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Montag, 4. April 2011

Warum die Atomenergie mit dem Christentum unvereinbar ist

Leser Otto Wilhelm beklagt in der TP vom 29.3.2011 dass ich und andere Schreiber nicht nur die negativen Folgen der Kerntechnik, sondern auch das Gute daran verwerfen. Was ist das Gute daran? Dass schon der Uranbergbau äußerst umweltbelastend ist und unzähligen Menschen Krankheit, schwere Leiden, Genschäden und den Tod bringt? Tief im Erdinneren mag Radioaktivität eine sinnvolle Sache sein. Aber Uran kommt nahe der Erdoberfläche in guten Vorkommen nur mit 0,1% Anteil an der Gesteinsmasse in verschiedenen Varianten vor. Das Uran, dass für Kernkraftwerke und Atombomben geeignet ist, wird angereichert, übrig bleibt das abgereicherte Uran. Letzteres wird von den USA für panzerbrechende Waffen genutzt, womit diese schon viele Regionen der Erde verseucht haben (u.a. der Flugzeugabsturz in Remscheid!) und über Generationen Menschen mit den Folgen zu kämpfen haben werden.
Atomenergie ist immer ein notwendiger Schritt zur Herstellung der Atombombe. Alleine wegen der bestehenden Instabilitäten auf der Erde und den nie vorhersagbaren plötzlich herein brechenden Instabilitäten sollte man mit den Stoffen, mit denen in Atomkraftwerken hantiert wird, nicht wirtschaften. Die erneuerbaren Energien dagegen können dezentral erzeugt werden, verlagen Profite von den wenigen Konzernen in viele Regionen und sind auch weniger krisenanfällig als unsere heutigen Energiequellen. Denen verdanke ich gerne unseren Wohlstand, weil das ein Wohlstand ist, der weniger Verderben bringt, als der Irrweg, auf dem wir uns seit langem befinden.
Leser Wilhelm meint, sich die Erde Untertan machen heiße, alles Nutzbar zu machen, was die Erde bietet. Dazu schrieb schon der heilige Vater in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2010:

".....besorgniserregend sind jene Gefahren, die vom nachlässigen - wenn nicht gar missbräuchlichen - Umgang mit der Erde und ihren Gütern der Natur herrühren. ....Die Umwelt muss als eine Gabe Gottes an alle verstanden werden und ihr Gebrauch bringt eine Verantwortung gegenüber der ganzen Menschheit mit sich, insbesondere gegenüber den Armen und gegenüber zukünftigen Generationen. ....."

Und weiter schreibt Benedikt XVI:

"Der Mensch hat sich vom Egoismus beherrschen lassen .... und in seiner Beziehung zur Schöpfung hat er sich wie ein Ausbeuter verhalten, der eine absolute Dominanz ausüben will. ..... Alles, was existiert, gehört Gott, der es den Menschen nur anvertraut hat, aber nicht zu ihrer willkürlichen Verfügung. Wenn der Mensch nicht seine Rolle als Mitarbeiter Gottes erfüllt, .... ruft er dadurch schließlich die Auflehnung der Natur hervor, die von ihm mehr tyrannisiert als verwaltet wird.Der Mensch hat also die Pflicht, in verantwortungsvoller Weise über die Natur zu herrschen, sie zu hüten und zu bebauen.
Leider muss ich feststellen, dass eine große Zahl von Personen, ....die verantwortungsbewusst mit der Natur umgehen, wachsende Schwierigkeiten erfährt."

Mit "Untertan machen" wird also nicht Ausbeutung oder Beschädigung gemeint, sondern Hege und Pflege dessen was Gott einen geschenkt hat, damit für alle genug zu Essen und zum Leben da ist. Das "Untertan" in der Bibel steht immer in Bezug zu der Gerechtigkeit und Liebe Gottes. Zerstören wir die Erde, missachten wir die globalen Naturgesetze, entwickelt die Erde ein Eigenleben, dass stärker ist, als alle menschlichen Kraftanstrengungen. Das erfahren wir kurzfristig auch durch Naturkatastrophen, wie Erdbeben, Vulkane, Hochwasser und langfristig durch die Folgen von Raubbau (Erosion der fruchtbaren Böden, ausbleiben von Regen durch Waldvernichtung und Klimawandel, Überfischung und Vermüllung der Weltmeere.... die Liste ließe sich fortsetzen).

