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Montag, 4. April 2011

Hirtenbrief zur Fastenzeit 2011 von Joachim Kardinal Meisner,Erzbischof von Köln

Verherrlicht Gott in eurem Leib!

Liebe Schwestern und Brüder,

Die prophetische Botschaft heißt: „Ich will euch eine Hoffnung und eine Zukunft geben“ (Jer 29,11). „Wähle also das Leben!“ (Dtn 30,19). Diese beiden prophetischen Worte sind in unserer Gesellschaft nötiger denn je. Unsere Zukunft ist wirklich bedroht. Das kann jeder in der Bevölkerungsstatistik nachlesen. Jedes Jahr haben wir in Deutschland bedeutend mehr Beerdigungen als Geburten. Immer weniger junge Menschen müssen von Jahr zu Jahr für immer mehr ältere die Sorgepflicht übernehmen. Ich wundere mich wirklich, dass diese absolut dramatische Situation in der Politik nicht das nötige Echo findet. Die Weitergabe des Lebens müsste doch bei allen Planungen für Gegenwart und Zukunft erste Priorität erhalten und in der Konsequenz die Ehe als Quelle des Lebens den absoluten Vorrang vor allen anderen Institutionen. Ich möchte in meinem diesjährigen Fastenhirtenbrief auf diese Priorität unseres gesellschaftlichen Lebens hinweisen, indem ich die prophetischen Worte ins Gedächtnis rufe: „Ich will euch eine Hoffnung und eine Zukunft geben. Wähle also das Leben!“.

Durch die Menschwerdung Jesu Christi hat der Leib eine besondere Würde erlangt. Im Gottmenschen Jesus Christus sind Leib und Seele untrennbar mit der Gottheit verbunden. Und auch unser Leib ist dazu bestimmt, vergöttlicht zu werden. Daher singt der Apostel Paulus geradezu ein Loblied auf den Leib, wenn er schreibt: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist. … Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“ (1 Kor 6,19-20). Der Leib wird zum Ort, an dem der Heilige Geist wohnt und wirkt. Der Leib in Verbundenheit mit der Seele macht uns zum Abbild Gottes.

Er ist sodann aber auch Ort der Begegnung mit unseren Mitmenschen. Ohne Leib könnten wir unser Denken, Wollen und Empfinden gar nicht mitteilen. Es gäbe keine Worte, Zeichen und Laute, mit denen wir uns verständigen könnten. Der Leib ist Sprachrohr der Seele. Umgekehrt prägt aber auch der Leib unser Denken, Wollen und Empfinden. Das gilt insbesondere auch für die Sexualität. Den Menschen gibt es nur als Frau oder als Mann. Frau-sein und Mann-sein prägt unser Mensch-sein von Anfang an. Das Geschlecht ist keine äußerliche Zugabe oder gar Festlegung der Gesellschaft, sondern durchdringt und prägt unser gesamtes Menschsein mit Leib und Seele.

Die Sexualität bildet damit auch die Basis für die besondere, ja einzigartige Beziehung zwischen Mann und Frau. Es geht um jene Liebesbeziehung, die sich nach Treue sehnt, sich immer fester bindet und sich schließlich im Ehebund vollendet. Deshalb ist die Sexualität unverzichtbarer Bestandteil dieses Bundes, der Abbild des Bundes Gottes mit den Menschen und dazu berufen ist, fruchtbar zu sein und an der Schöpferkraft Gottes teilzuhaben. Die Botschaft unseres Glaubens zeigt uns dazu: Treue und Partnerschaft sind keine frommen Illusionen, sondern Lebenswirklichkeiten. Unser Glaube ist ein einziges großes JA zum Leib, zur Liebe und zum Leben. Diese Zusammenhänge, die für unser Mensch- und Christsein so existenzielle Bedeutung haben, möchte ich mit Ihnen in diesem Hirtenbrief näher bedenken.

1. Die Botschaft des Glaubens ist ein Ja zum Leib.

Gott ist Mensch geworden und hat damit auch einen menschlichen Leib angenommen. Und gerade durch diesen Leib wirkt er sein göttliches Heil: Durch seine leibliche Stimme verkündet er Worte des ewigen Lebens, mit seinen Händen heilt er die Menschen. Seine Füße tragen ihn durch das Heilige Land, um die frohe Botschaft zu den Menschen zu bringen. Und die unendliche Liebe Gottes zu uns Menschen gipfelt in der Hingabe Jesu am Kreuz mit Leib und Seele.

„Verherrlicht Gott in eurem Leib!“ (1 Kor 6,20). Wir verherrlichen Gott, wenn der Leib auch für uns zum Ort wird, an dem wir die Liebe zu Gott und den Menschen austragen. Unsere Beziehung zu Gott und zu den Menschen ist wesentlich leiblich geprägt: Wenn wir uns in der Kirche zum Gebet knien, so ist dies ein leibliches Zeichen dafür, dass wir uns vor Gott klein machen. Wenn wir unsere Hände zum Gebet falten, so drückt dies leiblich aus, dass wir uns mit Leib und Seele und all unseren Sinnen sammeln wollen. Wenn sich Menschen zur Begrüßung einen freundlichen Blick schenken, dann ist dies ein leibliches Zeichen von Zuneigung und Respekt. Der Handschlag drückt Verbundenheit aus und noch inniger die Umarmung.

