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Sonntag, 25. Januar 2015

"Kumpel für AUF": Die Ruhrkohle AG (RAG) wird von ihren Umweltverbrechen eingeholt!

Ingrid Dannenberg, Carl-Duisberg-Straße 8, 45772 Marl, Tel: 02365/44027

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir möchten Sie bitten, unsere Presseerklärung zu veröffentlichen.


"Kumpel für AUF" begrüßt es ausdrücklich, dass in den letzten Tagen die Problematik der Einlagerung von mehr als 10 000 Tonnen PCB Unter Tage durch die RAG AG in die öffentlich Diskussion kommt. Mit dem Bericht des „Spiegels“ wird diese Frage aktuell wieder ans Tageslicht geholt.



Damit wird die tickende ökologische Zeitbombe von hunderttausenden Tonnen Unter Tage eingelagertem Giftmüll noch verschärft, zu denen die verantwortungslos entsorgten Betriebsstoffe wie zum Beispiel PCB haltige Öle noch hinzukommen. Erwähnt sind noch gar nicht die mit Formaldehyd verseuchten Isoschäume, die auch flächendeckend eingesetzt wurden. Auch das später eingesetzte Ersatzöl ist wegen des hohen Chloranteils gefährlich.

Falsch ist allerdings die Behauptung von RAG Stiftungschef Werner Müller, dass „ .. bereits seit Jahrzehnten .. alle Messwerte .. unterhalb der Nachweisgrenze“ liegen. (1) Eine Verharmlosung ist es, wenn der Verantwortliche für Umwelt und Gesundheit bei der RAG, Joachim Löchte behauptet, dass bisher „keine besorgniserregenden“ Mengen PCB in den Gewässern festgestellt wurden. Bei PCB gibt es überhaupt keine unbedenklichen Mengen. Es reichert sich im Fettgewebe des Menschen an und wird nicht mehr abgebaut.

Tatsache ist, dass

 an der Saar laut Bericht des Spiegels Landesuntersuchungsämter in den Abwässern der RAG PCB fanden.(2) Ab 2004 wurde vor dem Fischfang in der Saar gewarnt. Dennoch behauptet Saarlands Umweltminister Reinhold Jost (SPD), dass von den Giftstoffen Unter Tage keine Gefahr ausginge.(3)

 durch die Grubenwassereinleitung des Bergwerkes West in Kamp-Lintfort im Jahr 2004 in dem Gewässer „Fossa Eugeniana“ bei Rheinberg wurden PCB Belastungen weit über den Grenzwerten verursacht: Es wurden 1600 μg/kg PCB statt der empfohlenen 20 μg/kg PCB gemessen.

 auf dem Bergwerk Hugo Consol in Gelsenkirchen wurden nach dem Brand im Juni 1996 rund 1000 Tonnen Brandrückstände noch nicht einmal nach dem sogenannten „Prinzip des vollständigen Einschluss“ zurückgelassen statt diese Rückstände ordnungsgemäß zu entsorgen. Insbesondere begrüßen wir, dass das Institut für Arbeits- und Sozialmedizin des Universitätsklinikum Aachen endlich ernsthaft Bergleute und ehemalige Bergleute auf Erkrankungen durch PCB untersuchte. Dabei wurden bei mehreren Bergleuten erhöhte Konzentrationen von PCB festgestellt. Darüber geht die RAG skrupellos hinweg.

Hauptproblem: Giftmüll unter dem Ruhrgebiet

Die Hauptproblematik der hundertausenden Tonnen Unter Tage eingelagertem Giftmüll wird in der gegenwärtigen Diskussion jedoch nur am Rande erwähnt. Darin sind enthalten Filterstäube und Flugaschen aus Müllverbrennungsanlagen und Giftmüll aus vielen anderen Quellen. Listen mit den darin enthaltenen Stoffen - unter anderem Blei, Cadmium, Arsen, Quecksilber, Dioxin um nur die schlimmsten zu nennen - liegen uns vor. Diese Stoffe entfalten untereinander eine Wechselwirkung und bedeuten eine umfassende Gefährdung des Grundwassers. Diese Giftmülleinlagerungen erreichten in der Amtszeit der damaligen „grünen“ NRW - Umweltministerin Bärbel Höhn (1995 bis 2005) ihren traurigen Höhepunkt – im Jahr 1996 wurde so viel Giftmüll Unter Tage eingelagert wie nie zuvor!

Landesregierung und RAG versuchen den Eindruck zu erwecken, dass das Zurückfahren der Wasserhaltung zunächst gestoppt und so eine Gefährdung des Grundwassers verhindert sei. Tatsache ist aber, dass bereits Fakten geschaffen werden oder wurden. Auf Consol wurde der Giftmüll in 1100 bis 1200 Meter Tiefe eingelagert, dort ist das Wasser durch Zurückfahren der Pumpen auf inzwischen Minus 990 Meter gestiegen. Am Niederrhein liegt der Giftmüll im Bereich des Binsheimer Feldes und im Bereich Walsumer Horst – Altfeld in über 800 Meter Tiefe. Durch das Zurückfahren der Wasserhaltung auf der ehemaligen Schachtanlage Walsum bis auf Minus 746 Meter liegen auch hier die Giftmüllmassen inzwischen im fließenden Wasser.

