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Dienstag, 18. Oktober 2011

Jahrgedächnis für den ehemaligen Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner

Von Felix Staratschek, Radevormwald stellvert. Kreisvorsitzender der ÖDP Bergisches Land

Am 16. Oktober 2011 jährte sich zum 24. mal der Todestag von Joseph Kardinal Höffner. Aus diesem Anlass gab es ein feierliches Hochamt im Kölner Dom und anschließend im Maternushaus einen Vortrag mit angekündigter Diskussionsmöglichkeit. Kardinal Höffner hat viel Anerkennung erfahren. Mit vier nicht palgierten Doktortiteln ist er noch immer der einzige deutsche Spitzenreiter als Träger dieses akademischen Titels. Er prägte die katholische Soziallehre wesentlich mit, war Student bei Walter Eucken, einem der Väter der sozialen Marktwirtschaft und auch in der Liturgie wirkt er bis heute nach: Ohne ihn hätte es die schöne Chormusik dieses Hochamtes, die auch zu anderen Anlässen immer wieder die Würde der Gottesdienste im Dom unterstreicht, nicht gegeben.

Kardinal Meisner hielt eine interessante Predigt, deren Grundintention ich voll teilen kann, deren Details aber durchaus diskutiert werden können. In der Domradio-Videothek kann jeder die Predigt nachören.
Denn der Wunsch von Meisners Predigt sind ja Menschen, die sich für die Welt engagieren.
Er teilte die Menschen in drei Gruppen ein:


---den Egoisten, für den die Welt nur da ist, um sich zu Bereichern und sein Wohlleben zu maximieren.


---den Utopisten, der den Traum einer ganz anderen Welt hat und bei dem alles diesem Ziel dienen muss. Utopisten neigen laut Meißner zur Revolution und wollen für ihre Ziele auch umstürzlerisch das Bestehende zerstören und Andersdenkende unterdrücken.


Schon hier habe ich Probleme, denn die Zuschreibungen, die Kardinal Meisner hier den Utopisten und Revolutionären zuschreibt, die gibt es zwar, aber die gelten nicht für alle Personen, die man dieser Kategorie zuordnen kann. Gerade der Kardinal, der aus dem Osten, der DDR kommt, sollte sich doch daran erinnern, wie positiv dort die friedliche Revolution war. Umgekehrt ist auch die Kirchengeschichte nicht frei vom Verhalten von Utopisten, wie diese Kardinal Meisner beschreibt, wenn er sagt, das Utopisten dazu neigen, die Menschen zu ihren zukünftigen Glück zu zwingen. Da denke ich nicht nur an den Kommunismus, sondern auch an Jan Hus, Folter und Hinrichtung bei der Inquisition, etc.. Die Kirche hat es selber lange Zeit praktiziert, was Kardinal Meisner hier als Eigenschaft der Utopisten nennt. Das ist nicht die ganze Kirchengeschichte, es gibt sehr viel Licht, z.B. durch die Frauenbildung durch die "Englischen Fräulein", den Einsatz für Indianer durch den Jesuitenstaat in Südamerika und durch Bartholomäe de las Casas oder der ampf gegen die Sklaverei von Wilberforce oder die zahlreiche Spitäler. Aber leider ist schon damals und nicht erst unter Papst Paul VI der Rauch Satans in die Kirche eingedrungen und hat fatale Folgen gehabt. Die Aussage der Heiligen Schrift, dass die Mächte der Finsternis die Kirche oder das Licht nie überwältigen werden, müssen rückblickend auch als Warnung verstanden werden, dass diese Mächte immer wieder in die Kirche eindringen wollen. Das zeigt ja auch das Portal am Bamberger Dom, wo Teufel auch Kaiser und Papst in die Hölle führen.

---den Realisten, der weiß, dass die Welt nie perfekt wird, der aber den Weg der kleinen Schritte geht und nach dem sucht, was möglich ist.

Zu recht erinnerte Kardinal Meisner an die 50 Millionen Tote des kommunistischen Gullags unter Stalin, Mao und Pol Pot. Aber die Väter der sozialen Marktwirtschaft warnten nicht nur vor einer Kollektivierung im Kommunismus, sie warnten auch vor der Uniformierung der Menschen, vor der Umwandlung der Menschen zu Zahnrädern des Profitsystems im unregulierten Kapitalismus. Und da hätte ein Blick in die Kirche gereicht, was die Leute an Kleidungsstücken anhaben. Selbst Markenware kommt heute aus Billiglohnländern, wo kasernierte Arbeiter zu Hüngerlöhnen wie die Käfighühner im Akkord arbeiten müssen und nur soviel Zeit nicht arbeiten müssen, wie zwingend für Schlafen und Essen nötig sind.