Unser Leib spricht „eine eigene Sprache“. Das gilt insbesondere für die Beziehung zwischen Mann und Frau, die wie keine andere eine leibliche Dimension hat. Im Gegensatz zu anderen freundschaftlichen Beziehungen ist die besondere Liebe zwischen Mann und Frau exklusiv. Sie wählt aus und kann immer nur einer Person gelten. Und je intensiver die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau wächst, desto intensiver binden sich beide aneinander, bis es einmal zu dem Punkt kommt, an dem sich Mann und Frau in der Ehe einander für ein ganzes Leben schenken und annehmen.

Der Weg einer solchen Beziehung wird begleitet von leiblichen Zeichen dieser Verbindung. Je inniger die Verbundenheit, desto inniger auch die leiblichen Zeichen dieser Verbundenheit. Damit diese Zeichen aber echt sind und nicht Vorspielung falscher Tatsachen, müssen sie mit der Intensität der Liebe übereinstimmen.

Die intensivste Form der leiblichen Mitteilung von Liebe zwischen Mann und Frau ist die geschlechtliche Gemeinschaft. Diese leibliche Hingabe aneinander ist nur dann echt und wahrhaftig, wenn sie getragen wird von der Lebenshingabe, die Mann und Frau durch die Eheschließung begründen. Daher ist der einzig legitime Ort der geschlechtlichen Gemeinschaft die Ehe. Hier geht es nicht um leibfeindliche Erwägungen oder gar um eine sexualfeindliche Einstellung. Im Gegenteil: Gerade weil der Leib des Menschen eine solch hohe Bedeutung hat und weil Sexualität für die Liebe zwischen Mann und Frau so wichtig ist, bedarf sie des besonderen Schutzes, denn nur was ich schätze, schütze ich. Der Hochschätzung des Leibes entsprechen die Wegweisungen, die helfen, dieses hohe Gut nicht zu banalisieren und zu entwerten.

2. Die Botschaft der Kirche bedeutet ein Ja zur Liebe.

Wir haben bereits festgehalten, dass der Leib der Ort ist, an dem unsere Gottes- und Nächstenliebe ausgetragen wird. Zeichen von Liebe und Verbundenheit sind keine äußerliche Zugabe, sondern Verwirklichung von innerer Liebe und Verbundenheit. Wenn wir nun aber nüchtern unser Leben betrachten, müssen wir feststellen, dass der Leib nicht immer der Ort der Gottesund Nächstenliebe ist. Helfende Hände können oft genug zu geballten Fäusten werden und tragende Arme zu Ellenbogen gegen meine Mitmenschen. Mein Leib kann so zum Ort von Selbstsucht und zerstörerischer Aggression werden. Auch die Sexualität hat ihre Eigendynamik. Wenn sie auch im Ganzen der Person die Basis für die besondere Liebe zwischen Mann und Frau darstellt, so verlangt sie zunächst einmal von sich aus lediglich nach Befriedigung. Und es kostet Kraft, diesen Trieb zu bändigen. Wenn ich dies nicht tue, verlangt er immer stärker nach Befriedigung. Immer stärker nimmt dann der Trieb das Ruder meines Lebens in die Hand und nimmt mir zunehmend die Freiheit. Am Ende dient nicht mehr die Sexualität der Liebe zwischen Mann und Frau, sondern der Partner/die Partnerin dient der eigenen Befriedigung. Mit Liebe hat das nichts mehr zu tun.

Damit aber Sexualität der Liebe dienen kann, bedarf sie der Einbindung in die Gesamtpersönlichkeit. Wer sich nicht beherrschen kann, der kann auch nicht lieben. Liebe ohne die Fähigkeit zur Enthaltsamkeit ist eine Illusion. Darin liegt der Sinn vorehelicher Enthaltsamkeit. Liebe muss wachsen und reifen können. Sexualität muss ins Ganze des Menschseins integriert werden, damit sie der Liebe dient und nicht Freiheit nimmt und Liebe zerstört. Es geht darum, den Partner/die Partnerin nicht zum Objekt der eigenen Lust und eines leibseelischen Egoismus werden zu lassen.

Ich weiß, dass gerade unsere jungen Menschen unter einem großen Druck stehen, begleitet von dem Argument: „Das tun doch alle!“ Liebe junge Schwestern und Brüder, habt den Mut, eigene Wege zu gehen! Tut nicht einfach alles, weil es andere auch tun. Sorgt dafür, dass die Zeichen eurer Liebe echt sind und eure Liebesbeziehung wachsen kann! Macht euch nicht zu Objekten des Genusses, sondern bleibt Subjekte der Liebe! Es gibt nicht wenige junge Menschen, die sich darum bemühen. Hilfreich ist es für euch, wenn sich Gleichgesinnte zusammentun und einander begleiten und ermutigen. Die Botschaft unseres Glaubens ist ein großes JA zu Leib und Liebe.

