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Montag, 14. Juli 2014

Remscheid ohne Eisenbahn - Wovor Eisenbahnfreunde immer gewarnt haben, ist nun eingetroffen

Ein Rückblick und eine Zustandsbeschreibung von Felix Staratschek

Remscheid ist eine Industriestadt und war zusätzlich einmal eine Eisenbahnstadt. Wenn man früher mit dem Bus oder PKW über die B 229 fuhr oder mit dem Zug unterwegs war, war am Güterbahnhof Remscheid Hauptbahnhof und dem benachbarten Güterbahnhof Ost immer etwas los. 

In Remscheid Lennep war ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, von wo die zweigleisigen Hauptstrecken nach Wuppertal, Opladen und Solingen ausgingen und die Zweigstrecken nach Krebsöge und Gummersbach befahren wurden. 

Neben den Ladestellen mit Güterabfertigung in Güldenwerth, Remscheid Hauptbahnhof, Lennep, Lüttringhausen und Bergisch Born (seit wann Hasten und Vieringhausen nicht mehr besetzt sind, entzieht sich meiner Kenntnis), gab es zahlreiche direkte Gleisanschlüsse (z.B.: Barmag, Wülfing, Ziegelei) . Immerhin sind es die Gleisanschlüsse in Lüttringhausen (Dirostahl und Schrotthändler) und Güldenwerth (Mannesmann), die neben Bliedinghausen (Vaillant) den heutigen Rest- Güterverkehr noch am Leben erhalten. Obwohl schon 1922  für den Personenverkehr stillgelegt, blieb die Bahnstrecke nach Remscheid Hasten noch bis 1988 im Güterverkehr betrieben. Wer mit offenen Augen den heutigen Radweg befährt, kann noch manchen Gleisanschluss erkennen, zum Teil liegen die Schienen sogar noch. 

Heute gibt es in Remscheid nur noch die Bliedinghauser Zweigstrecke, die immer nur dem Güterverkehr diente. Zu deren Erhalt hat der engagierte Remscheider Klaus Kowakowski beigetragen, der für die Transporte der Firma Vaillant zuständig war und damals der Güterbahn in der Transportkette einen hohen Stellenwert einräumte. Diese Zweigsterecke hat auch als Folge seiner Transportentscheidungen bis heute als beinahe letzte in der Region überlebt. (Einzig die Wiehltalbahn konnte bisher von einem Verein vor ihrem Umbau in einen Fahrradweg bewahrt werden und die Volme Agger- Bahn wird wohl als einzige Strecke der Region reaktiviert.)


Raritäten aus einer Zeit, als es selbst in kleinsten Bahnhöfen Fahrkartenverkauf durch Menschen gab. 


Lange Zeit war das tiefe Tal der Wupper ein großes Verkehrshindernis. Während 1862 die Eisenbahn von Wuppertal kommend die Remscheider Höhe erreichte, ging es 1872 weiter über Bergisch Born Richtung Opladen und Köln. Erst 1897 wurde die danach  für Remscheid wichtigste Bahnstrecke über die Müngstener Brücke eröffnet. Bis dahin war die Stadt Remscheid nur durch eine Stichstrecke erschlossen. 

Am Bahnknoten der Kreistadt Lennep gab es zwei Bahnbetriebswerke mit Ringlokschuppen und Drehscheibe und Richtung Lüttringhausen ein Ausbesserungswerk für Bahnwaggons. Ein großer Rangierbahnhof zeugte noch lange davon, dass hier die Güterwagen für viele Fahrtziele umsortiert wurden. 


Kilometer 13 am Bahnhof Remscheid Lennep
 mit den seit Dezember 2013 eingesetzten Abellio- Triebwagen


Der Niedergang der Eisenbahn

Der kommunale und regionale öffentliche Busverkehr und die DB- eigenen Bahnbusse begannen bald in Konkurrenz zur Schiene zu treten. Es gab keinen Verkehrsverbund. Entweder hatte man eine Fahrkarte für die Eisenbahn oder eine für Bus und Remscheider Straßenbahn oder man musste beides haben.  Da die Strecke nach Hasten nicht den Verkehr zur Innenstadt abdeckte, lohnte sich hier bereits für die Reichsbahn der Personenzugverkehr im Jahr 1922 nicht mehr. 


