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Donnerstag, 29. Dezember 2011

Offener Brief an Politiker der Region Stuttgart

Offener Brief an Politiker der Region Stuttgart
Felix Staratschek, Freiligrathstr. 2, 42477 Radevormwald
 Sehr geehrte Damen und Herren!
Beim Referendum Ende November hat sich eine Mehrheit gegen das Gesetz zur Kündigung der Landesbeteiligung beim Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs zu Stuttgart 21 ergeben.
Warum die Leute so gestimmt haben, darüber kann ich nichts sagen, ob es Zustimmung war oder ob es die Sorge war, dass die Bahn sowieso baut, da diese Baurecht hat. Infofern war diese Bürgerbeteiligung deutlich zu spät. Und ich habe die Diskussion zum Entscheid nur am Rande verfolgen können.
Wenn ich mich an Sie Wende, hat dies ausschließlich verkehrspolitische Gründe.
Von den anderen Streithemen in Stuttgart habe ich keine Ahnung und kann mich dazu nicht äußern. Schon heute gibt es einige Engpässe im Netz der DB, die den Fahrplan der ICE und IC wesentlich mitbestimmen. Die Fahrplanlagen der Züge werden also nicht von der optimalen Vernetzung der Züge und den Wünschen der Fahrgäste bestimmt, sondern von Unzulänglichkeiten im bestehenden Netz. Eingleisige Streckenabschnitte und ebenirdige Gleiskreuzungen bestimmen schon heute den Fahrplan der DB wesentlich mit und verhindern Optimierungen zugunsten der Fahrgäste und Zugumläufe oder sind verhängnisvoll bei Verspätungen. Und es besteht die Gefahr, dass mit Stuttgart 21 weitere solcher schädlichen Fesseln geschaffen werden. Wenn ich von Gefahr schreibe, heißt dass aber auch, dass dies noch abgewendet werden kann. Meines Wissens hat der Stresstest nur das geprüft, was die Bahn vorgegeben hat und nicht einen Fahrplan, den eine echte Verkehrswende hin zur Eisenbahn erfordern würde!
Zunächst einmal will ich ihnen die Chance geben, die Kritik von Bahnbefürwortern an Stuttgart 21 kennen in Videoform zu lernen. Die können Sie auch bei anderen Tätigkeiten anhören, damit es keine Zeit kostet: http://viertuerme.blogspot.com/2011/12/pro-bahn-vertreter-zu-stuttgart-21.html . Vertreter vom Fahrgastverband Pro Bahn e.V. sagen, warum diese Stuttgart 21 kritisieren. Aber Pro Bahn hat schon immer einen Lösungsvorschlag geboten: Einen kleineren Tunnel bei Erhalt des Kopfbahnhofs. Pro Bahn hat schon seit langen die Gleispläne von Stuttgart 21 untersucht und zahlreiche Mängel in der Gleisplanung festgestellt, die die Möglichkeiten zur Fahrplangestaltung wesentlich einschränken. Zum Lesen gibt es hier weitere Hintergrundinfos: http://www.der-fahrgast.de/Archiv/2011/2011.html
Aber diese Freiräume können geschaffen werden, indem man den Tunnelbahnhof von Zugfahrten entlastet. Was liegt also näher, den Kopfbahnhof einfach zu behalten? Das dessen Fläche der Stadt Stuttgart gehört schließt doch nicht aus, dass die Gleise liegen bleiben. Schließlich würde Stuttgart und die ganze Bundesrepublik von diesem Kopfbahnhof profitieren, mehr als von einem weiteren Stadtviertel. Und wenn Stuttgart die Fläche des Kopfbahnhofs in Wert setzen will, wäre über den Gleisen ein Solarkraftwerk denkbar, dass auch den Zügen Schatten spendet. Und das kann schon heute errichtet werden.
