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Montag, 3. Oktober 2011

Zum Ausbau von Stromnetzen und Speichern - Zentral oder Dezentral?

[sfv-rundmail] 01.10.2011


1. Diskussionsentwurf zum Ausbau von Stromnetzen und Speichern
2. Zentral oder/und dezentral organisierte Energiewende?
3. Einspeisezähler ablesen

1. Diskussionsentwurf zum Ausbau von Stromnetzen und Speicher

Zusammenfassung:

Ein beschleunigter Zubau von Solar- und Windanlagen gefährdet die Netzstabilität nicht - es wird aber zunehmend dazu kommen, dass das Solar- und Windangebot gerade bei geeignetem Wetter nicht vollständig genutzt werden kann. Zur Vermeidung dieses Nachteils ist die allgemeine Verstärkung der Nieder-, Mittel- und Hochspannungsnetze nur die zweitbeste Lösung, da sie die gestellte Aufgabe nicht grundsätzlich lösen kann.
Erheblich besser wäre die Lösung, überall dort, wo Solaranlagen errichtet werden, oder auch in den Nachbarhäusern, dementsprechend dezentrale Tag-Nacht-Speicher mit einer intelligenten Steuerung einzubauen. Würde man damit gleich anfangen, könnte man erhebliche Mittel für den Netzausbau sparen und Energieverluste durch unnötige Abschaltung von Solaranlagen vermeiden.

Dezentral installierte wiederaufladbare Batterien mit intelligenter Steuerung können auch dann im Niederspannungsnetz aktiv werden, wenn gerade keine Sonne scheint, und können dort vollautomatisch Netzmanagementaufgaben übernehmen, z.B. Verminderung der Spitzenlast.

Netzausbau wäre bei Einführung der dezentralen Speicher nur noch dort notwendig die große Zahl noch zu errichtender Binnenland-Windanlagen an das Versorgungsnetz angeschlossen werden soll. Auch hier empfiehlt sich der Einsatz von dezentralen Stromspeicher in räumlicher Zuordnung zu den Windparks. Sie können das unstetige Angebot glätten und die Anforderung an die Übertragungskapazität der zu errichtenden Stromleitungen vermindern.

Planungen, die Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien mit einem europaweitem System aus Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragungs Leitungen, Offshore-Windparks an den Küsten, Solaren Großanlagen im Süden und Pumpspeicherkraftwerken in Norwegen sowie den Alpen zu verwirklichen, haben gegenüber dem Bau eines dezentralen Systems den gravierenden Nachteil, dass ihre Umsetzung zu langsam erfolgen würde.

Wenn Sie Interesse an den Begründungen haben oder sich an der Diskussion beteiligen wollen, lesen Sie weiter unter
http://www.sfv.de/artikel/ueber_den_ausbau_von_stromnetzen_und_speichern_.htm

2. Zentral oder/und dezentral organisierte Energiewende?

Ein Beitrag von Kurt Kress

Abgesehen von einigen futuristischen Ideen, wie etwa die Ernte von Sonnenenergie im Weltraum und ihr Transport zur Erde durch Strahlung, oder das leider immer noch viel Geld verschlingende ziemlich hoffnungslose Projekt eines Fusionsreaktors 1) gibt es für eine zukünftige Energieversorgung der Menschheit zwei wohl realistische aber grundsätzlich verschiedene Konzepte einer Energiewende.

Zur ersten gehören große Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee, riesige solarthermische Kraftwerke im Sonnengürtel der Erde, Pumpspeicherkraftwerke in Skandinavien und ein ganz Europa und Nordafrika überspannendes Höchstspannungsnetz. Das alles erlaubte den beteiligten Energiekonzernen, ihre zentralistisch organisierte Energieversorgung zu festigen, indem sie lediglich die Monopolisierung von Kohle und Kernenergie schrittweise ersetzen durch die Monopolisierung von Sonne und Wind. Voraussetzung hierzu ist ein aufwendiger und langwieriger Netzausbau.

Die zweite Version einer Energiewende ist der wahrscheinlich sehr viel schneller, billiger und vor allem demokratischer zu realisierende Ausbau einer dezentral organisierten Energieversorgung, bei der durch kleinere Anlagen Sonnen- und Windenergie dort geerntet werden, wo Strom und Wärme benötigt werden. Hier genügen kurze verlustarme Leitungen, meist Erdkabel. Das führte dann zu einer Entlastung überregionaler Netze.

Ein Nebeneinander beider Entwicklungen, wie es zum Beispiel Greenpeace für möglich hält2), kann man sich schwer vorstellen, denn jede Zunahme von sich selbst versorgenden Kommunen, Stadtwerken, Bürgerkraftwerken und Privatpersonen bedeutet für die großen Energiekonzerne ein Verlust an Kunden, also eine Abnahme an wirtschaftlicher Macht und Einfluss und eine Abnahme der Dividende ihrer Aktionäre.