Schienenbusse, hier ein als Jugendraum genutztes Exemplar in Bad Windsheim, bestimmten bis Ende der 70 Jahre neben wenigen echten Zügen den Nahverkehr von Lennep nach Opladen und Gummersbach. Als deren Betrieb in der Bundesbahndirektion Köln aufgegeben wurde, gab es keinen Ersatz, so dass statt preiswerter Triebwagen teure Züge das Defizit der Zweigstrecken erhöhten.

1956 folgte die Stilllegung Krebsöger Blitz. Die Textilarbeiter von Wülfing, Hardt und Pocorny sowie Schürmann und Schröder  konnten mit den Stadtwerkebussen mit nur einer Fahrkarte aus ganz Remscheid besser in die Wupperorte von Radevormwald kommen. Inwieweit die Bahnlinie dem Ausbau der B 229 im Wege war und das die Stilllegung beschleunigte, entzieht sich meiner Kenntnis. 

Und der Weg nach von Remscheid nach Radevormwald war per Eisenbahn umständlich, weil man in Krebsöge umsteigen musste und dann einen Umweg fahren musste. Hinzu kommt, dass auf diesem landschaftlich sehr reizvollen Umweg eine sehr niedrige Geschwindigkeit gefahren wurde, noch in den 80er Jahren standen die Emaileschilder an der Strecke, die 20 km/h vorgaben. Aber trotzdem konnten es die Züge Radevormwald - Wuppertal mit einer Fahrzeit nach Oberbarmen mit den Bussen aufnehmen: Ca. 46 Minuten war der Zug auf dieser sehr langsam zu befahrenen Strecke unterwegs, 44 Minuten braucht heute ein Bus auf der gut ausgebauten Straße.. 


Fahrkarten  von Wermelskirchen von 1982: Mit dem Zug kostet die Fahrt bis zu den Remscheider Bahnhöfen kostet 3 DM. 1987, da liegen mir die Zahlen vor,  kostete es mit dem VRR zu jedem Ziel in Remscheid 3 DM. Aber 5 Jahre vorher dürfte der VRR- Fahrpreis niedriger gewesen sein, so dass die Eisenbahn gegen den VRR- Bus keine Chance hatte.  

Ein Schicksalsjahr war 1975. In diesem Jahr wurde in der Bahndirektion Köln an Wochenenden die Betriebsruhe auf vielen Zweigstrecken, darunter den Strecken von Lennep nach Opladen und Marienheide ab den samstäglichen Mittagsstunden eingeführt. 1982 sollte schließlich die Balkanstrecke stillgelegt werden, was jedoch aufgrund von Protesten sehr kurzfristig noch mal für ein Jahr verschoben wurde. Seit Anfang 1980 gab es den Verkehrsverbund Rhein Ruhr (VRR) und dessen Tarif galt bis in die 90er Jahre auch in den Bussen der Stadtwerke Remscheid von Wermelskirchen zum Remscheider Hauptbahnhof oder über Bergisch Born nach Lennep. Wer einmal im Bus saß konnte mit dieser Fahrkarte zu jedem Ziel in Remscheid oder Wuppertal weiter fahren. Aber auf der Schiene galt der Verbundtarif nur zwischen Bergisch Born und Lennep. Wer mit dem Zug ab Wermelskirchen fahren wollte, musste für die Weiterfahrt mit den Bussen oder in Wuppertal der Straßen- und Schwebebahn eine weitere Fahrkarte kaufen. Die Folge war, dass die Wermelskirchener, die per ÖPNV nach Remscheid und Wuppertal pendeln wollten, sich entweder eine Fahrkarte kaufen mussten, die nur für die Bundesbahn galt oder sie durften, wenn diese in Wuppertal mit den Stadtwerken weiter fahren oder schweben wollten, mit der VRR- Fahrkarte zwischen Wermelskirchen und Remscheid nur den Bus nehmen. Das gleiche galt für alle Ziele innerhalb Remscheids. Mit einer Busfahrkarte konnte man überall hin fahren, mit der Bahnfahrkarte nur nach Lennep, Lüttringhausen und Güldenwerth bis zum Bahnhof. Da ist es kein Wunder, wenn die Fahrgäste auf der Balkanstrecke ausblieben. 