Künftig steht eine Wende der Verkehrspolitik bevor. Es muss wesentlich mehr Verkehr, als bisher, auf die Schiene verlagert werden. Und wenn ich mir heute den ÖPNV anschaue, ist der im Berufsverkehr schon oft an der Belastungsgrenze angekommen! Nur zusätzliche Zugleistungen können das zu erwartende Mehraufkommen auf der Schiene bewältigen, wenn weniger Leute per PKW unterwegs sein sollen. Wenn Stuttgart 21 nur den aktuellen Zugverkehr und ein vergleichsweises bescheidenes Verkehrswachstum verkraften kann, reicht das nicht, langfristig die Mobilität für alle im Ballungsraum Stuttgart zu sichern. Beim Kopfbahnhof könnte durch einen Umbau und eine Neuordnung der Bahnsteige (Wegfall der alten Gepäckbahnsteige) im Prinzip sogar eine deutliche Kapazitätsausweitung geben. Auch der Zulauf der Züge kann verbessert werden. Dies muss nicht in den nächsten Jahren geschehen, aber das ist ein Potential dass zusammen mit Stuttgart 21 wesentlich mehr Bahnverkehr nach Stuttgart ermöglicht. http://viertuerme.blogspot.com/2011/12/stuttgart-21-volksentscheid-und-nun.html Der Tunnel kann nicht breiter werden, weil die Baugrube schon ihre maximal mögliche Ausdehnung hat. Aber eine Reduktion der Gleise im Tunnel von 8 auf 6 oder 4 würde breitere Bahnsteige ermöglichen und mehr Zufahrten für die Feuerwehr und breitere Treppen. Bei einer Brandkatastrophe steigt ja Rauch nach oben und blockiert die Fluchtwege üpber die Treppen. Bei einem kleineren Tunnelbahnhof können an beiden Bahnsteigenden Überwege über die Gleise führen, über die Fluchtrampen nach draußen erreicht werden. Für einen ICE- Verkehr Mannheim- München im 20 Minutentakt würden 4 Gleise reichen. Dann ist noch immer Platz für einige RE- Linien.
Was erlaubt ein Fortbestand des Kopfbahnhofs:
--Mehr Züge nach Stuttgart, der Nahverkehr kann enorm ausgebaut werden.
--Züge der Wieslauftalbahn, der Korntalbahn und der Schönbuchbahn (letztere mit neuen Haltestellen über die Gäubahn) können alle in Stuttgart Hauptbahnhof beginnen oder enden.
--Züge können schön länger vor der Abfahrt für Pendler und Fahrgäste bereitsgestellt werden. Das lange stehen auf Bahnsteigen kann so reduziert werden. Das gilt auch für Fernzüge, die in Stuttgart beginnen. Auch Fernzüge, die in Stuttgart enden, können weiterhin den Kopfbahnhof nutzen.
--Der Kopfbahnhof muss nicht so intensiv genutzt werden, er da dieser Reserven haben muss, falls im S- Bahn oder S 21- Tunnel Störungen auftauchen. Da ja mit Stuttgart 21 Stuttgart nach der S- Bahn einen zweiten Tunnelbahnhof erhält, dürften sich auch die Anlässe vermehren, wo der Kopfbahnhof Störfälle abfedern muss!
--Der Kopfbahnhof lässt weiter Dieselzüge nach Stuttgart zu sowie den Einsatz historischer Fahrzeuge.
--Sollte eine Verkleinerung des Kopfbahnhof möglich sein, könnte Stuttgart auf den nicht mehr benötigten Gleisen Europas größtes Eisenbahnmuseum schaffen.
--Tunnelbahnhöfe haben oft eine schlechte Luftqualität. Die meisten U- Bahnen stinken nach so was ähnlichen wie Holzschutzmitteln und schwere Gase sacken in die Schächte. Ich bin daher für jeden Zug dankbar, auf den ich nicht in einem Tunnel warten muss.
Eine Kombinationen aus Kopfbahnhof oder oberirdischen Bahnhof und Tunnelbahnhof gibt es an vielen Orten. In Frankfurt und München fährt die S- Bahn im Tunnel (allerdings ohne die vielen Abzweige, die Stuttgart 21 kennzeichnen und mit einem Kopfbahnhof für Notfälle), in vielen Großstädten (Köln, Bonn, Essen, Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Bochum.....) die U- Bahn. Und auf der Ebene zwischen Eisenbahn und Tunnelbahn verkehren oft noch Busse und Straßenbahnen. Alleine deshalb habe ich Heiner Geislers Schlichterspruch nie verstanden, dass sich Stuttgart 21 und K 21 ausschließen. Schon im Oktober 2010 habe ich in der Bahnzeitung www.zughalt.de für eine Kombination von Kopfbahnhof und Tunnelbahnhof geworben und habe meine Ansicht Heiner Geisler unmittelbar nach dem Schlichterspruch mitgeteilt. Geisler hat dazu gelernt! Kapazitätsengpässe, Verspätungen und fatale Folgen von Betriebsstörungen können verhindert werden, wenn Stuttgart begreift, wie wertvoll der Kopfbahnhof ist.