Die erstgenannte, auf Großtechnik aufbauende Energiewende beeindruckt offenbar unsere Medien stärker als die weniger spektakuläre dezentral organisierte Version3). Als typisches Beispiel seien hier zwei Artikel der Frankfurter Rundschau vom 21.11.2011 Seite 4 genannt: „Siemens sieht großes Geschäft“ und „Von Norwegen lernen“. Als Überschrift der FR zu beiden Artikeln liest man folgende, nicht weiter belegte Behauptung:
„Energiewende – Der Abschied vom Atomstrom erfordert neue Speicher und Netze sowie Akzeptanz der Bürger“.

Im ersten Beitrag erklärt Michael Süß, der Chef des Siemens-Energiesektors, dass seine Firma mit Hochspannungsgleichstromleitungen (HGÜ) „durch ganz Europa das Rückgrat der Energiewende aufbauen“ will. Die Deutsche Energie-Agentur rechnet alleine für die Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee mit 3,4 Milliarden Euro für 1500 km Seekabel4). Weitere 3400 km Trassen über Land werden angeblich bis 2030 benötigt; geschätzte Kosten: 22 bis 29 Milliarden Euro. Europaweit wird der Stromtrassen-Bedarf vom europäischen Verband der Übertragungsnetzbetreiber Entso-E auf 42 000 km geschätzt. Kalkulierte Kosten: bis zu 750 Milliarden Euro.


Soweit die angeblich benötigten neuen Netze. Für die neuen Speicher schlägt Olav Hohmeyer, Mitglied des Sachverständigenrates für Umweltfragen, in dem FR-Interview die Mit-Nutzung der norwegischen Pumpspeicherkraftwerke vor. Diese könnten unseren überschüssigen Solar- und Windstrom aufnehmen. Die Kapazitäten dieser Pumpspeicher werden nicht erwähnt. Sie müssten ja zuerst einmal für die Norweger selbst reichen, die einen sehr hohen pro Kopf Strombedarf haben. Im Übrigen setzt, wie erwähnt, diese „Mit-Nutzung“ Bau und Unterhalt sehr aufwendiger Seekabel zwischen Deutschland und Norwegen 4) voraus. Weiter ist zu bedenken, dass durch die geplanten teuren Seekabel nicht nur Deutschland, sondern alle EU-Staaten überschüssigen Solar- und
Windstrom sowie vor allem ihren nachts nicht benötigten Grundlaststrom aus Kohle- und Atomkraftwerken in Norwegen speichern, um ihn dann - mit entsprechenden Leitungsverlusten – bei Bedarf als „reinen Ökostrom aus Wasserkraft“ zurückzuholen, ein für die Betreiber der Seekabel sicher lukratives Geschäft. Mit einer Energiewende hat das allerdings nichts zu tun!

Eine sozialverträglich organisierte, mit breiter Streuung von Eigentum verbundene Energiewende wird überschüssigen Solar- und Windstrom aus dezentralen Anlagen dort speichern, wo er geerntet wurde, also im einfachsten Fall den Solarstrom vom Dach in einer Batterie im Keller. Wozu entwickelten – und verbessern ständig – unsere Ingenieure kleine und mittelgroße Speicheranlagen für eine konsequent dezentral organisierte Energieversorgung? Wozu schaffen sie Programme für ein nachfrageorientiertes Netz-Management, für virtuelle oder Kombikraftwerke5)? Sicher nicht, damit unsere Regierung unsere Steuern für die oben genannten Mammutprojekte vergeudet.

Beispiele für die beachtlichen Erfolge und das Wachstum einer dezentralen Energieversorgung durch die in Deutschland geernteten erneuerbaren Energien findet man unter
http://www.sfv.de/artikel/europa_braucht_weder_atom-_noch_wuestenstrom.htm
und unter
http://www.sfv.de/artikel/europa_braucht_weder_atom-_noch_wuestenstrom.htm



Quellen:
1) Siehe z.B. Lücher (Hrsg.): Kernenergie und Kerntechnik; Vieweg, Braunschweig 1981, Seite 152 f
2) Greenpeace-Nachrichten 2/09, S. 8
3) Siehe z.B. FAZ vom 17.6.09: „Afrikas Sonne in deutschen Steckdosen“; FR vom 4.6.10: „Wüstenstrom für die ganze Welt“; DIE ZEIT vom 28.10.10: „Ein grünes Europa“; Spektrum der Wissenschaften, Sep. 09: „Strom aus der Wüste“; ....... .
4) Siehe bei Google unter „NorGer, das Seekabel zwischen Deutschland und Norwegen“
5) Siehe: www.kombikraftwerk.de


3. Einspeisezähler ablesen

Bitte denken Sie dqaran, Ihren Solarstromzähler abzulesen und das
Ergebnis online auf unserer Internetseite einzutragen unter
http://www.pv-ertraege.de/pvdaten/sfvpv_main_entry.html

Solarenergie-Förderverein Deutschland (SFV)
Frère-Roger-Str. 8-10 52062 Aachen Tel.: 0241-511616 Fax: 0241-535786 http://www.sfv.de

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