Die Verschiebung der Stilllegung im Jahr 1982 war auch so kurzfristig, dass sich viele, die der Bahn noch die Treue gehalten hatten, schon um Busfahrkarten gekümmert hatten oder zum Auto gewechselt waren, nicht mehr zur Rückkehr zur Schiene zu bewegen waren. Im Kursbuch war die Strecke bereits als stillgelegt gedruckt und eine Internetfahrplanauskunft, die heute schon mehrere Wochen im voraus kurzfristige zeitweilige Fahrplanänderungen ausdruckt, war damals jenseits aller Vorstellungskraft. Zwar wurden auch Fahrpläne für die Strecke nachgedruckt, aber die sollen zum Teil gar nicht unter das Volk gebracht worden sein und wurden noch im Bündel im Altpapier gefunden. Hinzu kommt, dass das Fahrtenangebot verschlechtert wurde, so dass 1983 die Fahrgastzahlen soweit eingebrochen waren, dass die Bundesbahndirektion Köln, der die Stilllegungen nicht schnell genug gehen konnte, sich endlich von der Balkanstrecke trennen konnte. 

Einen echten Ersatz für die Balkanstrecke gibt es nicht, da der durchgehende Zug durch 3 Buslinien für je eine Teilstrecke ersetzt wurde: Lennep  - Wermelskirchen, dann das Teilstück der Linie 260 Wermelskirchen - Hilgen und dann die Buslinie Hilgen - Opladen. Welches Potential diese Strecke hat und dass diese Stilllegung ein großer Fehler ist, zeigt neben der vollen Autobahn die gegen den Willen der Bundesbahndirektion Köln gerettete Regiobahn Mettmann - Düsseldorf - Kaarst.   


Diese Fahrkarten wurden im Zug verkauft.

1985 wurde die Zugverbindung nach Gummersbach in Wipperfürth gekappt und 1986 der Restverkehr Lennep - Wipperfürth eingestellt. Dieser bestand zum Schluss überwiegend aus dem Transport von Schülern zwischen Hückeswagen und Wipperfürth. Pünktlich zur Eröffnung des Verkehrsverbundes Rhein Sieg (VRS) waren bis auf die Strecke Marienheide - Köln alle Zweigstrecken im Bergischen Land stillgelegt. Bis zur Gründung des VRS gab es einen harten Wettbewerb zwischen Bus und Bahn. 


Foto
Moderner Nahverkehr der DB in Bad Windheim an der ländlichen Strecke Steinach - Neustadt. So könnte es heute auch auf den von Lennep ausgehenden Bahntrassen aussehen, wenn wir die richtige Verkehrspolitik hätten..

In Wipperfürth waren Busse und Bahn gar nicht vernetzt, so dass man am Bahnhof nicht zwischen dem ÖPNV auf der Straße und der Schiene umsteigen konnte. Denn in Wipperfürth gehen einige Buslinien ins Umland, die ideale Zubringer zur Schiene sein könnten, aber weit weg vom Bahnhof endeten. Die Busfahrpreise waren meist leicht günstiger, als die Fahrkarten der Bahn, so dass preisbewusste Fahrgäste und Menschen mit geringen Einkommen den Zug mieden. Und zwischen den Busunternehmen gab es schon eine Tarifgemeinschaft, mit der man z.B. von Lindlar nach Hückeswagen fahren konnte, nicht aber zwischen Bus und Bahn. Lediglich bei den Zeitkarten gab es Fahrkarten die sowohl im parallel zur Schiene fahrenden Bahnbus, als auch auf der Schiene galten, aber dafür dann nicht in Bussen anderer Unternehmen. Das dies kein optimaler Zustand ist, wurde bei der Bundesbahndirektion Wuppertal bereits Ende der 60er Jahre erkannt, aber das hatte nie Folgen.


Es gibt ihn noch, den Bahnbus, wie hier im Frühjahr 2014 der DB- Westfalenbus nach Lüdenscheid in Radevormwald,  aber der Bahntarif gilt dort nicht mehr. 