Der WDR 5 hatte an diesem Sonntag Morgen um 7.30 Uhr und abends um 22.05 Uhr eine Sendung ausgestrahlt, die fragte, "Wo kommen die kleinen Preise her?". Leider bleiben so wichtige kritische Sendungen  nicht lange lesbar und hörbar. Die Politiker zwingen den öffentlich rechtlichen Rundfunk, seine Beiträge  nach einer Woche wieder zu löschen. Die Kritik an der Ausbeutung von Mensch und Natur soll nicht lange öffentlich zugänglich sein. Und so erreicht es unsere politische Klasse, dass der Proest dagegen schwach bleibt und auch hier im Gottesdienst an den Leibern vieler Menschen ein Rucksack aus Blut, Schweiß, Ausbeutung, Unmenschlichkeit, Tod, Krankheit, Verzweiflung, etc. hängt. Man sieht und riecht diesen Rucksack nicht, aber hier im Dom und anderswo sind die Produkte dieser Missstände anwesend und schreien ihre Klage zum Himmel. Der kapitalistische Gullag ist diskreter, als der kommunistische Gullag, aber er ist da und wird fortlaufend ausgebaut.
Achtung, folgender Link wird möglicher Weise nicht lange abrufbar sein. (Text am besten schnell herunterladen.)
Hören.

Für mich ist Utopist wesentlich besser besetzt, als für Kardinal Meisner. Denn Utopie und Realismus schließen einander nicht aus. Der realistische Utopist erkennt die Schwächen der Menschen an, er idealisiert nichts, versucht Gefahren zu erkennen und baut Schutzregeln und Rückkopplungen in seine Konzepte und sein Handeln ein. So braucht Macht Kontrolle, damit diese nicht missbraucht werden kann. Politische Macht braucht Unabhängigkeit von Wirtschaftskreisen, damit diese frei und gemeinwohlorientiert bleibt. Kardinal Meisner fordert zwar aktive Christen, die sich als Realisten in dieser Welt einsetzen, er bringt leider keine realistischen Ansätze ein. Die Predigt bleibt beim theoretischen und geht nichts in konkrete.

Kardinal Höffner schreibt in seinem Buch "Christliche Gesellschaftslehre" auf Seite 21 in Bezug zur "Enzyklika Quadragesimo anno" von Papst Pius XI:

"Heilswidrige Verhältnisse, z.B. Elendzustände in manchen Entwicklungsländern, sind Ärgernisse, die nach Abhilfe rufen, und zwar nicht nur in der Form der Sozialkritik und des Almosens, sondern auch der gesellschaftlichen Neuordnung nach den Grundsätzen der christlichen Soziallehre. Das harte und leidenschaftliche Ankämpfen gegen Armut, Hunger, Krankheit, Elend und Not ist christliche Pflicht. Voreiliges Resignieren wäre keine christliche Ergebung  in den Willen Gottes, sondern fatalistischer Quietismus, der dem christlichen Glauben den Vorwurf einbrächte, er sei "Opium für das Volk".

Und auf Seite 22 schreibt Höffner:
"Ein Christ, der die Ordnungskraft des Glaubens für das öffentliche Leben brach liegen ließe, würde einen "Verrat am Gottmenschen" begehen."

Das griechische Wort für Fortschritt in der Bibel heißt "prokope". Damit ist eigentlich der Ruderschlag gemeint, mit dem man unter viel Einsatz an körperlicher Kraft und viel Schweiß eine Galeere fortbewegt wird.

Auch Papst Benedikt sagte zum Weltfriedenstag 2010 (hier auf diesem Blog dokumentiert), dass der Schutz der Umwelt eine Pflicht eines jeden Menschen sei!

Aber wo bleibt hier das sichtbare prokopen der Christen gegen die Fehlentwicklungen unserer Zeit? Welches Bild gibt die Kirche hier nach außen ab? Wäre es nicht Aufgabe des Bischofs die Christen noch stärker und direkter zu anstrengenden Taten aufzurufen? Und wo sind die anstrengenden Taten der Laien und des ZDK?

Wäre es nicht mal an der Zeit, dass auch die Bischöfe und die Laiengremien grundlegende Schwächen unserer politischen und gesellschaftlichen Strukturen aufspüren und so beim Namen nennen, wie es der Prophet Nathan gegenüber König David und Johannes der Täufer gegenüber Herodes getan hat?

