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Sonntag, 6. Februar 2011

Abenteuer Busfahren - warum nicht Schwarz- Fahren für alle?

Autor: Felix Staratschek, verkehrspolitischer Sprecher der Ökologisch Demokratsichen Partei (ÖDP) Bergisches Land http://twitter.com/FJStaratschek

Busfahren kann spannend sein, allerdings nicht in der angenehmen Art. Im Januar habe ich einen neuen Arbeitsplatz bekommen und muss dafür morgens um 6 Uhr in Remscheid Hasten sein. Das Ziel ist über 3 Bushaltestellen und mehrere Buslinien erreichbar.

Unzureichende Fahrplanauskunft

Zunächst ermittele ich per Fahrplanauskunft eine Verbindung. Die sieht auch gut aus. Und trotz der dann erlebten Verspätung scheinen am Willy Brand Platz die Anschlussfahrten nach Hasten zu warten. Das klappt auch die ersten 3 Tage gut. Aber dann ist der Anschluss der aufeinander abgestimmten "Frühexpress- Fahrten" weg und schon bin ich 30 Minuten später am Arbeitsplatz und verliere 20 Minuten Arbeitszeit. Am nächsten Morgen spreche ich gleich die Busfahrerin an, dass ich den Anschluss nach Hasten heute haben will. Erstaunt erfahre ich, dass der Wagen der Linie 655 am Ebertplatz die Nummer ändert und immer nach Hasten durchfährt. Aber weder an den elektronischen Anzeigen am Bahnhof Lennep, noch an den Aushangfahrplänen oder im Kursbuch der Stadtwerke Remscheid wird auf diese attraktive Durchbindung hingewiesen.

Von den Schwierigkeiten des Fahrkartenkaufes

Zum Monatswechsel will ich dann vom Viererticket auf Zeitkarte umsteigen. Da der Bus der Linie 615 von Wuppertal um 14.17 von Hasten nach Remscheid Mitte ausnahmsweise mal pünktlich ist - dass war bisher das einzige Mal! - erreiche ich einen früheren Bus nach Lennep und so entfällt der Aufenthalt in Lennep, den ich für Einkäufe, Bankgänge oder den Gang zum Personalbüro in Lennep nutze. Oft sitze ich auch lesend im Wartehäuschen und habe dafür in dieser Jahreszeit immer eine Thermosflasche heißen Tee dabei. Diesmal wollte ich Geld abheben und mir dann am Büdchen die Monatskarte für Februar besorgen. Da ich aber ausnahmsweise mal pünktlich da war, hatte ich direkt Anschluss nach Radevormwald. Ich habe den Bus genutzt und wollte mir die Fahrkarte im Bergerhofer Kiosk holen. Nachdem ich am Bankautomat wieder lequide geworden war, erfuhr ich, dass es in Bergerhof am Kiosk keine Fahrkarten mehr gibt.

Na gut, denke ich, dass ist ja im VRS, zu dem Radevormwald gehört, kein Problem, da gibt es ja alle Fahrkarten im Bus. Aber morgens kann der Busfahrer im ersten Wagen der Stadtwerke Remscheid keine Zeitkarten verkaufen. Fahren sie so mit, vielleicht geht das ja am Bismarkplatz, lautet die Auskunft. So komme ich immerhin bis Lennep. Da aber das Büdchen am Bismarckplatz noch dunkel ist, fahre ich bis Bahnhof Lennep weiter. Hier gibt es ja Automaten. Aber, die verkaufen auch keine Zeitkarten. (Mittlerweile gibt es da auch VRS- Zeitkarten auf Verkehrsverbund oder VRR gehen und dann zum VRS wechseln.)

Wie wird wohl der nächste Busfahrer reagieren? Wird er mich wieder mitnehmen oder wird der mich für einen besonders dreisten Schwarzfahrer halten? Und wenn ich mit dem Bus bis Hasten komme, muss ich ja noch sehen, wo ich eine Fahrkarte für die Rückfahrt bekommen. Eventuell gibt es diese um diese Zeit dann nur am Ebertplatz. Ich müsste mir also sehr wahrscheinlich Fahrkarten kaufen für einen Zeitraum, den ich mit der Monatskarte schon abgedeckt hätte, wenn ich sie schon hätte. Unerwartet kommt Hilfe! Der Bus der Linie 336 des VRS trifft ein. Obwohl der Fahrer hier Pause hat verkauft er mir schnell die Monatskarte und dem anderen Bus, der gerade ankommt kann ich noch Zeichen geben, dass er auf mich wartet.