Auch mit reinen Bahnfahrkarten konnte man den Bahnbus nutzen, aber die musste man sich am Bahnhof oder in einem DER- Reisebüro holen. Sparausweise der Bahn für den Nachwuchs kindereicher Familien (ab 3 Kindern) oder Senioren wurden jedoch nicht auf den Bustarif angewendet. Wer so einen Ausweis hatte, musste sich eine echte Bahnfahrkarte besorgen und konnte dann sogar preiswerter fahren, als mit einer beim Busfahrer gekauften Fahrkarte. Auch für Fahrten im VRR galten die Sparausweise der Bundesbahn nicht. Hier mussten auch Jugendliche ab 14 Jahre den vollen Preis zahlen, obwohl die noch zur Schule gehen und kein Einkommen haben. Allerdings gab es einen Trick. Wer nach Remscheid wollte und nur auf der Schiene fuhr, konnte sich eine Fahrkarte nach (Hückeswagen-) Winterhagen kaufen. Das war der erste Bahnhof außerhalb des VRR Richtung Hückeswagen. Und dahin gab es DB-Fahrkarten zum halben Preis, wenn man die Berechtigung dafür hatte. Mit Gründung des VRS anfang 1987 wurden alle Bahnbusse der RVK aus dem Bahntarif genommen, womit diese Sparmöglichkeit endgültig vorbei war. Obwohl erst 1995 die Bundesbahn ihren Bahnbus RVK an  eine Gruppe regionaler Busunternehmen verkaufte, waren nun Orte, wie Hückeswagen, Wipperfürth, Marienheide und Wermelskirchen (aber auch Wiehl und Waldbröl) nicht mehr im Tarifsystem der Bahn enthalten. Das Versprechen, dass bei einer Stilllegung einer Bahnlinie die Orte weiterhin von allen europäischen Bahnhöfen aus per durchgehender Fahrkarte erreicht werden können, wurde gebrochen. Verschlechtert haben sich auch die Fahrzeiten. Der veraltete Zug schaffte die Strecke Gummersbach - Lennep in 60 Minuten, heute ist der Bus länger als 80 oder gar 90 Minuten unterwegs, bei schlechteren Komfort. Soll das Fortschritt sein?


In Lennep gab es einen großen Fahrkartendrucker, der viele Ziele festgedruckt ausgeben konnte.

 Welche Bedeutung die Bahn früher hatte, kann ich noch heute an einem Maschinenwerkzeug in der Firma sehen, wo ich arbeite. Auf der Verpackung ist ein Aufkleber "Expressgut". Das Werkzeug wurde als Stückgut von Stolberg bei Aachen nach Remscheid Hauptbahnhof befördert. Noch in den 80er Jahren kam zu jedem Zug in Lennep und am Hauptbahnhof das Elektro- Fahrzeug angefahren, um Pakete und Koffer zum Zug zu bringen und abzuholen. Dieses Umladen wurde innerhalb der normalen Haltezeiten geschafft, ohne dem Zug Verspätungen zu bringen. Bei Dia- Abenden bei den Eisenbahnfreunden Remscheid gab es dazu Bilddokumente. 

Hier ist wirklich mal die Frage zu stellen, ob diese Transportart auf der Schiene wirklich unwirtschaftlich war, weil die heutigen Paketdienste auch Stückgut befördern und das genauso umpacken müssen, wie die Bahn. Wenn man heute in das Branchenbuch schaut, findet man eine riesige Liste von Transportunternehmen in Remscheid, aber keinen Güterbahnhof mehr. Jetzt während dem Streckenumbau fahren noch zwei mal die Woche Güterzüge nach Remscheid. Früher waren es täglich mehrere Güterzüge zuzüglich der Stückgut- Transporte im Personennahverkehr. Und wenn die Politik wirklich wollte, könnten wir auf Grundlage der Container eine ganz neue Güterbahn bekommen. Aber wo soll es künftig die Güterbahnhöfe oder besser Logistikzentren mit Gleisanschluss geben, um die Container oder das Stückgut für den Nahverkehr auf den LKW zu verladen oder für Kunden zu kommissionieren? Am Hauptbahnhof steht ein Einkaufszentrum, wo früher Gütergleise waren, in Lennep wird ein Gewerbegebiet gebaut, in Wuppertal Oberbarmen steht da ein Baumarkt und in Bergisch Born liegen keine Gleise mehr. Noch nach der Stilllegung des Personenverkehrs hatte Wermelskirchen längere Zeit täglich zwei Güterzug- Zugpaare. 


Hier wurden mal Güter umgeladen:
Die ehemalige Güterhalle vom Bahnhof Solingen Ohligs
(heute Solingen Hauptbahnhof) 