Was Kardinal Höffner hier gesagt hat, ist geistiger Sprengstoff gegen die, die unsere Erde und so viele Menschenleben mit ihren Taten und Unterlassungen zugrunde richten. Aber das Problem ist, dass die Kirche statt geistige Bomben zu legen (damit meine ich keine Gewalt, sondern aufrüttelnde Botschaften und konsequenteres persönliches Handeln) eher wirkt, wie ein Einsatzkommando vom Kampfmittelräumdienst. Damit ist nicht nur die sogenannte Amtskirche gemeint. Schließlich war die Grundintention der Predigt von Kardinal Meisner hervorragend. Aber was macht das Kirchenvolk daraus?

Das konnte ich anschließend bei der Josephl Höffner Gesellschaft erleben.

So sah die Einladung aus, Hervorhebungen durch mich:

"Im Rahmen eines moderierten Gesprächs wird Professor Dr. Otto Schult, Forschungszentrum Jülich, Mitglied des Bundes Katholischer Unternehmer, zum Thema:  "Wie wollen wir morgen leben?" sprechen. Die Moderation des Gesprächs wird Prof. Dr. Werner Münch, Ministerpräsident a.D. übernehmen.

 Wie wollen wir morgen leben?

Die Neuzeit lässt sich beschreiben als großartige und vordem ungeahnte Entfaltung der menschlichen Freiheit. Insbesondere die Entdeckung der Naturgesetze und deren Anwendung in der Technik führte allmählich zu dem Gefühl einer unbegrenzten technischen Machbarkeit der Welt und zu der Devise: Was technisch und ökonomisch möglich ist, das wird auch verwirklicht, ohne weitere Rückfrage nach dem humanen Sinn des jeweiligen "Fortschritts". In dem Maße aber, wie dabei nicht nur Nützliches und Gutes, sondern auch Bedrohliches, ja Lebensgefährliches möglich wird, lassen sich Wert und Sinnfragen aus dem Konzept der öffentlichen Vernunft nicht mehr ausklammern. Besonders deutlich führt uns dies wieder die Reaktorkatastrophe in Japan vor Augen.  Vor allem in Deutschland hat sie zu einer intensiven Debatte über eine grundlegende Energiewende geführt.
Aber auch unabhängig davon müssen wir uns grundsätzlich die Fragen stellen: Wie wollen wir morgen leben? Welchen Fortschritt wollen wir? Wollen wir die technischen und ökonomischen Entwicklungen linear fortschreiben? Was verstehen wir unter Wohlstand? Und wie werden wir unserer Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen gerecht?
Dabei ist nicht nur an die Energietechnik zu denken, sondern auch an die schwierigen Probleme einer alternden und zugleich schrumpfenden Gesellschaft, sowie an jene biotechnischen Möglichkeiten, über die Papst Benedikt XVI. feststellt, der Mensch sei heute "in die Hände des Menschen gelegt" (Caritas in veritate 75). Hier stellen sich uns kritische Fragen: Können wir es uns leisten, lediglich unsere Besitzstände zu verteidigen? In wieweit ist es notwendig, die bisherige Lebensweise zu ändern, welche Entscheidungen sind nötig, um unserer Zukunftsverantwortung gerecht zu werden?
 Wir haben Prof. Dr. Otto Schult gebeten, uns die "Gedanken eines Physikers" darüber vorzutragen und sich unseren Fragen zu stellen."

Dr. Otto Schult brachte viele Ansätze denen man zustimmen konnte, zum Thema Familie, Verantwortung für die eigene Gesundheit, etc.. Aber eine Grundfrage habe ich vermisst, wer stellt den überhaupt die Frage "Wie wollen wir morgen leben?" Lautet die Frage nicht viel eher bei den aktuellen politischen Verhältnissen, "Wie wollen andere, dass wir in Zukunft leben?" Müsste nicht viel mehr darüber diskutiert werden, wie man dahin kommt, das man die Frage mit realen Bezug stellen könnte "Wie wollen wir heute und morgen leben?"

Da es einige zeitliche Verzögerungen gab, beschloss Ministerpräsident a.D. von Sachsen Anhalt Prof. Dr. Werner Münch (CDU) selber den Vortrag zu kommentieren und dann wie bei der CDU üblich, per hoheitlichen Akt die Veranstaltung zu schließen. Immerhin habe ich schon mitbekommen, dass dies auch das Missfallen einiger Mitglieder oder Gäste der Kardinal Höffner Gesellschaft erzeugt hat.

