu lesen, der häufig auf Grundlage eklatanter Verzerrungen basiert. Dann sei doch wenigstens konsequent! Als erstes müsstest Du mal den PC ausschalten, denn die Grundlage für die Funktionsfähigkeit des PC ist die selbe Grundlage, mit der sich der Urknall nachweisen lässt. Dann nutze es halt nicht. Aber Du willst beides, ein rotes Sofa nutzen weil die Farbe schön ist, und kein rotes Sofa haben weil das Deinem Glauben widerspricht. Ich weiß nicht, aber ich Glaube Du siehst oder kennst Deinen Widerspruch wirklich nicht, mit dem Du m.E. argumentiert.

    Und es stört mich, dass die Kirche überrepräsentiert ist, dass im öffentlichen Diskurs immer Christen gegen Moslems gegen Juden proklamiert wird. Es nervt, die Welt ist größer und bunter, und deutlich gehaltvoller. ;)

    Ich habe nichts dagegen wie Du Dein Leben bestreitest, aber Deine Postwurfsendungen, die Missionierung, die nervt. Und Du bist ja nicht alleine.

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  9. Wenn man bezogen auf die Physik von Dreckeffekt spricht, warum nicht, bezogen auf Menschlichkeit und Sinn nicht. Da habe ich gerade vor ein paar Tagen ganz andere Worte von Lesch gehört.

    Was die Bibliothek von Alexandria angeht, ist sich die Wissenschaft nicht einig, wann die zerstört wurde. Wahrscheinlich schon lange vor dem besagten Termin bei einem Krieg mit großen Brand. Sicher ist, dass ein Museum, das Außenstelle der Bibliothek war, von Christen gestürmt wurde. Die heidnischen Kulte waren verboten worden und da haben einige Heiden Christen als Geiseln genommen und einen ihrer alten Tempel besetzt, zumindest steht es so bei Wikipedia. Die Christen sollen dabei auch misshandelt und getötet worden sein. Das Kultverbot war wohl eine falsche Entscheidung, auch wenn ich die Details der Geschichte nicht kenne und dieser Bereich der Erde in unseren Geschichtsbüchern nach der römischen Reichsteilung eigentlich erst bei Napoleon wieder auftaucht.
    Das der Forscherdrang über 1000 Jahre von der Kirche mit dem Tod bestraft wurde gehört m.E. zu den modernen Legenden.

    Wenn der Islam uns die Schriften des Aristoteles gebracht hat, so muss man schon fragen, wo der die her hat? Da der Islam erst nach 630 weltbedeutend in Erscheinung tritt wird immer vergessen, dass bis dahin diese Schriften weiter übermittelt worden sein müssen. Dass die in Europa fehlten, ist klar, hier hat nicht die Kirche alles vernichtet, sondern die Völkerwanderung. Die Kirche unterhielt Inseln der Hochkultur in einem zurückgefallenen Kontinent und bereitete die Einstellung vor, dass man im Mittelalter die Schriften übernehmen konnte. Das diese Schriften den Weg zu islamischen Denkern fanden, daran dürften die orientalischen Christen und noch nicht arabisierten Völker im Orient ihren Anteil haben. Wahrscheinlich haben Griechen, Ägypter (griechisch: Kopten), Aramäer und Assyrer eher arabisch gelernt, als umgekehrt die Araber die Sprachen der eroberten Völker. Durch Übertritte zum Islam kamen natürlich auch andere Sprachträger in diese Religion, die aber nach und nach eine Arabisierung förderte. Vielleicht haben diese Konvertiten die Gabe gehabt, griechische Texte ins arabische zu übersetzen, vielleicht haben auch gebildete Araber solche Übersetzungen aus Interesse in Auftrag gegeben. Aber das alles setzt voraus, dass diese Schriften noch verfügbar waren, als die Araber diese Länder besetzten.
    Was die "dunklen Jahre" angeht, sagt die Kirche heute selber, dass es Dinge gegeben hat, für die man sich schämen muss. Es ist aber nie so schwarz weiß, wie oft dargestellt.

    Ich frage mich aber, wo für die Idee des Christentums heute noch in Europa Menschen sterben müssen. Für die Idee des atheistischen Materialismus, der dem ungeborenen Menschen kein Lebensrecht zuspricht, sterben jedes Jahr in Deutschland 100.000e und in Europa Millionen. Und die Euthanasie ist auch wieder auf dem Vormarsch.

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  10. Vielleicht haben die Christen nichts, was es nicht schon irgendwo gegeben hat. Aber vieles was die Christen haben, würde oft nur sehr regional oder individuell geben. Ein Christ tut auch nichts, weil Gott es befiehlt, sondern weil es Ausdruck der Liebe zu Gott ist. Dazu gehört natürlich auch eine Gotteserkenntnis und da kann schon der Bildungsstand der Menschen, die sich proforma Christen nennen sehr unterschiedlich sein.
    Wenn also ein Herr Hitler vom "positiven Christentum" fabuliert, brauche ich dem nichts abzunehmen. Auch ein Herr Mohammed hat sich ja schon als Wiederhersteller des Christentums verstanden und verkündet, dass sein Reichtum vom Schatten seines Schwertes kommt und das verfolgt wird, wer ihn verhöhnt.
    Das die Katholiken den Nazis an die Macht geholfen haben ist eine sehr beispielhafte Geschichtsverfälschung. Ab die sich immer richtig verhalten haben, als die Nazis an der Macht waren, ist eine zweite Frage. Aber als der braune Terror regierte ging es um das Überleben. Aber gerade im zweiten Weltkrieg hat die Kirche mit Leuten wie Raul Wallenberg zusammengearbeitet und in Rom die Rettung und humanitäre Versorgung einiger 1000 Juden unter Kriegsbedingungen erreicht. Wer die Danksagungen Überlebnder Juden an den verfehmten Papst Pius XII ignoriert, der reiht sich in diese Gruppe der Geschichtsverfälscher ein.

    Ob sich der Urknall nachweisen lässt, habe ich meine Zweifel. Und ob es einen gegeben hat oder nicht, darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf, das verändert meine akut 45 bis 100 Lebensjahre nicht. Aber der Glaube an einen Gott, der jeden Menschen beim Namen ruft, der Liebe ist, der Mensch wurde um unser Dasein zu teilen, der gibt mir Hoffnung. Und die Konsequenzen dieser Hoffnung ergäben eine wahrhaft bessere Welt - trotz vieler vorhandener Unzulänglichkeiten in der Kirche.

    Und wieso die Aufregung, wenn ich davon schreibe? UNO und Grundgesetz garantieren Meinungsfreiheit und Bekenntnisfreiheit. Wenn ich hier in diesem Blog öffentliche Kommentare zulasse, ist das ein Zeugnis der Meinungsfreiheit und dann rege ich mich nicht darüber auf, wenn einer so einen Text schreibt. Ich lasse den stehen, auch wenn ich inhaltlich das nicht teile und ich ärger mich nicht darüber, weil das die Konsequenz davon ist, dass ich einen öffentlichen Blog betreibe.

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