Gewarnt haben die Eisenbahnfreunde immer, dass Remscheids Gleisanschluss nach Wuppertal und Solingen - Düsseldorf über sehr aufwendige Bauten führt: In Wuppertal sind das der Tunnel und das Viadukt von Rauenthal, in in Solingen sind es die Müngstener Brücke und ihre kleine Schwester westlich vom Bahnhof Solingen Schaberg. Eisenbahnfreunde hatte schon immer die Sorge, dass die Bahn, wenn hier mal große Investitionen anstehen, den Betrieb einstellen könnte. Sie forderten deshalb die Balkanstrecke zu erhalten, damit Remscheid eine sichere Bahnverbindung ohne große Kunstbauten behält. Zusätzlich liegt die Balkanstrecke nicht in einen strukturschwachen Raum. Sie verbindet 2 Großstädte (Leverkusen (Opladen) und Remscheid) direkt und hat auf 28 km Länge 2 Städte (Burscheid und Wermelskirchen) an der Strecke. 3 weitere Großstädte können mit einmaligen umsteigen oder je nach Konzept sogar mit durchfahrenden Zügen angebunden werden (Köln, Wuppertal, Solingen). Die Balkanstrecke stellte für Radevormwald, Hückeswagen, Lüttringhausen und Lennep die kürzeste Verbindung mit Köln her, wurde aber leider nicht von spurtstarken Zügen befahren. Und nach einem Tram- Train- Konzept, wie beim Karlsruher Modell könnten hier auch heute, trotz Umgehungsstraße in Wermelskirchen, Kölner Stadtbahnen bis zum Remscheider Friedrich Ebert Platz durchfahren. Mit dem Neubau der A 1- Autobahn- Rheinbrücke wird akut eine Chance vertan, die Vorarbeit für so eine Entwicklung zu legen. Denn nicht weit von Leverkusen, nur durch den Rhein getrennt, endet die Stadtbahnlinie 12 der KVB. Es wäre kein Problem diese über die neue Autobahnbrücke um ca. 2 km nach Leverkusen zu verlängern. Und von da bietet sich die weiterfahrt über die Balkanstrecke bis nach Remscheid an. 

Sommer 2014: Remscheid ohne Eisenbahn

Wie dankbar wären heute viele Remscheider und die Bewohner der Nachbarstädte, wenn es diese ÖPNV- Verbindung schon gäbe! Es dürfte nur wenige stillgelegte Bahnstrecken in Nordrhein- Westfalen geben, die ein höheres Fahrgastpotential haben, als die Balkanstrecke. Angesichts der hoch belasteten A 1 und A 3 ist es ein volkswirtschaftliches umweltpolitisches Vergehen, diese Bahntrasse nicht für den ÖPNV zu nutzen. Und zusätzlich könnte es eine Stadtbahnstrecke über die Müngstener Brücke von Friedrich Ebert Platz in Remscheid zum Graf Wilhelm Platz in Solingen geben, die umsteigefrei diese beiden Bus- Zentralstationen verbindet. Heute muss man dafür 2 mal umsteigen! Diese Linie zwischen zwei Großstädten wäre im Vergleich zu kurven- und steigungsreichen B 229 konkurrenzlos schnell und könnte so weitere Verlagerungen auf den ÖPNV auslösen.



In Heilbronn wurde die Straßenbahn vor Jahrzehnten stillgelegt. Aber von Karlsruhe aus kam die Stadtbahn zurück, über die elektrifizierten Gleise der Deutschen Bahn AG. Warum soll das nicht zwischen Remscheid und Köln möglich werden?
Remscheid erlebt jetzt für eine kurze Zeit, was für viele andere Orte dauerhafter Alltag ist. Hückeswagen (15.000 Einwohner), Wipperfürth (21.000 Einwohner), Wermelskirchen (35.000 Einwohner) und Burscheid (18.000 Einwohner) sind nicht nur für ein paar Wochen sondern dauerhaft von der Schiene abgebunden. Das, was Remscheid jetzt als Schienenersatzverkehr ertragen muss, ist für 89.000 Menschen in den genanten Städten dauerhafter ÖPNV- Alltag. Dabei müssten sich die Menschen schon fragen, warum haben Bahnstrecken, wie Fulda - Gersfeld oder die Südthüringen- Bahn überlebt und werden rege genutzt, um nur 2 von sehr vielen Beispielen willkürlich auszuwählen, während bei uns Strecken mit verkehrsgeographisch viel besseren Fahrgastpotentialen demontiert wurden? 


Das kleine Gersfeld hat seinen Zug behalten,
warum nicht auch Wermelskirchen, Burscheid, Hückeswagen und Wipperfürth?