3. Die Botschaft des Glaubens bedeutet darüber hinaus ein Ja zum Leben.

Die Sexualität bietet nicht nur die Basis für die besondere Liebe zwischen Mann und Frau, diese leibseelische Liebe ist fruchtbar. Wir alle wären nicht hier, wenn nicht unsere Eltern Ja zu dieser Dimension der Sexualität und Liebe gesagt hätten. Unsere gesamte Menschheit lebt von Menschen, die Ja sagen zu Liebe und Leben. Ich möchte an dieser Stelle nicht eingehen auf die unabsehbaren Probleme, die dadurch entstehen, dass in unserer Gesellschaft immer weniger Menschen dieses Ja zum Leben sagen. Vielmehr geht es mir darum, dass wir Fruchtbarkeit wieder als Geschenk entdecken und damit auch Kinder als Segen begreifen.

Sexualität und Fruchtbarkeit gehören untrennbar zusammen wie Leib und Seele. Wer Fruchtbarkeit von Sexualität künstlich trennt, ob durch pharmazeutische Präparate oder andere Wege, der korrigiert und manipuliert die Schöpfungsordnung Gottes. Verantwortete Elternschaft hingegen respektiert diese Ordnung und richtet das eigene Leben danach ein. Genau dies ist der Weg, den die natürliche Empfängnisregelung beschreitet, die inner- und außerkirchlich sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Die Kenntnis der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage der Frau, verbunden mit zeitweiliger Enthaltsamkeit, ist ein Weg der Empfängnisregelung, der die Schöpfungsordnung Gottes respektiert. Zudem ist es ein gesunder Weg, der Partnerschaft und Liebe fördert. Die Botschaft des Glaubens und die Weisungen der Kirche im Hinblick auf die Empfängnisregelung sind ein großes Ja zum Leben im Respekt vor der Schöpfungsordnung Gottes. Sie ermutigt zu verantworteter Elternschaft und einem großherzigen Ja zum Kind. Und da ein Kind immer zuerst ein Geschenk Gottes ist, sagen Eheleute mit dem Ja zu ihrer Elternschaft auch Ja zum schöpferischen Wirken Gottes. Darum sprach man in früheren Zeiten immer vom Kindersegen. Man schaffte sich auch keine Kinder an, sondern ließ sich welche schenken. Gott krönt den Liebesakt von Mann und Frau mit Fruchtbarkeit. Dadurch werden sie Eltern und damit gleichsam Gott ähnlich, der ja der eigentliche Schöpfer des Lebens ist. Das Kind wird als Geschöpf Gottes auch zum Geschöpf der Eltern.

Es ist die Überzeugung der Kirche, dass Gott beim ehelichen Akt dem Kind die unsterbliche Seele einprägt, so dass das Kind ebenfalls zum Abbild des heiligen unsterblichen Gottes wird. Darum sagen manche geistliche Lehrer: Die Mutter ist für das Kind deshalb besonders wichtig, weil sie der Ort ist, an dem Gott dem Menschen die Seele geschenkt hat. Der Dienst der Eltern ist vor diesem Hintergrund von unschätzbarer Würde und Wertigkeit. Eltern haben Anspruch, von der Kirche, von der Gesellschaft und von jeglicher menschlichen Gemeinschaft geschützt und getragen zu werden. Denn die zur Familie gewordene Ehe ist der kleinste und wichtigste Baustein von Kirche und Gesellschaft. Ja, es gibt eine Diskrepanz zwischen der Lebenswirklichkeit vieler Menschen und den Überzeugungen der Kirche zur Sexualität. Doch es geht um keine „Spielverderbermoral“, sondern um ein einziges großes JA zu Leib, Liebe und Leben.

Ich lade Sie - ob jung oder alt - ein, sich dieser großartigen und befreienden Botschaft unseres Glaubens neu zu stellen. Sie ist eine anspruchsvolle Botschaft, aber sie ist eine Botschaft, die dem Menschen dient. Hinter dieser Botschaft steht die Gnade und Barmherzigkeit Gottes. Er ist es, der unserem Willen und Verstand mit seiner Gnade zur Seite steht. Er ist es aber auch, der uns nach Versagen und Schwäche zu Umkehr und Neuanfang verhilft. Die Botschaft unseres Glaubens ist immer Geschenk und Herausforderung zugleich. Gottes Gnade geht unserem Mühen voraus und begleitet es. Nehmen wir in diesem Sinne die Botschaft des Apostels Paulus an: „Verherrlicht also Gott in eurem Leib!“ (1 Kor 6,20).
Dazu segne und begleite euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Ihr
Erzbischof von Köln

Joachim Kardinal Meisner

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