Die Schweizer bauen ja auch einen Tunnelbahnhof, nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung des Kopfbahnhofs, weil letzterer den Verkehr nicht bewältigt, den die Schweizer auf die Schiene bringen. Das zeigt aber auch, dass Deutschland in der Eisenbahnpolitik noch ein Entwicklungsland ist, dass seine Potentiale auf der Schiene nicht nutzt. Ein Verzicht auf den Kopfbahnhof würde für die ganze Region große Entwicklungspotentiale zerstören, die durch ein paar neue Gebäude auf dem Gleisfeld nie ausgeglichen werden können. Und wenn bundesweit Stuttgart berühmt wird, weil man Verspätungen - auch die von Anschlusszügen der Stuttgarter Züge - daher rühren, dass sich im Tunnel die Züge stauen oder verspätete Züge noch mehr Verspätung bekommen, weil anders das komplizierte von Engstellen bestimmte Fahrplankonzept von Stuttgart 21 aus den Fugen bricht, dann ist das beistimmt keine Werbung für den Großraum Stuttgart.
Ich denke, künftig müssen die ICE im heutigen S- Bahntakt fahren, um die heutigen Autobahnen zu leeren und die S- Bahnen und Regionalexpresslinien müssen mindestens doppelt so häufig fahren. Das wird mit Stuttgart 21 und mit dem heutigen Kopfbahnhof nicht gehen. Aber beides zusammen könnte Stuttgart zur Modellregion für eine zukunftsfähige Verkehrspolitik machen. Der Peakoil ( www.peakoil.de ) wird die Politik zu einer Schiene- Vorrang- Politik zwingen. Und die Städte der Transition- Town- Bewegung bereiten sich schon auf diese vor http://de.wikipedia.org/wiki/Transition_Towns . Der Großraum Stuttgart sollte mit dabei sein. Der Kopfbahnhof würde dabei helfen, ein paar zusätzliche Gebäude aber nicht.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf eine Sache hinweisen, die ich nicht verstehe:
Warum ist Stuttgart Vaihingen kein RE- Halt? Dort könnten Fahrgäste aus Gäubahn (Bodenseeregion, Schwarzwald) in die Straßenbahn und in die S- Bahnen zur Innenstadt und zum Flughafen umsteigen. Das würde viele Reisezeiten schon heute deutlich verkürzen. Oder wurde darauf verzichtet, um mehr Argumente für Stuttgart 21 zu haben? Aber auch bei Stuttgart 21 wäre dieser Umbau von Stuttgart Vaihingen sinnvoll, sofern bei einem Fortbestand des Kopfbahnhofes die bis zum Hauptbahnhof verlängerte Schönbuchbahn hier halten würde. Außerdem könnten u.as. alle Züge der Gäubahn, die in Stuttgart enden, zum Kopfbahnhof fahren und hier halten.
Im Referendum ging es nur darum, ob Stuttgart 21 mit Landesgeldern weiter gebaut werden soll. Das wurde vom Volk befürwortet. Alles andere ist aber nicht Thema des Entscheids gewesen. Und so denke ich, sollten Sie so lernfähig sein, wie Heiner Geisler und in den politischen Plänen den Tunnelbahnhof um Kopfbahnhofgleise erweitern. Veränderungen am Kopfbahnhof sind Dinge, die nach Vollendung des Tunnelbahnhofs anstehen. Deren Finanzierung kann daher auch künftigen Haushalten und Verkehrswegeplänen zugeordnet werden. Aber die Vorplanung dafür, die muss jetzt beginnen. Da es eh Interessenten gibt, die den Kopfbahnhof weiter betreiben wollen und da die Anbieter von Nahverkehr günstige Trassenpreise im Kopfbahnhof den Preisen für die Tunnelnutzung vorziehen werden (einige RE- Linien ausgenommen, wo die Vorteile eines besseren Umlauf das ausgleichen), sollte es die Politik akzeptieren, dass der Kopfbahnhof Realität bleibt und diesen planerisch in die Zukunft der Region einbinden. Angesichts der dadurch möglichen stabilen Fahrpläne und der leichter zu verkraftenden Verspätungen dürften ihnen die Fahrgäste in ganz Deutschland und die Pendler im Großraum Stuttgart dankbar sein, wenn sie in Stuttgart Kapazitäten auf der Schiene erhalten.
Achten Sie vor allem darauf, dass die DB den Kopfbahnhof nicht auf Verschleiß nutzt und so schon vor der Eröffnung des Tunnelbahnhofs unnötige Verschlechterungen eintreten. Wenn die Politik den Erhalt des Kopfbahnhofs fordert, wird das auch bei der Bahn dazu führen, dass die weiter Anbieter der Gleistrassen am Hauptbahnhof bleiben wollen und den Kopfbahnhof nicht vernachlässigen.
Mit bestem Gruß, Felix Staratschek


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Eine bessere Güter- und Personenbahn ist machbar:
Kreislaufwirtschaft/ Kryo Recycling
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