Viele Bergleute wurden dem PCB ausgesetzt, ohne dass ihnen gesagt wurde, worum es dabei geht. Viele haben selbst erlebt, wie die Schläuche des häufig in flüssiger Form durch Schläuche nach unter Tage gepumpten Giftmüll geplatzt sind und die Kumpel mit Gummistiefeln im giftigen Schlamm standen. Viele haben miterlebt, wie die Fässer mit PCB Hydraulikölen in den alten Mann geschoben wurden statt sie ordnungsgemäß zu entsorgen.

Viele Bergleute - auch Angestellte und Kollegen höherer Ebenen – wissen aber auch genau, mit welchen Repressalien sie zu rechnen haben, wenn sie die Wahrheit sagen! Das betrifft auch Bergbaurentner, deren Kinder oder Verwandte noch bei der RAG arbeiten. Das zeigt insbesondere das Beispiel des Bergmannes und Fördermaschinisten Christian Link aus Gelsenkirchen. Obwohl der Bergbauunternehmer Deilmann die Abmahnung für ihn inzwischen aus der Personalakte entfernen musste, weil ihm vor Gericht keine einzige Unwahrheit nachzuweisen war hält die RAG auf persönliche Anweisung von Personalvorstand Schrimpf hin das Anfahrverbot für ihn auf allen Anlagen der RAG aufrecht. Wir fordern: Schluss mit den Repressalien gegen den Kollegen Christian Link und Aufhebung dieses Anfahrverbotes!

Wir treten für eine restlose Aufklärung des Skandals um eingelagerten Giftmüll und PCB ein! Innerhalb der IGBCE ist eine innergewerkschaftliche Diskussion über den Giftmüll- und PCB Skandal nötig. Wir schlagen vor, dass unsere Gewerkschaft im Sinne unserer Kinder und Kindeskinder sofortig dringend notwendige Umweltschutzmaßnahmen fordert, wie den Stopp des Zurückfahrens der Wasserhaltung, das Ausbringen der belastenden Giftstoffe und dergleichen.

Wir sind der Ansicht, dass Bergleute, Bergbaurentner und (ehemalige) Beschäftigte von im Bergbau eingesetzten Fremdfirmen das Recht erhalten auf kostenlose medizinische Untersuchungen auf Belastungen durch Dioxine, PCB und andere unter Tage angefallene oder eingebrachte Stoffe. Dies soll durch unabhängige medizinische Einrichtungen außerhalb des arbeitsmedizinischen Dienstes der RAG erfolgen. Diese Untersuchungen muss die RAG bezahlen, auch diese Kosten fallen unter das Verursacherprinzip.

Dass die Verwendung von PCB Unter Tage ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Bergleute überhaupt aufgedeckt wurde ist das Verdienst der kämpferischen Bergarbeiterbewegung. Während Reiner Priggen (Fraktionschef der Grünen im Landtag NRW) im Tal der Ahnungslosen schwebt und behauptet: „Man wusste damals noch nicht, wie gefährlich das Zeug ist“(4) deckten bereits im Jahr 1984 Bergleute auf der Schachtanlage Niederberg in Neukirchen Vluyn den verantwortungslosen Einsatz von PCB haltigen Ölen auf. Einzig auf Grund des entschiedenen Protestes der Bergleute war die RAG gezwungen, zum 1.8.1984 auf der Schachtanlage Niederberg als erstem Bergwerk der RAG die PCB haltigen Öle abzuschaffen.
Die Landesregierung NRW will uns mit einem Gutachten auf den Sankt Nimmerleinstag vertrösten und hofft, dass bis dahin Gras über die Sache gewachsen ist. Die Bergarbeiterbewegung dagegen wird weiter vorne dran sein bei der Aufdeckung und Bekämpfung der akuten Gefährdung der Lebensgrundlagen der Bevölkerung durch die RAG.

Gerne vermitteln wir auch den Kontakt zu Bergleuten, die als Betroffene, Zeitzeugen für ein Interview sich bereit erklären.

Herzliches Glück Auf im Namen von Kumpel für AUF
Ingrid Dannenberg

1 WAZ 17.1.2015
2 Spiegel 3/2015
3 Die Welt 13.1.2015
4 Rheinische Post 12.1.2015

Fragen an Abgeordnete des Landtages? Mit wenigen Klicks können Sie hier alle MdL erreichen: http://www.abgeordnetenwatch.de/reiner_priggen-928-49879.html

Fragen an MdB: http://www.abgeordnetenwatch.de/baerbel_hoehn-778-78202.html

PCB: http://de.wikipedia.org/wiki/Polychlorierte_Biphenyle

Siehe auch: http://viertuerme.blogspot.de/2013/11/eine-giftmullbombe-unter-dem-ruhrgebiet.html

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