Es ist ein fundamentaler Unterschied, ob ein Zug durch einen Achsbruch von Müngstener Brücke stürzt oder ob durch den Alltagsbetrieb der Atomwirtschaft und durch zusätzliche Störfälle und Katastrophen radioaktive und toxische Stoffe und Edelgase ständig freigesetzt werden. Unfälle im Leben, und seien sie so groß, wie eine Tsunamikatastrophe sind einmalige Ereignisse, nach denen man Trauerarbeit leisten kann und den Schaden beseitigen kann. Den Schaden, den die Kernkraft anrichtet, den kann keiner beseitigen, der wird auch noch nach Generationen durch in die Atmosphäre und den Boden eingebrachte Stoffe und durch Erbschäden Menschen belasten, die nie einen Nutzen davon hatten. Woher sollten binnen weniger Stunden die 32.000 Busse kommen (für je 50 Fahrgäste mit je einem Koffer) um einen der Ballungsräume, wie Hamburg, München, Rhein- Main oder Rhein- Neckar zu evakuieren? Welche Krankenhäuser haben die Spezialplätze für tausende strahlende und verstrahlte Patienten? Das müsste alles da sein, wenn man im Atomlotto mal 6 falsche gezogen hat!

Der Hauptvorwurf von Leser Wilhelm ist, dass christliche Atomkritiker u.a. den Dekalog nicht als Maßstab genommen haben. Leider sind Leserbriefe keine Diplomarbeiten, aber wer aus christlichen Geist handelt, hat den Dekalog (die 10 Gebote) immer mit im Gepäck:
1. Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen!
Und Gott sah, dass es gut war, heißt es immer wieder in der Genesis. Untertan machen heißt also nicht das, was Gott Gutes geschaffen hat, zu verändern. Im Gegenteil: Ist es nicht eine Missachtung Gottes und seines Werkes, wenn wir meinen, es eigenhändig veredeln zu müssen und dabei umunkehrbar zu verändern? Die Erde Untertan machen hieß auch, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen, sondern sich in den Grenzen zu bewegen, die Gott den Menschen gegeben hat. Das Einbringen von neuen Substanzen in die Schöpfung Gottes und das konzentrieren von weiteren Substanzen, die in der Schöpfung aus guten Grund nur in geringer Konzentration an der Erdoberfläche und im Vulkanismus vorkommen ist eine Gefahr für das Werk Gottes und somit eine Missachtung des Schöpfers. Statt auf Gott setzt man auf die eigene Selbstüberschätzung und betet diese an.
2. Ehre Vater und Mutter!
Die Reihe unserer Vorfahren mag manches falsch gemacht haben, aber sie hatten im Regelfall die Gesinnung, ihre Kinder und Kindeskinder sollen es einmal besser haben, als sie selber. Heute haben wir die Situation, dass man nach der Devise handelt, unsere Kinder und Kindeskinder werden schon mit dem zurecht kommen, was wir ihnen überlassen. Wir weichen also extrem von dem ab, was unseren Eltern heilig war und treten deren gut gemeintes Werk mit Füßen.
3. Du sollst nicht morden!
Wir morden heute vielfach, wie schon erwähnt, durch die Alltagsvergiftung, die die Atomwirtschaft für viele Regionen der Erde bedeutet, aber auch durch ungerechte Welthandelsstrukturen, Hungerlöhne für unsere Billigware im Supermarkt, Müllverbrennung mit giftigen Schlacken, Filterstäuben und trotz Filterung freigesetzten Feinststäuben statt besseren Recycling, Straßenbau statt Wende zu Bus und Bahn, Autofahren, wo die eigenen Füße (auch per Fahrrad) uns umweltfreundlich und gesundheitzsfördernd weiter bringen könnten. Künstlich gemachte Not durch eine falsche Politik treibt auch Frauen zur Abtreibung. Aber um Abtreibung glaubhaft zu kritisieren, darf die Kirche nicht vor dem Morden aus ökonomischen Gründen die Augen verschließen. Gegen unser Morden waren die Menschenopfer der Aztheken und Mayas ja nur ein Schatten!