Leidtragende der Streckensperrungen sind vor allem die Berufspendler, die jetzt jeden Tag wesentlich länger unterwegs sind. Während man beim Zugverkehr von Wuppertal kommend in Lennep 20 Minuten auf den Nachtexpress 19 nach Radevormwald warten musste, sind es beim Schienenersatzverkehr bei einer längeren Fahrzeit zusätzlich 50 Minuten Umsteigezeit.  Da stellt sich schon die Frage, warum man keinen direkten Schnellbus nach Wuppertal Oberbarmen anbietet. Die Linie 636 Lüttringhausen - Oberbarmen braucht für die Strecke nur 20 Minuten. Der Schienenersatzverkehr über Wuppertal Ronsdorf hält nur einmal, braucht aber 28 Minuten. Was spräche eigentlich dagegen, die Linie 636 bis Lennep zu verlängern und alle 20 Minuten fahren zu lassen und Gleichzeitig konnte die Linie 620 alle 20 Minuten von Ronsdorf bis Lüttringhausen durchfahren.  In 35 Minuten wäre man so von Lüttringhausen in Elberfeld. Mit dem jetzigen Schienenersatzverkehr sind es 45 Minuten. Fakt ist ja, wer bisher mit dem ersten Zug fuhr, macht das nicht zum Spaß, sondern weil er sich darauf eingestellt hat, damit seinen Arbeitsplatz zu erreichen. Wenn man jetzt einen Monat das frühe Erscheinen nicht sicher stellen kann, muss man einen wohlwollenden Arbeitgeber haben, weil der Arbeitnehmer rein rechtlich in der Pflicht steht, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Und die anderen Pendler erfahren einen großen Freizeitverlust. 


Bus statt Zug, Remscheid ist über einen Monat ohne Zugverbindung ins Umland
Um künftig solche Belastungen zu minimieren, sollten die Aufgabenträger für den Nahverkehr die Deutsche Bahn AG, die ja noch immer die Schieneninfrastruktur stellt, gut kontrollieren, das diese ihre Strecken gut pflegt. Und ich hoffe, dass jetzt, wo die Strecke voll gesperrt ist, wirklich alle Stellen erneuert werden, die es nötig haben oder in wenigen Jahren verschlissen sind, damit nach dieser Jahrhundertsperrung sich so ein Ereignis nicht zu schnell wiederholt. 

Kritisch ist aber, dass es im Schienenersatzverkehr keinen Fahrkartenverkauf gibt. Wenn das in den Zügen nicht der Fall ist, ist das nicht schlimm, weil auf jeden Bahnsteig die Automaten direkt neben dem Gleis stehen. Aber die Busse halten nicht am Bahnsteig, sondern an Ersatzhaltestellen. Zwar geht es hier nicht um viele Fahrkarten, da Zeitkartenbesitzer und Umsteiger meistens einen gültigen Fahrausweis haben, aber es ist doch eine Zumutung, wenn man von der Freiheitsstraße erst zum Bahnsteig laufen muss, um sich eine Fahrkarte für den Ersatzbus zu holen. Bei Streckensperrungen sollte es auch die Fahrkarten im Bus geben. 

Und gut gemeint ist nicht immer gut. Der Fahrplan für den Schienenersatzverkehr ist in Farben gedruckt, die zu kontrastarm sind. Personen mit einer Farbsehschwäche dürften Schwierigkeiten haben, die Information zu lesen. Und auch im Dämmerlicht kann man eine konstraststarke Schrift besser lesen. Hinzu kommt, dass in den Bussen Fahrpläne zum Mitnehmen ausliegen, die akut nicht gültig sind, nicht aber der gültige Baustellenfahrplan. Immerhin, es gibt einen gut lesbaren Fahrplan, den die Stadtwerke Remscheid herasgegeben haben. Für die Informationen von Abellio gilt, ein Weniger an Farbvielfalt und ein Mehr an Kontrast würden die gutgemeinte Information gut machen. 


Wer Zeit hat kann jetzt zwischen Remscheid und Wuppertal solche Bauzüge, wie hier in Hagen, bei der Arbeit fotographieren. 

Fahrplanvorschläge für die Stadtwerke

Von den Stadtwerken Remscheid wünsche ich mir nach der Streckensperrung einen besser auf die S- 7 abgestimmten Fahrplan. Der erste Frühexpress von Radevormwald sollte einen sicheren Zuganschluss nach Wuppertal und Solingen bekommen. Dann ließen sich einige Fahrgäste mehr für den ÖPNV gewinnen. Der erste Bus ist planmäßig um 5.04 Uhr am Bahnhof Lennep, während der Abellio- Triebwagen nach Wuppertal um 5.02 Uhr abfährt. Dank einiger mitdenkender Busfahrer, kommt der Bus sehr oft etwas früher an, so dass einige Fahrgäste es im Sprint dann noch zum Zug schaffen.  Das gilt auch für die Frühfahrten der Linien 654 und 655, die morgens mit den Zügen in Lennep korrespondieren könnten. 

