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Sonntag, 19. Januar 2014

Bischof Edward Kussala über die Lage im Südsudan und Europa

Auszug aus einem Interview mit Bischof Edward Kussala aus dem Südsudan in der Zeitung "Die Tagespost" vom 9.1.14 (Hervorhebungen im text durch den Voertürmeblogger): 

Der Südsudan ist ein junger Staat mit vielfältigen internen Problemen. Was sehen sie als Haupthindernis für den Fortschritt?:

Zum einen, dass unsere Führung vor allem aus ehemaligen Rebellen besteht, die von einer zivilen Regierung recht wenig Ahnung haben.

Ein weiteres Problem ist der übermäßige Druck der internationalen Gemeinschaft. Sie hat ihre Agenda und weiß genau was sie will. Und diesen Willen bringt sie in den Südsudan, sie will uns dazu verpflichten, genau ihren Anweisungen zu folgen


Das hat zur Folge, dass unsere Regierung von einem Thema zum nächsten gehetzt wird und keine Zeit dafür hat, über den Sinn der Vorschläge überhaupt nachzudenken. Das stört den Aufbau des Landes sehr.

In welchen Bereichen?

Zum Beispiel hat es die Regierung unseres Bundesstaates abgelehnt, Dünger aus den USA zu importieren. Unser Land ist sehr fruchtbar und wir befürchten, dass die Chemikalien den Boden schaden können. Außerdem wären unsere Bauern dann von teuren Importen abhängig geworden, um regional wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Das Problem lag außerdem nicht in der fehlenden Fruchtbarkeit des Bodens, sondern daran, dass die katastrophale Sicherheitslage die Bauern vom bestellen ihrer Felder abgehalten hat. 

Statt auf unsere Argumente einzugehen, haben die westlichen Entwicklungshilfeorganisationen wütend auf unsere Ablehnung reagiert und gedroht, die Fördermittel zu streichen. Dieser Druck nutzt uns nichts, nur der amerikanischen Wirtschaft. 

Ein weiteres Beispiel für die Einmischung ist, dass sich die internationalen Unternehmen einfach Land nehmen, um es zu bebauen - ohne das mit den Menschen vor Ort abzusprechen. 

Ähnliches geschieht in der Erdölförderung: Die Unternehmen kommen und nehmen sich das Öl und lassen ihre giftigen Abfälle zurück. 

Die internationale Gemeinschaft hat keinen Respekt vor uns. 

Das zeigt sich auch, dass sie uns ihre Vorstellung von Familie aufzwingen will und uns Hilfsgelder streicht, wenn wir nachhaltige Projekte zur Gesundheits- und Familienplanung vorziehen, anstatt kurzsichtiger Aktionen. 

Zum Beispiel: Wieso wird es nicht kritisch hinterfragt, dass alleine Kondome unsere Probleme lösen sollen? Kondome müssen importiert werden, ethisch richtiges Verhalten kostet nichts. 

Warum also werden wir in allen Bereichen in die Abhängigkeit gedraängt? 

Die Neuevangelisierung liegt ihnen sehr am Herzen. Haben Sie Tipps für uns in Europa, wie wir den Glauben wieder besser erneuern können?

Dafür sind, denke ich, drei Dinge wichtig:

Zunächst einmal muss sich die Kirche in Deutschland überhaupt einmal darüber klar werden, dass sie ein echtes Problem hat. Natürlich erkennt man den Glaubensschwund und redet immer wieder darüber. Aber man müsste, wie Papst Benedikt XVI es ausgedrückt hat, zur "Seele Europas" zurück finden.

Was hat Europa denn überhaupt aufgebaut und groß gemacht?

Zu Zeiten des heiligen Benedikt kam von den Klöstern noch Entwicklung, ein Vorwärtsdrang. Deshalb nennen wir ja Benedikt auch "Patron Europas": Weil die Kirche etwas hatte, dass die Menschen nach dem Krieg brauchten, dass dem Frieden und der Einheit diente. 

Nach jedem Krieg ist es ein guter Rat, zu seinen Wurzeln zurück zu kehren. Und diese Wurzel ist der Glaube. Das widerspricht jedem "künstlich" konstruierten Ansatz von Menschenrechten. 

Heutzutage wird alles Mögliche zum "Menschenrecht" erklärt, alles ist "richtig". Diese Entwicklung sehen wir in Afrika sehr kritisch und sie macht uns Sorgen. Das Naturrecht muss beachtet und respektiert werden. 

Zum anderen müssen wir unsere Tradition und Kultur hochhalten. Wir dürfen nicht der Machbarkeit und der Technologie folgen und dabei die Familie verlieren. Die Technologie muss dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. 

Wir müssen die Familien wieder stärken. Alle Bestrebungen, die Bedeutung der Familie zu schmälern sind falsch. Wenn wir "Familie" nur noch als "Zweckgemeinschaft" definieren und "Ehe" als "Lebensvertrag", verfehlen wir das Ziel und verraten unser kulturelles Erbe. Wir sind dazu geschaffen, zuammenzuleben, zu interagieren. Deshalb können wir sprechen, lieben, denken und planen. Der Mensch ist ein soziales Wesen, darum braucht er die Familie. Die Familie ist der Schlüssel zur Neuevangelisierung. 

Inwiefern?

In der Familie wird alles grundgelegt, die Fähigkeit zur Liebe, zur Freundschaft und zur Fürsorge - nicht nur für die Familie selbst, sondern auch für die Menschen außerhalb der Familie. Erst lange nach dieser ersten menschlichen Bildung in der Familie kommt die Prägung durch die Schule und den Arbeitsplatz. Wenn Europa überleben will, muss es zur Familie zurück finden. Die Menschen denken darüber nicht genug nach. Wir Akrikaner haben nicht viel, wir sind arm, aber wir haben unsere Tradition. Wir haben unsere Familien. ....

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