4. Du sollst nicht stehlen!
Ist unsere Lebensweise nicht Diebstahl, indem für uns ein Heer von Billiglöhnern in Armut darbt, denen wir nicht das geben, was ihnen zusteht, indem wir unseren Staat verschulden, weil wir Steuergeschenke haben wollen und nicht die Politiker abwählen, die noch immer nicht von ihren sinnlosen Prestigeprojekten ablassen können, indem der Nutzen, den wir heute haben verbunden ist mit geleerten Rohstoffquellen, großen giftigen Müllbergen, viel Sondermüll und anderen Giften, auf die alle unsere Nachkommen achten müssen, ohne den Nutzen zu haben, den wir heute daraus ziehen? Werden durch unsere Politiker nicht ständig die Interessen mächtiger Lobbygruppen nach mehr Profit erfüllt, während die Vorlagen, die wir für eine bessere Zukunft der künftigen Generationen schaffen können, nicht in dem Maße umgesetzt werden, wie es uns leicht möglich wäre?
5. Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen!
Um unsere heutigen Verhältnisse zu rechtfertigen, wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Hier muss sich die Kirche endlich mal deutlicher und vernehmbarer distanzieren und auch prüfen, wo sie selber schon Mittäter war. Das ist kein Vorwurf, weil in dieser Welt jeder irgendwo Täter wird. Im WDR 5 wurde am Sonntag den 3.4.2011 eine Frau interviewt, die im Áuswärtigen gearbeitet hatte. Sie sagte, sie sei nie wählen gegangen (was ich, wei dargelegt für grundfalsch halte), weil sie die Diskrepanz erlebt habe, was die Politiker untereinander über die Menschen redeten und was sie in ihren Reden an die Öffentlichkeit brachten. Hier wäre eine wichtige Forderung, das Spenden von Firmen und allen Arten von Lobbyverbänden an die Politik verboten werden und das Parlamentarier nichts in privaten Aufsichtsräten zu suchen haben. Das wäre ein erster Schritt, um der Anfälligkeit jedes Menschen für Versuchungen Rechnung zu tragen, indem man diese legale Korruption verbietet. Denn solche Gelderwartungen haben Lügen zur Folge, weil man doch lieber dem Mammon, als Gott dient. Das ist auch wieder ein Bezug zum ersten Gebot. Außerdem ist Parlamentarier ein Vollzeitberuf, der alle Kräfte binden sollte, damit wirklich die guten Lösungen gefunden werden. Das heißt Forschen und Studieren in einem so großen Ausmaß, dass es außer der eigenen Familie keine weiteren Tätigkeiten geben dürfte.
6. Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen!
Schon heute bringt unsere Lebensweise viele Menschen um ihre Häuser! In Uranabbaugebieten werden die Häuser unbewohnbar, für unseren Fleischkonsum werden Menschen von ihrem angestammten Land vertrieben, damit Großgrundbesitzer da Monokulturen für Viehfutter anlegen oder ihre Herden her treiben. Die Zunahme von Wetterextremen hat schon unzählige Menschen um ihre Heimat beraubt und wie künftige Generationen noch ihre Häuser bauen sollen, wenn der Raubbau weiter geht, dass weiß keiner.