Ferner würde ich es begrüßen, die Linie 664 zu teilen und einen Teil weiter als 664 eine Runde in beiden Richtungen fahren zu lassen vom Friedrich Ebert Platz über den Hohenhagen, Mixsiepen und Zentralpunkt zurück zum Ebert Platz. Nach Lennep soll die Linie 664 nicht mehr fahren. 

Dafür soll es in Lennep ebenfalls eine Rinlinie geben die in beide Richtungen den Kreis Lennep Bahnhof - Hasenberg - Hackenberg - Lennep Bahnhof bedient, so dass man erstmals umsteigefrei innerhalb von Lennep diese beiden Siedlungsschwerpunkte verbindet. Die Linien 654 und 655 werden beide nur noch über die B 229 geführt und bieten einen festen 10 Minuten- Takt an. Die Buslinie Lennep - Beyenburg wird nach Lüttringhausen umgeleitet und fährt von dort über die Autobahn von Beyenburg über Lüttringhausen nach Remscheid Mitte. Da der Hackenberg von der neuen Ringlinie bedient wird, können da die Fahrten der Linie 655 entfallen und am Bismarckplatz beginnen. Oder noch besser: Die Linie 655 beginnt am Bahnhof Lennep und fährt den Kreis über den Hasenberg und Hackenberg zurück zum Lenneper Bahnhof, um dann nach Remscheid Mitte weiter zu fahren. Dann bleiben für den Hasenberg und den Hackenberg die umsteigefreien Verbindungen bestehen. Aber kaum jemand wird mit der 664 vom Hasenberg nach Remscheid fahren, außer ihm fällt das Umsteigen schwer. Deshalb ist es sinnvoll, diese Linie in einen Remscheider und einen Lenneper Kreis zu teilen. Der 20 Minutentakt des Lenneper Kreises kann die Fahrten der Linie 659 und 669, die nicht bis Herkingrade oder Beyenburg gehen, zum Hackenberg übernehmen. Zusammen mit den von Beyenburg nach Lüttringhausen fahrenden Bussen werden so Kapazitäten frei für die Schnellbuslinie Lüttringhausen - Remscheid. Die Linie zum Grenzwall kann von Bussen der Stadtwerke von der Linie 671 und den Herkingrader Fahrten der 659 mitbedient werden. Auch von der Ringlinie in Lennep, die am Bahnhof startet und und endet, könnten einige Fahrten bis Grenzwall gehen. 

Interessant wäre es, wenn es möglich wäre, die Linie 675 über Grenzwall mit einigen Fahrten bis Lennep zu führen. Vom Ebertplatz sollte die Linie 675 alle 20 Minuten über Fort Blücher nach Hasten und fahren und von dort nach Güldenwerth und die Linien 657 ersetzen. So können montags bis freitags der Remscheider Norden und Remscheid Hasten an die Zugkreuzung am Bahnhof Güldenwerth angebunden werden, wodurch es optimale Anschlüsse nach Solingen sowie Lennep und Wuppertal Oberbarmen gibt. Der ÖPNV könnte durch diese neue Linienführung sehr viele neue Fahrgäste gewinnen.  


Sinnvoll wäre es, eine Buslinie Wermelskirchen - Remscheid - Wuppertal einzuführen. Ein durchgehender Bus würde mehr Fahrgäste gewinnen und der Bereich Remscheid Hasten würde besser an den Hauptbahnhof angebunden. Dafür müsste man eine Regelung mit den Stadtwerken Wuppertal finden, die dann auch bis Wermelskirchen durchfahren müssen. Aber da diese dort Fahrleistung der Stadtwerke Remscheid ersetzen, könnten letztere einen größeren Anteil der WSW- Fahrten der heutigen Linie 615 oder von anderen Linien übernehmen, wo beide Stadtwerke im Wechsel fahren, übernehmen, so dass der Aufwand für alle Verkehrsbetriebe gleich bleibt. Aber die Direktanbindung weiterer Haltestellen an Wuppertal oder der 10- Minuten- Takt von Remscheid Hasten über den Hauptbahnhof zum Zentralpunkt würden durch mehr Fahrgäste mehr Einnahmen bringen. Das ist doch eine klassische "Win-Win- Situation".