Einschub vom 25.11.11:
Herr Münch hat zwischenzeitlich auf den Beitrag reagiert. Er ist im Februar 2009 aus der CDU ausgetreten, was mir aber nicht (mehr) bewusst war und, wenn ich mich richtig erinnere, auf der Veranstaltung nicht angesprochen wurde.   Immerhin dürfte damit Dr. Münch der prominenteste CDU- Austritt der Ära Merkel sein. Schade, dass er nicht, wie seinerzeit Dr. Herbert Gruhl kein Zeichen setzte durch eine neue politische Ausrichtung. 
Ferner sagt Herr Münch, dass er gerne eine Diskussion oder ein moderiertes Gespräch geführt hätte, wenn es zeitlich möglich gewesen wäre. Ich bin allerdings der Überzeugung, dass dies möglich gewesen wäre, evt. erst nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung, wo ja die Teilnehmer noch lange Zeit bei einer Suppe im Haus verweilten. Mikrophon und mögliche Moderatoren waren da, falls Herr Dr. Münch persönlich keine Zeit mehr hatte. Ich hätte es für besser gefunden, wenn Herr Münch auf die fortgeschrittene Zeit hingewiesen hätte und gefragt hätte, wie man verfahren soll. Das wäre besser, als ein Beschluss von oben. Aber das bin ich von unserer (heimischen) CDU nicht anders gewohnt, von der Herr Münch trotz Austritt immer noch geprägt wirkte. Durch seinen Austritt ist er mir aber ein Stück sympathischer geworden, da er damit mehr Anstand zeigt, als der Rest seiner ehemaligen Partei.

Denn einige Aussagen des Physikers Dr. Otto Schult verlangten Widerspruch. Er gab zwar wieder, wie kritisch sich Kardinal Höffner bereits 1980 zur Atomenergie äußerte, verteidigte aber die Kernenergie doch als Brückentechnologie! Aber wozu braucht man eine Brücke im flachen, trockenen Land?
Ist die Kernenergie nicht vielmehr ein Irrweg, als eine Brücke oder ein atomarer Selbstmord der Wachstumsideologie, wie es Dr. Herbert Gruhl schrieb?
---Schult sprach von den sichersten Atomkraftwerken der Welt in Deutschland. Auf diesem Blog hier kann man u.a. von dem Atomphysiker Prof. Dr. Klaus Buchner erfahren, dass das nicht stimmt, dass auch hier die AKW in gefährlichsten geologischen Gegenden stehen (Erdbeben, unbekannte Hohlräume unter dem AKW Neckarwestheim) und Atomunfälle mit schweren Folgen passiert sind (Leukämiecluster von Geesthacht).
---Schult meinte, es gebe immer Risiken. Aber Risiken haben eine unterschiedliche Persistenz ihrer Folgen. Wenn ich mit einem Zug von der Müngstener Brücke falle, ist das ein schweres Unglück, dessen Schäden aber beseitigt werden und danach ist das Geschehen abgeschlossen. Atomare Unfälle können Folgen für Jahrtausende haben.
---Schult kritisierte auch, dass es nicht gut wäre, wenn nur Deutschland aus der Atomenergie aussteige. Fakt ist, dass der Ausstieg von Bundeskanzlerin Merkel nur machtpolitisch und nicht idealistisch begründet ist. Den Grünen musste ein Thema genommen werden. Das ist wahrlich keine Energiepolitik. Und dass die Förderung der erneuerbaren Energien jetzt Großanlagen auf See begünstigt, ist ein Schlag gegen die Stadtwerke zugunsten der alten Stromkonzerne. Hinzu kommt, dass ein Unfall in Deutschland unser Land immer stärker verseucht, als ein Unfall im Ausland. Und die französisichen AKW im Elsass und an der Mosel werden ja nicht dadurch sicherer, dass wir auch AKW betreiben. Im Leben wurde mir beigebracht, dass die Aussage, andere machen das auch, kein Kriterium ist, ob etwas mitgemacht werden sollte oder als nachahmenswert gilt.
---Schult kritisierte die Sonnenenenergie, die zu wenig potential liefere. Steigt man einmal auf den Kölner Dom, kann man riesige Dachflächen sehen, die sich für Solarzellen eignen, überall. Und selbst, wenn akut die Förderung der Sonnenenrgie recht teuer ist, so bleiben die Anlagen doch auch nach der Abschreibung in Betrieb und liefern dann den Strom für Lau. Würde man alle Kosten zur Erforschung der Kernkraft dem AKW- Strom aufschlagen und alle Begünstigungen der Atomenergie rückwirkend abschaffen, wäre Atomstrom unbezahlbar.
Problematisch ist allenfalls das Repowering von bestehenden Anlagen für regenerative Energie. Hier werden bestehende Anlagen durch neuere ersetzt, die effizienter Strom liefern. Aber ist das sinnvoll? Sollte man nicht die alten Anlagen solange laufen lassen, wie es deren Lebensdauer ermöglicht und neue Anlagen, solange es Platz gibt, an anderen Stellen errichten? Das würde die Ökobilanz dieserr Anlagen verbessern und den Ausbau der erneuerbaren Energie sogar beschleunigen.
Auch nicht zur Sprache kamen die verheerenden Zustände in Gebieten mit Uranbergbau und die Langzeitfolgen der Atomkraft. Hätte der Neandertaler so gelebt wie wir, wir hätten heute kein Öl, kein Gas, keine Kohle und kein Uran. Aber wir hätten  Müllkippen und Sondermülldeponien im Überfluss und wir müssten noch immer auf den Atommüll aufpassen.