Kundenfreundlichkeit?

Dank des guten Personals hat es geklappt, ich habe meine Monatskarte und musste nicht vorher noch draufzahlen. Aber wie steht es um die Kundenfreundlichkeit? Muss das so kompliziert sein? Warum überhaupt ein so kompliziertes Tarifwesen? Warum keine Zeitkarten am Automaten oder beim Fahrer? Warum klein Nulltarif am Hauptwohnort und allen angrenzenden Nachbarstädten? Busfahren ist doch umweltfreundlich! Wenn die PKW häufiger stehen bleiben und die Straßen entlastet werden, haben doch alle davon ihren Nutzen, also können auch über die Steuern alle den öffentlichen Verkehr bezahlen! Vor allem verursacht der Fahrkartenverkauf ja auch Kosten und Unannehmlichkeiten! Das vorne beim Fahrer einsteigen und dann nach Hinten laufen im Gelenkbus ist weder beim häufigen bergischen Regenwetter, noch beim Anfahren des Busses schön. Das Einsteigen vorne und die Ticketkontrolle und der Verkauf verbrauchen Zeit und könne im schlimmsten Fall den Bus so verlangsamen, dass zusätzliche Wagen für den Umlauf benötigt werden.

Warum kein Nulltarif?

Ein Nulltarif am Wohnort und allen Nachbarorten würde das ganze Theater um Bustarife beenden, er würde das Argument beseitigen, der Bus sei bei gelegentlichen Fahrten teurer, als das Auto, Kinder würden ihre Eltern seltener zu Fahrdiensten drängen, Innenstadtlagen profitieren von der guten Erreichbarkeit mit den Bussen, das Auto wird nur noch benutzt, wenn es andere Vorteile hat, Leute mit geringen Einkommen können mobil sein und besser am leben teilnehmen oder durch Nebenjobs ein Zusatzeinkommen erzielen, die Gesamtkosten des Nahverkehrs sinken. Wenn die Fahrpreise entfallen kann der Nulltarif durch eine leichte Steuererhöhung finanziert werden. Denn dem Bürger ist es egal, ob über Fahrpreise oder Steuern ihm das Geld aus der Tasche fließt. Aber beim Nulltarif würde für das gleiche Geld ein besserer Busverkehr geschaffen und der Nutzen, den der Busverkehr schafft, wäre viel größer, da der Bus nun von viel mehr Menschen genutzt wird.

Gegen einen totalen Nulltarif für das ganze Land spricht, dass dies den Nahverkehr überlasten könnte und den Wettbewerb zu privaten Busunternehmen untergräbt. Bei Großveranstaltungen, wie Fußballspielen und Konzerten ist es sinnvoll, wenn Reisegruppen auch per Bus anreisen. Aber da, wo die täglichen Mobilitätsbedürfnisse bestehen, da wäre ein Nulltarif optimal. Auf allen Buslinien, die nur in einem oder zwei Orten verkehren kann generell auf den Fahrkartenverkauf verzichtet werden. Einzig bei längeren Linien, die parallel zu Bahnstrecken verlaufen, muss es noch einen Fahrkartenverkauf geben, sofern es diesen auch auf der Schiene außerhalb der genannten Zone gibt.

Unmöglich, meinen Sie? Dann sollten Sie sich mal dieses Beispiel hier ansehen: (Anmerkung Feb. 2016: Hasselt hat keinen Nulltarif mehr, weil es eine Stadt alleine ohne Änderung der Politik des Landes nicht auf Dauer tragen kann, aber es bleibt als Beispiel, wie gut es gehen kann.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Personennahverkehr_in_Hasselt 

Nulltarif in Frankreich:
https://fr.wikipedia.org/wiki/Gratuit%C3%A9_des_transports_en_commun#France

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