Was kann die Kirche in dieser Krise tun, um der "Pflicht eines jeden Menschen" nachzukommen, die Umwelt zu schützen, wie es Papst Benedikt sagte?
1. Die zuvorgenannten Vorschläge zur Korruptionsminderung müssen lautstark eingefordert werden. Genausowenig, wie Fußballspieler den Schiedsrichter Spenden geben dürfen, dürfen die Vertreter der Wirtschaft mit dem Geld ihrer Firmen und Verbände Parteien korrumpieren oder Politiker in Aufsichtsräten sitzen, wo man das Firmenwohl statt dem Gemeinwohl vertritt. Die von der katholischen Soziallehre inspirierte soziale Marktwirtschaft ist nur möglich, wenn es zu einer vollkommenen Trennung von Staat und Politik von der Wirtschaft kommt.
2. Die Kirche ist mit allen ihren Gliedern ein großer Gebäudebesitzer und Arbeitgeber. Gerechte Löhne müssen Standart sein und der Strom darf nur von echten Ökostromanbietern bezogen werden (Liste unter atomausstiegselbermachen.de).
3. Das Thema Bewahrung der Schöpfung muss in die Gemeindearbeit einfließen. Gemeindemitglieder könnten der Kirche günstig Geld leihen für Energiesparinvestitionen und die Kirche zahlt dann aus der Einsparrendite das Geld und eine Zulage zurück. Broschüren, wie "Zu Fuß zu Kirche" müssen dafür werben, sonntags das Auto öfter stehen zu lassen und möglichst viele Veranstaltunge der Gemeinde ohne Auto zu besuchen
4. Kirchliches Land muss dem Ökolandbau vorbehalten sein und jegliche Giftanwendung auf kirchlichen Grund gegen gewöhnliche Unkräuter und Insekten muss unterlassen werden. Kleinbiotope rund um kircheneigene Gebäude können vielen Geschöpfen Gottes einen Zufluchtsort geben. Die Pflege wäre eine sinnvolle Aufgabe für die Messdienergruppen und vielleicht auch für manchen Pfarrer oder Küster.
5. Christen müssen sehr genau überlegen, wem diese ihre Stimme bei Wahlen geben. denn die ganze Misere, in der wir jetzt stehen, haben die Politiker unserer etablierten Parteien verzapft. Diese haben in der repräsentativen Demokratie die entscheidende Macht, den Rahmen für faires und zukunftsfähiges Handeln zu setzen. Ich hoffe noch immer, dass durch das aktive gültige Wählen der besten sonstigen Gruppen und damit die Infragestellung der Macht der etablierten Politiker die Wähler es fertig bringen, die notwendigen Reformen zu erzwingen. Die Kirche darf nicht mehr mit diesen Politiker mauscheln. Sie muss klar sagen, was alles nicht mehr geht und sollte die Christen auffordern, sich alle Parteien genau anzusehen und das Wahlkreuz wirklich da zu machen, wo die christlichen Grundlagenforderungen an die Politik am besten erfüllt werden. Das heizt den politischen Wettbewerb an. Und je mehr Wettbewerb es gibt, um so eher besteht eine Chance, dass die etablierten Politiker sich verändern.
Ich versuche das meine und bringe Themen über meinen "Viertürmeblog" an die Öffentlichkeit und freue mich auch über gute Gastbeiträge und Kommentare.
Wer nicht glaubt, dass die Politik so ist erinnre sich an 1986. Ich habe noch die Karikatur von Horst Haitzinger: Strauß und Kohl sind mit Gebetsbüchern auf dem Weg in ein Atomkraftwerk und der von mir sehr verehrte Kardinal Höffner (Köln) ruft denen auf ein Gotteshaus zeigend zu: "Hallo die Kirche steht hier!" Dieser Ruf muss auch heute erschallen und zwar unüberhörbar. Denn was hat sich seit damals durch die CDU/CSU- FDP oder auch die SPD schon wesentliches geändert?

Abs. Felix Staratschek
Freiligrathstr. 2
42477 Radevormwald

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