Hier kann man den Warnungen von Kardinal Höffner nur zustimmen. Ich habe noch eine Karikatur von Horst Haitzinger. Helmut Kohl und sein CSU- Kontrahent Franz Josef Strauß gehen als Damen im Sonntagskleid und mit Gebetsbuch in ein Atomkraftwerk. Daneben steht eine Kirche, vor der Kardinal Höffner ruft: Meine Damen, die Kirche steht hier!

Leider hat Herr Münch diese Diskussion unterbunden. Auch die Fragen der anderen Teilnehmer hätten interessant sein können. Aber so ist das schon mit der CDU im Stadtrat Radevormwald: Jetzt wollen wir darüber nicht so lange diskutieren ist da fast schon ein geflügeltes Wort. Die Kardinal Höffner Gesellschaft täte gut daran, künftig einen parteipolitisch neutralen Moderator zu wählen. Es ist schon schlimm genug, dass die Parteien die führenden Positionen unsererer katholischen Laiengremien besetzt haben. Statt die notwendige Kritik der Christen an den politischen Verhältnissen zu formulieren und zu organisieren, vertiefen die sich lieber in innerkirchliche Streitthemen und lenken von den unheilvollen Handlungen ihrer Parteien ab. Wie Politik besser sein könnte, davon steht auch einiges hier in meinem Blog. Eine strikte Trennung von Wirtschaft und Politik ist das Gebot der Stunde, damit das Gemeinwohl wieder eine Chance hat. Wann hört man davon etwas vom ZDK, wann von der Bischofskonferenz, wann vom Nachfolger im Bischofsamt von Kardinal Höffner, unserem Kardinal Meisner. Meine Utopie ist es, dass Politiker und Parteien keine Spenden mehr von Konzernen und Lobbyisten annehmen dürfen, dass die Spendenhöhe pro Person bergenzt wird und dass Politiker nicht in privaten Aufsichtsräten sitzen und dass wir eine Einbindung der Bürger in die Politik bekommen, wie in der Schweiz. Denn die Schweizer dürfen die Frage "Wie wollen wir morgen Leben?" immer wieder selber stellen und auch selber per Abstimmung beantworten. Unsere Diktatur auf Zeit, wo man zwar Stellung nehmen darf und frei seine Meinung sagen darf, aber faktisch keinen weiteren Einfluss nehmen kann, die muss endlich überwunden werden. Wo sind die katholischen Laien und ihre Verbände, wenn es um dieses Thema geht? Wo sind die Kopling- und KAB- Fahnen, etc. bei vielen Demonstrationen für eine bessere Zukunft oder für das ungeborene Leben? Das letztere kann man nur glaubwürdig vereteidigen, wenn man auch für eine bessere, zukunftsfähigere soziale Gesellschaft streitet. Es geht nicht um die Schaffung eines Paradieses auf Erden, es geht aber darum, dass wir den Weg zur Hölle auf Erden verlassen, auf dem wir uns akut befinden. Sozial heißt nicht, Geschenke verteilen, sondern jedem die Chance zu geben, entsprechend seinen Fähigkeiten etwas für unsere Geselleschaft zu leisten, wofür es dann, wenn es keinen Platz im Erwerbsleben gibt, eine Grundversorgung geben kann, welche eine Teilnahme am sozialen Leben erlaubt.
Papst Benedikt XVI und Josef Kardinal Höffner haben zur ökologischen und sozialen Politik viel gesagt und es wäre gut, wenn wir dass immer wieder in aktuelle Debatten bringen und als Christen vorme dabei stehen, wenn es um das prokopen (das harte Rudern für einen menschlichen Fortschritt) geht.

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