Ein Bus der Stadtwerke Remscheid in Radevormwald

Remscheid ohne Eisenbahn, dieser Alptraum soll ab 17. August 2014 vorbei sein. Es wäre schön, wenn die Politiker daraus lernen, welchen Qualitätsvorteil gegenüber dem Bus der Schienenverkehr hat und dass es sich deshalb auch lohnt, diese Qualität auf akut nicht mehr genutzte Eisenbahntrassen wieder auszuweiten. Im Wettbewerb um Einwohner ist ein gutes öffentliches Verkehrsangebot sehr wichtig. Wenn Remscheid über die Balkanstrecke optimal an Köln angebunden wäre, könnte das dazu führen, dass die hohen Mieten in der florierenden Stadt Köln die Menschen dazu bewegen, in das gut erschlossene Umland zu ziehen.  Die Müngstener Brücke soll nach Aussagen der Bahn für 30 Jahre fit gemacht werden. Und was dann? Remscheid täte gut daran, dafür zu kämpfen, dass in dieser Zeit die Balkanstrecke als Stadtbahnstrecke wieder hergestellt wird, um wenigstens Richtung Köln eine sichere und gute Alternative zur Müngstener Brücke zu bekommen. 30 Jahre zurück geschaut, hatten wir im Jahr 1984 eine ganz andere Eisenbahn als heute. Einiges ist besser geworden, vor allem das Personenzugangebot des Müngsteners, wo heute, wenn man von der Sperrung absieht, deutlich mehr Züge fahren, als 1984. Denn seit 1994 wurde an Wochenenden die Fahrtenzahl nach Wuppertal fast verdoppelt und Montags bis Freitags um ein Drittel aufgestockt. Gleichzeitig ist aber auch der Personden- und Güterverkehr auf den Zweigstrecken fast komplett abgebaut worden (bis auf die Güterstrecke nach Bliedinghausen) und es gibt keine besetzten Bahnhöfe mehr, wo früher das gesamte Angebot der Bahn vertrieben wurde. Der Güterverkehr ist nur ein Restverkehr, wenn man den mit dem vergleicht, was hier mal auf der Schiene los war. 


Für viele Remscheider ein kurzzeitiger Alptraum, aber für die Menschen in den kleineren Nachbarstädten dauerhafte Realität: Züge werden durch Busse ersetzt. Ein echter "Ersatz" ist das nicht. 

Immerhin, Fahrkarten kann jeder, der mit den Automaten nicht zurecht kommt, im Zeitschriftenladen am Remscheider Hauptbahnhof kaufen. Leider verdient die Gestaltung des Hauptbahnhofes nicht diesen Titel. Beim Umbau des Hauptbahnhof wurde es unterlassen, die Busse näher an die Gleise zu führen, das Regendach auf der Brücke ist viel zu schmal, das schöne alte Bahnsteigdach ist weg und der Weg über die Treppe und den Platz zur Bushaltestelle sind gar nicht abgedeckt. Es gibt keinen Service, der eigentlich einen Hauptbahnhof auszeichnet, wie Wartesaal und WC. 


Kein Schutz gegen Regen bei windigen Wetter:
Das viel zu schmale Dach

Die Bushaltestelle selber erinnert an Remscheid 21. Denn auf dieser Durchfahrt-Haltestelle können die Busse nicht stehen bleiben, um auf Zugfahrgäste zu warten. Immer wieder erlebe ich morgens im Frühverkehr, wie diese Haltestelle überlastet ist. Ich freue mich immer, wenn die Linie 675 etwas Verspätung hat, weil ich dann umsteigefrei und schneller nach Hasten (Taubenstraße statt Richard Lindenberg Platz) komme und im Sommer vor der Spätschicht etwas Zeit bekomme, an den Him- und Brombeerranken am Wegesrand meinen Vitaminpegel zu erhöhen. Ideal wäre es, wenn ich von Lennep bis Güldenwerth durchfahren könnte, um dort in den Bus zum Hölterfeld in Hasten zu steigen. Aber solange die Bahnstrecke gesperrt ist, lohnt sich die Umsetzung dieses Vorschlages nicht. Aber eine Linie 675, die am Hauptbahnhof einige Minuten stehen bleibt, weil zeitgleich der Zug von Wuppertal ankommt, um ein Umsteigen zu ermöglichen, das wäre eine feine Sache, scheint aber an der Durchfahrthaltestelle zu scheitern. Und so kann ich wohl auch in Zukunft meist nur die roten Rücklichter der Busse der Linie 675 sehen.


Grenzenloser Spaß mit Bus und Bahn? Schön wäre es - unmöglich ist es nicht.




Bilddokumentation der Bahnstrecken der Eisenbahndirektion Wuppertal Elberfeld

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